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Cover Die zwei Gesichter des Januars

Die zwei Gesichter des Januars

von Patricia Highsmith; Übersetzt von: Werner Richter

Erschienen 2014 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
432 Seiten
ISBN 978-3-257-60392-7

Kurztext / Annotation

Der amerikanische Hochstapler und Fremdenführer Rydal lernt in Athen das elegante Ehepaar Chester und Colette MacFarland kennen. Die schöne Blonde erinnert ihn an seine unglückliche Jugendliebe, und während Rydal ihr immer mehr verfällt, zieht ihn Chester in einen Strudel des Verbrechens. Als man ihnen auf die Spur kommt, fliehen die drei über Kreta und Marseille bis nach Paris, wo sie ihr Schicksal schließlich einholt. Ein Roman über Eifersucht, Verrat, Mord und die verzweifelte Suche nach Glück.

Patricia Highsmith, geboren 1921 in Fort Worth/Texas, wuchs in Texas und New York auf und studierte Literatur und Zoologie. Erste Kurzgeschichten schrieb sie an der Highschool, den ersten Lebensunterhalt verdiente sie als Comictexterin, und den ersten Welterfolg erlangte sie 1950 mit ihrem Romanerstling Zwei Fremde im Zug

Textauszug

[9] 1

Es war ein Morgen Anfang Januar um halb vier Uhr früh, als Chester MacFarland in seiner Koje auf der San Gimignano von einem beunruhigenden Kratzgeräusch geweckt wurde. Er setzte sich auf und sah durch das Bullauge eine grell erleuchtete Wand an sich vorüberziehen. Sein erster Gedanke war, daß sie gerade ein anderes Schiff schrammten, daher krabbelte er rasch aus dem Bett und spähte, immer noch im Halbschlaf und über die Koje seiner Frau gebeugt, hinaus. Die Wand war mit Graffitti, Krakeleien und Zahlen vollgemalt und entpuppte sich jetzt als nackter Fels. NIKO 1957, las er. W. MUSSOLINI . Und dann ein sehr amerikanisches PETE '60.

Der Wecker schrillte los, Chester packte ihn und warf dabei die Scotchflasche um, die neben dem Bett auf dem Boden stand. Er drückte den Knopf, der das Klingeln beendete, dann griff er nach seinem Morgenmantel.

"Liebling... Was ist los?" fragte Colette verschlafen.

"Ich glaube, wir sind im Kanal von Korinth", sagte Chester. "Oder wir rammen gleich ein anderes Schiff. Aber eigentlich sollte es doch der Kanal sein. Es ist halb vier. Kommst du mit rauf an Deck?"

"Ach... nein", murmelte Colette und kuschelte sich tiefer in die Kissen. "Erzähl mir später davon."

[10] Chester lächelte und drückte ihr einen Kuß auf die warme Wange. "Ich geh mal kurz rauf. Komme gleich wieder."

Kaum war Chester durch die Tür an Deck hinausgetreten, lief ihm der Offizier über den Weg, der am Abend gesagt hatte, sie würden den Kanal von Korinth gegen 3.30 Uhr durchqueren.

" Sìsìsìsì! Il canale, signore! " rief er Chester zu.

"Danke!" Ein Kitzel von Abenteuerlust und Erregung durchfuhr Chester, und er reckte sich gegen den kühlen Wind, die Reling fest mit beiden Händen umklammert. Außer ihm war niemand an Deck.

Die Wände des Kanals ragten vier Stockwerke empor, wenn nicht höher. Auch als Chester sich über die Reling lehnte, sah er nichts als Schwärze in beide Richtungen. Man konnte nicht erkennen, wie weit der Kanal reichte, aber er erinnerte sich an die Landkarte Griechenlands: gut ein Zentimeter war er dort lang, was Chester auf rund sechs Kilometer hochrechnete. Von Menschen erbaut, diese wichtige Schiffsverbindung. Eine beeindruckende Vorstellung. Chester betrachtete die Spuren von Bohrern und Spitzhacken, die in dem orangefarbenen Fels noch zu sehen waren - oder war es nur harter Lehm? Er hob den Blick dorthin, wo die Kanalwand gegen die Dunkelheit abbrach, und weiter hinauf zu den Sternen, die den griechischen Himmel sprenkelten. Nur noch wenige Stunden, und er würde Athen sehen. Einen Moment lang wollte er den Rest der Nacht aufbleiben, sich seinen Mantel holen und an der Reling stehen, während das Schiff in Richtung Piräus durch die Ägäis pflügte. Allerdings wäre er dann am nächsten Tag [11] todmüde. Nach ein paar Minuten ging Chester zurück in die Kabine und kroch ins Bett.

Etwa fünf Stunden später, als die San Gimignano in Piräus angelegt hatte, kämpfte sich Chester wieder zur Reling - diesmal durch eine zeternde Menge von Passagieren und Trägern hindurch, die an Bord gekommen waren, um den Leuten mit ihrem Gepäck zu helfen. Er hatte geruhsam in der Luxuskabine gefrühstückt, weil er vorsichtshalber abwarten wollte, bis die meisten Passagiere an Land waren; doch nach der Anzahl Menschen, die an Deck und in den Korridoren herumwuselten, hatte der Landgang noch nicht begonnen. Die Stadt und der Hafen von Piräus waren ein staubiges Chaos. Chester war enttäuscht, daß er Athen nicht einmal in der Ferne erkennen konnte. Er zündete sich eine Zigarette an und musterte versonnen die geschäftigen und die reglosen Gestalten auf der breiten Mole. Gepäckträger in Blau. Einige Männer gingen in eher schäbig aussehenden Mänteln rastlos auf und ab und sahen dabei zum Schiff

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