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Cover Die Geschichte von Blue

Die Geschichte von Blue

von Solomonica de Winter; Übersetzt von: Anna-Nina Kroll

Erschienen 2014 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
288 Seiten
ISBN 978-3-257-60445-0

Kurztext / Annotation

Welch ein Talent: Die erst 17-jährige Solomonica de Winter erzählt die Geschichte von Blue, die ihren Vater früh verloren hat, deren Mutter in ihrer eigenen Welt lebt und die sich in einen Menschen verliebt, der vom gleichen Buch besessen ist wie sie: dem Zauberer von Oz

Textauszug

[25] 4

Bevor ich weitermache, Herr Doktor, sollte ich Ihnen wahrscheinlich mehr über meinen Vater erzählen. Und über Daisy, wie sie einmal war. Über mein Leben, wie es einmal war. Über mein Buch.

Wir lebten ganz in der Nähe des falschen Teils der Stadt, den nur diejenigen kennen, die auch dort leben. Frierende Mädchen an Straßenecken, schwarz gekleidete Jungen, die mit tief in den Hosentaschen vergrabenen Händen in dunklen Gassen stehen. Dreckblinde Fenster. Speckige Türklingeln. Erbrochenes auf der Straße. Lichtschalter in den Wohnungen, die schwarz sind von all den Fingern, die sie berührt haben. Wenn jemand sich in diese Gegend verirrt, kurbelt er sofort die Autofenster hoch und stellt das Radio ab. Glücklicherweise lebten wir gerade noch auf der sicheren Seite, wo Kinder wie ich noch allein zur Schule gehen konnten, während nur ein paar Blocks weiter Kriminelle durch die Straßen zogen.

Damals waren Zigaretten ein Gottesgeschenk, und wer irgendeine Art von Schmuck trug, galt automatisch als reich. Ich besaß keinen Schmuck, aber ich hatte ein Seidenband, das ich durch einen Stein mit Loch gefädelt [26] hatte - und das war meine Halskette. Ich hatte Dreck unter den Fingernägeln und dürre Beinchen.

Das Restaurant meines Vaters lag in der Crimson Street. Es hieß The Olive Place. Daisy kellnerte, mein Vater war der Koch, der beste Koch der Welt. Er hatte bei der Arbeit immer ein Lächeln im Gesicht. Er wollte, dass jedes seiner Gerichte perfekt schmeckte.

Daisy und er arbeiteten sehr hart. Von zehn Uhr morgens bis zwei Uhr in der Nacht, sieben Tage die Woche. Ollies Augen leuchteten jedes Mal, wenn er einen Gast beim berühmten ersten Bissen beobachtete. Er machte die Runde, plauderte mit den Gästen. Die kleinen Mädchen zwickte er in die Wange und sagte ihnen, sie würden mit jedem Mal hübscher, den jungen Männern klopfte er auf die Schulter und wollte wissen, ob sie schon eine Freundin hätten. Oft füllte er ihre Gläser nach, ohne es zu berechnen. Einfach, weil es ihn glücklich machte, andere Menschen glücklich zu sehen. Mein Daddy war ein guter Mann; mein Daddy hatte ein gutes Herz. Ich beobachtete ihn oft bei der Arbeit. Die Küche war seine Oase in der Wüste. Es war, als wäre er dort ein anderer Mensch. Ich las die Unschuld in seinen Augen, obwohl er vor lauter Sorgen, die er mir nicht erzählte (nicht erzählen konnte), einen ganz versteinerten Ausdruck im Gesicht hatte. Zu Hause war unsere Familie angespannt, hoffnungslos, zerrissen vor Stress; im Restaurant waren wir ganz, heil.

"Weiter geht's, Darling!", rief er immer, wenn er einen neuen Teller für Daisy auf die Theke stellte. Von Zeit zu Zeit drehte er sich beim Kochen um und lächelte mir [27] zu. Er sprang von Pfanne zu Pfanne und sang mit lauter Stimme. Kostete hier ein bisschen, probierte dort einen kleinen Schluck, um sicherzugehen, dass auch ja alles, was seine Küche verließ, köstlich schmeckte. Daisy brachte die Teller zum Tisch und schrieb niemals eine Bestellung falsch auf. Sie wischte den Boden, putzte die Fenster und achtete darauf, dass die Bilder alle gerade hingen und die Tische alle korrekt mit der Gabel und Serviette links und dem Messer rechts vom Teller gedeckt waren.

Als ich älter wurde und mir die Welt zusammenzureimen begann, überraschte es mich nicht, dass wir finanzielle Probleme hatten. Ich wurde sozusagen mit dem Wissen geboren, dass Geld für uns nie leicht verdient sein würde. Was ich nicht gewohnt war, war der Anblick meiner Familie beim Abstieg in die Bedrängnis der Armut, die Anspannung, die sich breitmachte, als der Vermieter die Miete erhöhte; diese Anspannung in mir war so greifbar, dass ich sie mit den Zähnen durchbeißen konnte.

Wir mussten Daisys Auto verkaufen. Jeden Tag kamen meine Eltern erschöpfter nach Hause, Daisy brach vor Stress und Frustration sogar oft in Tränen aus. Ich beobachtete Ollie be

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Solomonica de Winter, geboren am 3. Juni 1997 in Bloemendaal bei Amsterdam/Niederlande, wo sie auch aufwuchs. Nach mehreren Jahren in Los Angeles lebt sie heute mit ihrer Familie wieder in Bloemendaal und besucht dort die Internationale Schule. Für ihr Debüt erhielt sie ein überwältigendes Medienecho.

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