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Cover Tod zwischen den Zeilen

Tod zwischen den Zeilen

Commissario Brunettis dreiundzwanzigster Fall

von Donna Leon; Übersetzt von: Werner Schmitz

Erschienen 2015 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
304 Seiten
ISBN 978-3-257-60459-7

Kurztext / Annotation

Brunetti auf der Jagd nach Raritäten: Der Commissario wird zu einem ungewöhnlichen Tatort gerufen, der altehrwürdigen Biblioteca Merula. Wertvolle Folianten liegen aufgeschlitzt da, und der amerikanische Forscher, der ein Dauergast war, ist verschwunden. In Venedig, das einst auch eine florierende Bücherstadt war, entdeckt Brunetti eine eigenartige Welt: einen florierenden Schwarzmarkt für Bücher.

Donna Leon, geboren 1942 in New Jersey, lebt seit 1965 im Ausland. Sie arbeitete als Reiseleiterin in Rom und als Werbetexterin in London sowie als Lehrerin an amerikanischen Schulen in der Schweiz, im Iran, in China und Saudi-Arabien. Die Brunetti

Textauszug

[7] 1

Es war ein nervtötender Montag, Brunetti hatte sich durch die Zeugenaussagen zu einer Schlägerei zwischen zwei Wassertaxifahrern hindurchgekämpft, als deren Ergebnis einer der beiden mit einer Gehirnerschütterung und einem gebrochenen rechten Arm ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Ausgesagt hatte das amerikanische Ehepaar, das beim Hotelportier ein Taxi zum Flughafen bestellt hatte; der Portier, der eins der Taxis, mit dem sie immer zusammenarbeiteten, gerufen haben wollte; der Angestellte, der das Gepäck der Amerikaner in das wartende Boot verstaute, was schließlich sein Job war; und zu guter Letzt die beiden Taxifahrer - der eine vom Krankenhaus aus. Für Brunetti reimten sich die Aussagen nur dann zusammen, wenn das angeforderte Taxi zwar schnell zur Stelle war, da es sich zufällig in der Nähe befand, ihm aber dennoch am Hotelanleger ein anderes Wassertaxi zuvorgekommen war, das mit den Koffern beladen wurde. Das bestellte Taxi zwängte sich daneben, und der Fahrer rief laut die Amerikaner mit Namen, um sie zum Flughafen zu bringen. Der andere Fahrer aber bestand stur darauf, dass dies seine Fuhre sei, weil der Gepäckträger ihn herangewinkt habe. Jener bestritt das. Und dann fand sich der Fahrer, dessen Taxi bereits beladen war, plötzlich auf dem Deck des anderen Taxis wieder. Die Amerikaner waren außer sich, weil sie ihren Flug verpasst hatten.

Brunetti hatte zwar keine Beweise, konnte sich aber [8] bestens vorstellen, was geschehen war: Der Mann für das Gepäck hatte ein vorbeifahrendes Taxi herangewinkt, um dem Portier die Provision wegzuschnappen. Die Folgen lagen auf der Hand: Natürlich würde niemand sagen, wie der Hase lief, und die Amerikaner hatten wieder mal keine Ahnung, was los war.

Einen Moment hing Brunetti diesen Gedanken nach, vergaß sogar, dass er einen Kaffee trinken wollte. War er da etwa über die Formel gestolpert, die das aktuelle Weltgeschehen erklärte? Lächelnd nahm er sich vor, Paola am Abend davon zu erzählen, oder besser noch am nächsten Abend, für den sie bei den Faliers zum Essen eingeladen waren. Vielleicht konnte er seinen Schwiegervater, der paradoxe Situationen liebte, damit zum Lachen bringen. Bei seiner Schwiegermutter war er sich ganz sicher.

Er ließ das Träumen sein und machte sich auf den Weg nach unten, um endlich den Kaffee zu trinken, der ihn durch den Rest des Nachmittags hindurchretten würde. Doch kurz bevor er die Tür ins Freie öffnete, klopfte der Wachhabende in der Telefonzentrale ans Fenster seines winzigen Büros und winkte ihn herein. Brunetti bekam noch mit, wie der Wachmann ins Telefon sagte: "Ich denke, Sie sollten mit dem Commissario sprechen, Dottoressa. Der ist dafür zuständig." Er reichte ihm den Hörer.

"Brunetti."

"Sie sind ein Commissario?"

"Ja."

"Hier spricht Dottoressa Fabbiani, Chefbibliothekarin der Biblioteca Merula. Man hat uns bestohlen. Vermutlich ist sogar mehrfach etwas entwendet worden." Ihre Stimme klang [9] zittrig, wie bei allen Opfern eines Raubüberfalls, die Brunetti getroffen hatte.

"Aus der Sammlung?", fragte Brunetti. Er kannte die Bibliothek, war als Student ein paarmal dort gewesen, doch das war Jahrzehnte her.

"Ja."

"Was genau wurde gestohlen?", fragte Brunetti und legte sich im Geist die nächsten Fragen zurecht.

"Das ganze Ausmaß ist uns noch nicht bekannt. Bis jetzt steht nur fest, dass aus mehreren Bänden einzelne Seiten herausgeschnitten wurden." Er hörte sie tief Luft holen.

Brunetti zog Papier und Bleistift zu sich heran. "Um wie viele Seiten geht es denn?"

"Das weiß ich nicht. Ich habe es soeben erst bemerkt." Ihre Stimme gewann allmählich wieder an Festigkeit.

Neben ihr sagte ein Mann etwas. Ihre Antwort klang gedämpft, offenbar hatte sie sich zu dem Sprecher umgedreht. Dann herrschte Stille am anderen Ende der Leitung.

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

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Kundenbewertungen

Auf der Jagd nach Raritäten. 06. Juni 2015
Was mit aufgeschlitzten wertvollen Folianten in der Biblioteca Merula beginnt, wird bald zu einem neuen spannenden Fall für Commissario Brunetti. Zu diesem Krimi hat sich Donna Leon durch einen der größten Buchdiebstähle der Geschichte inspirieren lassen. Spannung pur in einem interessanten Setting.
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