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Cover Schwarzes Unheil

Schwarzes Unheil

Roman

von Evelyn Waugh; Übersetzt von: Irmgard Andrae

Erschienen 2014 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
272 Seiten
ISBN 978-3-257-60422-1

Kurztext / Annotation

Auf Azania, einer fiktiven Insel vor der Küste Afrikas, herrscht Seth, der Kaiser von Sakuyu, Herr von Wanda und Tyrann der Meere und B.A. der Universität Oxford

Textauszug

[56] 2

"Liebchen, Täubchen, Katzenaug'."

"Das hast du aus einem Buch."

"Nun ja. Woher weißt du das?"

"Ich habe es auch gelesen. Es ging in der ganzen Gesandtschaft rum."

"Ich habe es ja auch nur zitiert. Man muss doch manchmal irgendwie etwas Neues sagen, nicht wahr?"

William und Prudence rollten auseinander und lagen nun auf dem Rücken. Ihre Sonnenhüte hatten sie über die Nase gestülpt, um ihre Augen vor der Äquatorsonne zu schützen. Sie lagen auf einem Hügel oberhalb von Debra Dowa. Hier - achttausend Fuß hoch - war es kühl. Hinter ihnen, umgeben von einer Euphorbienhecke, stand eine strohgedeckte nestorianische Kapelle. Vor ihrer Tür lag das jüngste Kind des Priesters, sonnte seinen nackten Bauch und blickte heiter in den Himmel, gleichgültig gegen die Fliegen, die sich an seinen Mundwinkeln niederließen und über seine Augäpfel wanderten. Unten im Tal sah man die Blechdächer von Debra Dowa und ein paar dünne Rauchsäulen zwischen blauen Eukalyptusbäumen. Etwas abseits saß der Gesandtschaftsstallknecht bei den Ponys.

"William, Liebling, auf deinem Hals sitzt etwas Seltsames. Ich glaube, es sind sogar zwei."

[57] "Na, ich finde, du könntest sie verjagen."

"Ich glaube, es ist die Art, die am bösesten sticht."

"Biest."

"Ach, nun ist es fort. Es waren doch zwei."

"Ich kann aber fühlen, wie es herumkriecht."

"Nein, Liebling, das bin ich. Ich finde, du könntest wenigstens hinsehen, wenn ich so süß zu dir bin. Ich habe eine neue Art Kuss erfunden. Man macht es mit den Wimpern."

"Das kenne ich seit Jahren. Man nennt es Schmetterlingskuss."

"Ach, du brauchst damit gar nicht so anzugeben. Ich tue das alles nur zu deinem Besten."

"Es war sehr hübsch, Liebling. Ich sagte bloß, es ist nichts Neues."

"Ich glaube, du hast es nicht einmal gemocht."

"Es war dem stechenden Biest so sehr ähnlich."

"Ach, es ist zum Rasendwerden, dass außer dir niemand da ist, mit dem man flirten könnte."

"Die Dame-von-Welt-Stimme."

"Das ist nicht Dame-von-Welt. Das ist meine Grammophonplattenstimme. Meine Dame-von-Welt-Stimme ist ganz anders. Die ist so."

"Das nenne ich amerikanisch."

"Soll ich mal Bebend-vor-Leidenschaft reden?"

"Nein."

"Meine Güte, Männer sind schwer zu amüsieren." Prudence setzte sich auf und steckte eine Zigarette an. "Ich finde dich zu feminin und nicht besonders sexy", erklärte sie, "und ich kann dich nicht ausstehen."

[58] "Das ist nur, weil du zu jung bist, um echte Gefühle aufkommen zu lassen. Du könntest mir eine Zigarette geben."

"Ich habe gehofft, dass du das sagen würdest. Zufällig ist dies die letzte. Nicht nur die letzte in meiner Tasche, sondern die letzte in Debra Dowa. Ich habe sie mir heut früh im Schlafzimmer des Außerordentlichen Gesandten genommen."

"O Gott, wann ist dieser idiotische Krieg vorbei! Seit sechs Wochen ist kein Postsack mehr gekommen. Mir fehlen Haarwasser, Detektivromane, und jetzt gibt's keine Zigaretten mehr. Ich finde, du könntest mir ein bisschen von der da abgeben."

"Ich hoffe, du kriegst eine Glatze. Aber ich überlasse dir die Zigarette."

"Pru, wie süß von dir! Ich hätte nicht gedacht, dass du es tun würdest."

"So bin ich nun mal."

"Ich glaube, ich werde dir einen Kuss geben."

"Nein, versuche die neue Art mit den Wimpern."

"Ist das so richtig?"

"Bezaubernd. Noch ein bisschen."

Bald darauf stiegen sie wieder auf und ritten zur Gesandtschaft zurück. Auf dem Weg sagte William: "Hoffentlich kriegt man davon nicht einen Tick."

"Wovon, Liebling?"

"Das mit den Wimpern. Ich habe Leute mit Ticks gesehen. Wahrscheinlich haben sie sie auf diese Weise bekommen. Es gab mal einen Mann, der festgenommen wurde, weil er den Mädchen auf der Straße zuzwinkerte. Da behauptete er, es sei

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