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Cover Kitchen

Kitchen

von Banana Yoshimoto; Übersetzt von: Wolfgang E. Schlecht

Erschienen 2014 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
208 Seiten
ISBN 978-3-257-60425-2

Kurztext / Annotation

Als Mikage ihre Großmutter verliert, ist sie vollkommen allein in der großen Wohnung. Nur in der Küche, wo sie das Brummen des Kühlschranks in den Schlaf wiegt, kommt sie zur Ruhe. Aus ihrer Einsamkeit holt sie Yuichi. Er schlägt ihr vor, zu ihm und seiner Mutter zu ziehen. Es entwickelt sich eine merkwürdige Wohngemeinschaft. Denn Eriko, die wunderschöne "Mutter" Yuichis, hat eine schillernde Vergangenheit.

Banana Yoshimoto, geboren 1964, hieß ursprünglich Mahoko Yoshimoto. Ihr erstes Buch Kitchen red banana flower

Textauszug

[9] Der liebste Platz auf dieser Welt ist mir die Küche.

Ganz gleich, was sonst geschieht - in einer Küche, an einem Ort, an dem man kochen kann, da geht's mir gut. Wenn diese Küche auch noch praktisch ist und alles darin seinen festen Platz hat, wenn überall saubere Tücher hängen und die weißen Fliesen funkeln und blitzen, dann ist's perfekt.

Doch auch für wahnsinnig schmuddelige Küchen kann ich mich begeistern.

Für Küchen etwa, deren Boden mit Gemüseresten übersät ist und so schmutzig, dass die Sohlen meiner Schlappen schwarz werden, und deren Boden eine Riesenfläche hat; so was finde ich toll. Vielleicht ragt darin ein riesiger Kühlschrank auf, vollgestopft mit Lebensmitteln, so vielen, dass man leicht über den ganzen Winter kommt. Vor dem stehe ich, gelehnt an seine metallene Tür. Wenn ich den Blick vom fettbespritzten Gasherd und den angerosteten Messern hebe, leuchten draußen vor dem Fenster einsam die Sterne.

Übrig geblieben bin dann ich und die Küche. Ein tröstlicher Gedanke, wenn ich mir vorstelle, nur ich allein wäre noch da.

Manchmal, wenn ich total am Ende bin, denke ich mir: Wenn ich einmal sterben muss, dann will ich meinen letzten Atemzug in einer Küche tun. Ganz gleich, ob ich allein bin und es kalt ist, ob jemand bei mir sitzt und es warm ist: [10] Furchtlos will ich da den Dingen entgegensehen. Wenn es nur in einer Küche wäre, denke ich - wie schön!

Bevor mich die Tanabes aufgelesen haben, schlief ich nachts immer in der Küche.

Da ich anfangs, wo ich mich auch hinlegte, nur schwer einschlafen konnte, bewegte ich mich auf der Suche nach einem angenehmeren Schlafplatz immer weiter von meinem Zimmer weg. Bis ich eines frühen Morgens herausfand, dass ich neben dem Kühlschrank am besten schlief.

Ich, Mikage Sakurai, habe Vater und Mutter verloren, als sie noch jung waren. Meine Großeltern haben mich aufgezogen. Als ich in die Mittelschule kam, starb auch Großvater. Seitdem schlug ich mich allein mit Großmutter durchs Leben.

Und nun, vor kurzem erst, ist auch Großmutter gestorben. Ein echter Schock für mich.

Wenn ich mir so vorstellte, wie meine Familie - und ich habe ja tatsächlich eine gehabt - im Lauf der Zeit immer kleiner geworden war, bis zuletzt nur noch ich übrig blieb, schien es mir, als könne ich an nichts mehr glauben. Wie konnte in dieser Wohnung, in der ich geboren und aufgewachsen bin, ich allein übrig geblieben sein, während die Zeit so gleichmäßig dahinfloss? Ich war total erschrocken.

Reinste Science-Fiction. Das Dunkel des Weltraums.

Nach der Beerdigung war ich erst mal drei Tage völlig weg.

Leise schleppte ich eine sanfte Müdigkeit hinter mir her, die die übergroße, tränenlose Traurigkeit hervorgerufen hatte. Abends legte ich im stillen Licht der Küche meinen [11] Futon aus. In eine Wolldecke gekuschelt, wie Linus aus dem Comicstrip, schlief ich ein. Das gleichmäßige Summen des Kühlschranks hielt alle Gedanken der Einsamkeit von mir fern. Eine ruhige, lange Nacht ging vorüber, der Morgen kam.

Unter den Sternen wollte ich schlafen.

Im Morgenlicht wollte ich erwachen.

Alles andere war, ohne eine Spur zu hinterlassen, an mir vorübergegangen.

Doch halt! So konnte es nicht weitergehen. Schließlich ist das Leben ernst!

Auch wenn Großmutter genügend Geld hinterlassen hatte, war die Wohnung für mich allein zu groß. Und zu teuer. Ich musste eine neue Bleibe finden.

So kaufte ich mir ein Anzeigenmagazin und blätterte darin herum. Als ich die vielen Wohnungsangebote sah, von denen, wie mir schien, eines dem anderen glich, wurde mir ganz schwindlig. Umziehen ist mühsam. Wer umzieht, braucht Power!

Und die fehlte mir. Da ich Tag und Nacht in der Küche herumgelegen hatte, taten mir außerdem sämtliche Knochen weh. Als ich versuchte, meinen Kopf, dem alles egal war, wieder zum Ticken zu bringen, packte mich bei d

Beschreibung für Leser

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