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Cover Mystic River

Mystic River

von Dennis Lehane; Übersetzt von: Sky Nonhoff

Erschienen 2014 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
656 Seiten
ISBN 978-3-257-60437-5

Kurztext / Annotation

Dave, Jimmy und Sean kannten sich schon als Kinder. Nun, 25 Jahre später, kreuzen sich die Wege der drei grundverschiedenen Männer erneut unter tragischen Umständen, als Jimmys Tochter Katie ermordet aufgefunden wird. Sean, inzwischen Polizist, leitet die Ermittlungen, und schon bald steht sein alter Freund Dave unter Verdacht. Dennis Lehanes Weltbestseller, ausgezeichnet mit dem Deutschen Krimipreis, verfilmt und mit zwei Oscars prämiert.

Dennis Lehane, irischer Abstammung, geboren 1965 in Dorchester, Massachusetts, arbeitete als therapeutischer Berater für geistig behinderte und sexuell missbrauchte Kinder, als Kellner, Limousinenchauffeur, Parkplatzwächter, in Buchläden und als Erntehelfer, bevor er Creative Writing an der Florida International University studierte. Seine erfolgreich verfilmten Bücher Mystic River Shutter Island In der Nacht

Textauszug

[9] 1

Der "Point" und die "Flats"

Als Sean Devine und Jimmy Marcus Kinder waren, arbeiteten ihre Väter in der Coleman-Süßwarenfabrik und brachten jeden Abend den Gestank von warmer Schokolade mit nach Hause. Der Geruch steckte in ihrer Kleidung, setzte sich in ihren Betten und den Vinyl-Rückenlehnen ihrer Autositze fest. Die Küche von Seans Eltern roch wie ein Karamelllutscher, das Badezimmer wie ein Chew-Chew-Riegel. Als sie elf waren, hatten Sean und Jimmy einen derartigen Ekel vor Süßigkeiten entwickelt, dass sie ihren Kaffee für den Rest ihres Lebens schwarz tranken und auf Nachtisch grundsätzlich verzichteten.

Samstags sah Jimmys Vater meist auf ein Bier bei den Devines vorbei. Jimmy brachte er mit, und während aus einem Bier schnell sechs wurden, zwei, drei Whiskey inklusive, spielten Jimmy und Sean draußen im Garten, manchmal auch mit Dave Boyle, einem Jungen mit zierlichen Handgelenken und verhuschtem Blick, der immer Witze erzählte, die er von seinen Onkel hatte. Durch das Fliegengitter des Küchenfensters drang vereinzelt lautes Gelächter zu ihnen heraus. Sie hörten, wie die Laschen von den Bierdosen gezogen wurden und die schweren Zippos auf- und zuschnappten, wenn Mr. Devine und Mr. Marcus sich ihre Luckys ansteckten.

[10] Seans Vater war Vorarbeiter und hatte den besseren Job. Er war groß und blond und besaß ein offenes, gewinnendes Lächeln, mit dem er Seans Mutter schon des Öfteren besänftigt hatte; ihre Wut verrauchte dann, als hätte er sie einfach ausgeknipst. Jimmys Vater war für das Beladen der Lieferwagen zuständig. Er war klein; sein dunkles Haar fiel ihm wirr in die Stirn, und irgendetwas in seinen Augen schien ständig zu flackern. Außerdem bewegte er sich wie ein Wiesel; man blinzelte nur kurz, und plötzlich befand er sich am anderen Ende des Raums. Dave Boyle hatte keinen Vater, nur eine Menge Onkel, und er war an jenen Samstagen nur dabei, weil er an Jimmy hing wie eine Klette; wenn er sah, wie Jimmy mit seinem Vater das Haus verließ, stand er auch schon, ein wenig außer Atem, neben ihrem Auto und fragte, traurig und erwartungsfroh zugleich: "Wie sieht's aus, Jimmy?"

Sie lebten alle in East Buckingham, ein Stück westlich vom Stadtzentrum, einem Viertel mit winzigen Eckläden, kleinen Spielplätzen und Metzgereien, in deren Schaufenstern rosafarbenes, noch blutiges Fleisch hing. Die Bars hatten irische Namen; am Straßenrand standen Dodge Darts. Die Frauen trugen im Nacken verknotete Kopftücher und hatten Kunstledertäschchen mit Schnappverschluss bei sich, in denen sich ihre Zigaretten befanden. Bis noch vor ein paar Jahren waren ältere Jungs so plötzlich von den Straßen verschwunden, als hätten Außerirdische sie entführt. Nach etwa einem Jahr kehrten sie hohlwangig und hohläugig aus dem Krieg zurück, und so manches Mal kamen sie überhaupt nicht wieder. Tagsüber durchforsteten die Mütter Zeitungen nach Gutscheinen. Abends gingen die Väter [11] in die Kneipe. Jeder kannte jeden, und außer den älteren Jungs verließ nie jemand das Viertel.

Jimmy und Dave stammten aus den Flats unten am Penitentiary Channel südlich der Buckingham Avenue. Sie wohnten nur zwölf Blocks von Seans Straße entfernt, doch das Haus der Devines befand sich nördlich der Avenue, in jenem Teil des Viertels, der The Point genannt wurde, und für gewöhnlich gingen sich die Bewohner des Point und der Flats geflissentlich aus dem Weg.

Nicht, dass die Straßen des Point mit Gold gepflastert gewesen wären oder man dort mit dem Silberlöffel im Mund geboren wurde. Es war einfach nur der Point, eine Arbeitergegend, in der Chevys, Fords und Dodges vor schlichten Reihenhäusern oder dem einen oder anderen Haus im viktorianischen Stil parkten. Aber den Bewohnern des Point gehörten ihre Häuser; in den Flats wohnte man zur Miete. Im Point gingen die Familien zur Kirche, blieben zusammen,

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