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Cover Zwei Bärinnen

Zwei Bärinnen

von Meir Shalev; Übersetzt von: Ruth Achlama

Erschienen 2014 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
464 Seiten
ISBN 978-3-257-60440-5

Kurztext / Annotation

Auge um Auge, Zahn um Zahn - ein Roman über Leidenschaft und Untreue, über Verlust, Rache und deren Sühne. Die Familie Tavori betreibt im Norden Israels in der dritten Generation eine Gärtnerei. Es sind Menschen, die ihren Instinkten und Emotionen folgen: ihrer Liebe ebenso wie ihrem Hass. Eine erschütternde Familiensaga und ein unkonventioneller literarischer Thriller von archaischer Wucht.

Meir Shalev, geboren 1948 in Nahalal in der Jesreel-Ebene, studierte Psychologie und arbeitete viele Jahre als Journalist, Radio- und Fernsehmoderator. Er ist einer der bekanntesten und beliebtesten israelischen Romanciers und erhielt 2006 den Brenner Prize, die höchste literarische Auszeichnung in Israel. Meir Shalev schreibt regelmäßig Kolumnen für die Tageszeitung Yedioth Ahronoth

Textauszug

[10] 2

Vorbereitungen

I

Wie hart würde die Rache sein, und wie schlicht und leicht waren die Vorbereitungen. Der Frau des Rächers, die hinter ihm stand, jede Einzelheit sah und begriff, erschienen sie wie die Vorbereitungen zu einem Ausflug, wie seine Vorbereitungen zu den Ausflügen, die sie vor Jahren gemeinsam unternommen hatten: das kräftige Ausschütteln des Rucksacks, der sich freute, mal wieder aus dem Abstellraum herauszukommen. Der prüfende Zug an den Schnürsenkeln der Wanderschuhe, die beinah schon alle Hoffnung aufgegeben hatten. Der Anwesenheitsappell der Knöpfe am Arbeitshemd.

Und auch die Unterschiede sah sie: Anstelle der Delikatessen, die er auf die damaligen, die gemeinsamen Ausflüge mitgenommen hatte, um ihr Herz zu erfreuen, packte er jetzt wenige, einfache Lebensmittel ein: ein paar Scheiben Brot, harte Eier, ungeschälte kleine Gurken, einen Becher saure Sahne. Das Wort "asketisch" fiel ihr unwillkürlich ein.

Und weitere Dinge bemerkte sie: Die Eier pellte er hier in der Küche, damit keine Schalenkrümel im Gelände zurückblieben und die Anwesenheit eines Menschen verrieten. Die Salami, eine ständige Begleiterin bei den [11] gemeinsamen Ausflügen von einst, signalisierte ihm, dass sie gern mitkommen würde, wurde jedoch übergangen. Ihr Geruch konnte Hunde anlocken, und dem Hund folgte womöglich sein Herrchen. Den schwarzen Kaffee, registrierte sie, kochte er noch hier im Haus und goss ihn in die alte Thermoskanne. Ein Lagerfeuer, einen Gasbrenner, frischgekochten Kaffee sieht und hört man, und ihr Geruch trägt weit.

Und sie erinnerte sich: Früher, bei den gemeinsamen Ausflügen, hatte er den Kaffee auf seinen kleinen, perfekt geschichteten Feuerchen gekocht. Hatte ihn aufwallen lassen, umgerührt, eingeschenkt, ihn ihr wie ein ausnehmend galanter Kellner serviert. Sie hatten damals einen kleinen Stieltopf, der auf jeden Ausflug mitkam. Aber auch der - wo ist er?, fragte sie sich unvermittelt, schon zwölf Jahre hatte sie ihn nicht mehr gesehen - kam jetzt nicht in den Rucksack.

Sie wusste: Etwas Großes und Schlimmes stand bevor. Vergeltung würde geübt, Blut gerächt werden, es würde jemand sterben, vielleicht mehr als einer. Und doch trat ein Lächeln auf ihr Gesicht, als empfände sie Mitleid mit dem Stieltopf: "Dich Schüchternen und Verrußten nimmt er nicht mit? Macht nichts. Auch mich lässt er zurück" - wie einst David die zweihundert Mann zurückließ, die beim Tross blieben, als er mit gezücktem Schwert zu Nabal zog, Rachegedanken im Herzen.

Sie trat näher an ihn heran. Spürte er sie? Besaß er noch jene erschreckende und anziehende Fähigkeit zu spüren, was hinter seinem Rücken vorging? Ob ja oder nein, er drehte sich nicht um, schenkte ihr keinen Blick. Sie trat noch näher, fühlte angenehm deutlich die zwei Zentimeter [12] Größenunterschied zwischen ihnen und lächelte im Stillen: In der ganzen Moschawa gab es keinen Mann, der kleiner als seine Frau war, und erst recht keinen, dem das auch noch gut gefiel.

Früher, vor dem Unglück, als sie noch gemeinsam auf der Straße gingen - was für ein schönes Paar, sagten damals alle -, legte er ihr sogar den Kopf auf die Schulter, ein Rollentausch, der Beobachter irritierte, ihr selbst aber großes Vergnügen bereitete. "Das ist sehr wichtig, seine Liebste zum Lachen zu bringen", sagte er damals oft. In ihren privaten zehn Geboten, die er verfasst und im Schlafzimmer an die Wand gehängt hatte, lauteten das dritte, das vierte und das neunte Gebot einhellig: "Du sollst deine Frau zum Lachen bringen."

"Wo hat er bloß die biblischen Wendungen her?", hatte sie damals gestaunt, als sie die Worte erblickte, und staunte sie nun, als sie ihr wieder einfielen. An einem besonders schlimmen Morgen, vor ein paar Jahren, hatte sie diese zehn Gebote von der Wand gerissen, zerfetzt und in den Mülleimer geworfen. Neue hatt

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