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Cover Moshi Moshi

Moshi Moshi

von Banana Yoshimoto; Übersetzt von: Matthias Pfeifer

Erschienen 2015 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
304 Seiten
ISBN 978-3-257-60464-1

Kurztext / Annotation

Die zwanzigjährige Yotchan steht vor dem Nichts, als ihr Vater, Leader einer Rockband, plötzlich zusammen mit einer wildfremden Frau Selbstmord begeht. Mit ihrer Mutter findet sie Zuflucht in einer ungewöhnlichen WG in Tokios Künstler- und Szeneviertel Shimokitazawa. Dort findet jede auf ihre Art zu neuer Lebensfreude zurück, getragen von dem authentischen Stadtviertel und seinen Bewohnern. Kochkunst, Essenslust und eine bewegte Reifungs- und Liebesgeschichte - eine asiatisch weise Verführung zum Leben.

Banana Yoshimoto, geboren 1964, hieß ursprünglich Mahoko Yoshimoto. Ihr erstes Buch Kitchen red banana flower

Textauszug


[5] Von dem schon verstorbenen Regisseur Jun Ichikawa, den ich sehr verehre, gibt es den Film Zawa zawa Shimokitazawa , "Summendes Shimokitazawa".

Um mir für den Umzug nach Shimokitazawa Mut zu machen, habe ich diesen Film in einsamen Nächten unzählige Male gesehen. Damals lebte ich noch in der Wohnung meiner Eltern. Ich wollte Shimokitazawa wie ein Schwamm mit meinem ganzen Körper aufsaugen, um wirklich sicher zu sein, dass ich das Richtige tat.

In einer Szene des Films spricht die Pianistin Fujiko Hemming über diesen Stadtteil. Während sie zum Einkaufen über den Platz vor dem Bahnhof schlendert, setzt ihre Stimme aus dem Off ein:

"In dem kunterbunten Durcheinander dieses Viertels, dem man sich einfach so hingibt, ist bisweilen eine Anmut spürbar, die vergleichbar ist mit dem Schönen in dem eigentlich ungeordneten, ja hässlichen Wesen des Menschen. Man stelle sich Vögel vor, die an Blumen zupfen, oder Katzen, die [6] elegant aus einer Höhe herunterspringen. Etwas Neues beginnt immer als ein trübes Etwas, doch schon bald wird daraus ein klarer Bach, der in natürlicher Bewegung still dahinfließt."

Als ich diese Passage zum ersten Mal gesehen hatte, stimmte ich ihr gleich aus vollem Herzen zu und merkte, wie mir dabei Tränen über die Wangen liefen. Seitdem hatte ich den Film so oft gesehen, dass ich ihn auswendig kannte und genügend Mut für einen Ortswechsel aufbrachte.

Wenn das, was man nur dunkel ahnt, von jemandem in so klare Worte gefasst wird, dann legt sich die Unruhe des Herzens, dachte ich damals.

Die unzähligen Schicksalsschläge, denen sich Fujiko in ihrem Leben ausgesetzt sah, verliehen ihren wunderbaren Worten und den Filmbildern eine besondere Bedeutung. Ihre Worte ergreifen die Herzen der Zuschauer, geben ihnen Zuversicht und das Gefühl, für das Leben gewappnet zu sein.

Auch ich wollte irgendwann, wie Fujiko, eine solch betörende Wirkung auf andere Menschen ausüben können.

Immer wenn ich mir nachts diese Gedanken machte, entstand ein Raum, in dem ich tief atmen konnte und der mich in die Lage versetzte, mein seelisches Gleichgewicht irgendwie aufrechtzuerhalten.

[7] Nachdem mein Vater gestorben war, fiel ich zwar nicht in ein tiefes Loch, fühlte mich aber wie jemand, dem ein Schlag nach dem anderen versetzt wurde, und ich sank allmählich immer tiefer, bis ich irgendwann wieder den Kopf heben konnte. Das wiederholte sich immer wieder.

In dieser Zeit entwickelte ich mich zu einer ausgesprochenen Rechthaberin, und ich fühlte mich, als wäre ich geschrumpft. Um mich zu schützen, versank ich immer tiefer in meine Gedankenwelt.

Blumen, Licht, Wünsche oder ausgelassenes Vergnügen, all das war auf einmal in weite Ferne gerückt. Ich war gefangen in einer tiefen Finsternis, in der nur noch die elementarsten Bedürfnisse herrschten, wo nur noch die aus meinem Bauch kommende Kraft zählte und alles Schöne und Leichte keinen Wert mehr besaß.

Inmitten dieser Finsternis tat ich nichts weiter als zu arbeiten, zu atmen und nur Augen für die Dinge zu haben, die in meinem unmittelbaren Blickfeld lagen.

Aber bald konnte ich wieder Licht sehen.

Nein, nicht eigentlich Licht.

Die Finsternis war weiterhin da, wild, ungezügelt, barbarisch.

Doch irgendwann gelang es mir, Abstand zu gewinnen und zu erkennen, dass beide Zustände ihre [8] Schönheiten, ihre zarten Schwingungen hatten, und erst da verstand ich den wahren Sinn von Fujiko-sans Worten.

Mein Leben in Shimokitazawa begann etwa ein Jahr nach dem Tod meines Vaters. Er hatte sich zusammen mit einer entfernten Verwandten, die meiner Mutter und mir völlig unbekannt war, in einem Wald der Präfektur Ibaraki das Leben genommen. Diese F

Beschreibung für Leser

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30. März 2015
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