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Cover funny girl

funny girl

von Anthony McCarten; Übersetzt von: Manfred Allié

Erschienen 2014 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
384 Seiten
ISBN 978-3-257-60415-3

Kurztext / Annotation

Junge Londonerin zu ihren kurdischen Eltern: "Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte: Ich werde Stand-up-Comedian. Die gute: Ich trage ab heute Burka - allerdings nur auf der Bühne." Eine hochexplosive multikulturelle Gesellschaftskomödie, so berührend und packend wie Englischer Harem Ladies Night The Theory of Everything Darkest Hour

Textauszug

[13] 1

Nach ihrem Tod sprach man wochenlang in jedem türkischen Restaurant über sie, an der Bushaltestelle, in den Waschsalons, Wettbüros und verrauchten Cafés von Green Lanes, aber keiner wollte sie gekannt haben, keiner fragte nach den Einzelheiten. "Die Täter müssen sie schwer misshandelt haben. Nicht alle Verletzungen ließen sich durch den Sturz erklären, als man sie tot vor einem sechzehnstöckigen Hochhaus fand." Die großen Zeitungen griffen den Fall auf, nannten sie "ein allseits beliebtes Mädchen, eine gehorsame Tochter und fromme Muslimin", und bei so viel Anteilnahme hätte man gedacht, dass es rasch Antworten auf alle offenen Fragen geben würde: Wer hatte das Mädchen umgebracht, wer hatte sie vom Balkon im achten Stock gestoßen, wenn sie tatsächlich gestoßen worden war? Und warum war sie umgebracht worden, wenn sie denn umgebracht worden war?

Der Islamische Rat Großbritanniens wollte sich nicht äußern und erklärte lediglich, es sei "Aufgabe der Polizei"; allerdings werde man die Angelegenheit aufmerksam verfolgen. Amnesty International, zu einer Stellungnahme gedrängt, schrieb, entscheidend sei, dass diese "grausame Bluttat" nicht ungesühnt bleibe.

Aber was das kleine Grüppchen ihrer Freunde am [14] meisten quälte, war, dass niemand, kein Einziger - nicht ihre Familie, nicht die Polizei, nicht die Behörden, die wegen laufender Ermittlungen ihr Begräbnis sechs Wochen lang hinausgezögert hatten, oder die Honoratioren der geschäftigen türkisch-kurdischen Gemeinde -, dass niemand etwas unternommen hatte, um die Sache aufzuklären und die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen. "Wieder ein Todesfall mit ethnischem Hintergrund" war das Fazit der Zeitungen, und mit diesem Schlusswort senkte sich der unvermeidliche Staub des Vergessens auf die Angelegenheit.

"Mörder!"

Als er diesen Schrei über die gebeugten Häupter der Trauernden schallen hörte, fuhr der Vater des toten Mädchens, an den er gerichtet war, herum und suchte mit weit aufgerissenen Augen nach dem Ankläger. "Wer hat das gerufen? Wer hat das gerufen?"

Er riss sich vom Grab seiner Tochter los, wo er sich mehrfach verneigt und leise Klagelaute ausgestoßen hatte, bahnte sich einen Weg durch die dichtgedrängten Angehörigen, Freunde und anderen Trauergäste, bis er ganz hinten auf ein paar Fremde stieß. "Wer war das? Sagt mir, wer das war! Wer hat das gerufen? Sie war meine Tochter !"

Die Anklage war aus dieser kleinen Gruppe gekommen, den Schulfreunden des toten Mädchens, und keiner von den Jungs hatte vor, sich zu melden - schon gar nicht gegenüber diesem Mann, von dem sie überzeugt waren, dass er, auch wenn er die Tat vielleicht nicht mit eigenen Händen begangen hatte, der Schuldige war.

Willkürlich griff sich der Vater einen jungen Mann von gerade mal fünfzehn heraus, packte ihn am Revers seiner [15] billigen Lederjacke: "Warst du das? Das warst du, oder? Gib's zu!"

"Er hat nichts gesagt!", rief einer von seinen Freunden.

"Er war's nicht!", ein anderer.

"Lassen Sie ihn in Ruhe."

Und dann: "Haben Sie nicht schon genug angerichtet? Schämen Sie sich nicht?"

Der Vater ließ den ersten jungen Mann los, als er das Wort "schämen" hörte, und stürzte sich auf einen anderen, gleichaltrigen, einen Jungen mit einem ersten Anflug von Bartwuchs, aus dessen Mund das Wort gekommen war. "Wer spricht hier von Schämen - dass ich mich beim Begräbnis meiner Tochter schämen soll? Wer wagt es, so was zu sagen? Für wen hältst du dich, dass du so was sagst? Meine Tochter ! Sie war meine Tochter !" Plötzlich standen Tränen in den wütenden Augen des Vaters.

Aber die jungen Freunde des toten Mädchens blieben ungerührt, und aus einer ganzen Reihe von Kehlen kam leise und wie im Chor das Wort "Dreckskerl".

Der Vater

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