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Cover Im großen Stil

Im großen Stil

Ein Fall für Berlin und Wien

Erschienen 2015 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
400 Seiten
ISBN 978-3-257-60465-8

Kurztext / Annotation

Echt oder falsch? Die temperamentvolle Frau Inspektor Anna Habel aus Wien und der grüblerische Kommissar Thomas Bernhardt aus Berlin ermitteln in ihrem vierten Fall gemeinsam im Spiegelkabinett des Kunsthandels und stellen fest: Selbst Fälschungen können teuer sein - und manchen kosten sie das Leben.

Claus-Ulrich Bielefeld, geboren 1947 in Bad Schwalbach, lebt in Berlin. Er studierte Germanistik, Soziologie und Philosophie und war Literaturredakteur beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) sowie Literaturkritiker für diverse Zeitungen.

Textauszug

[7] 1

Thomas Bernhardt nieste und nieste und nieste... Eine wahre Explosion. Als er endlich wieder Luft bekam, putzte er mehrmals seine Nase. Die gebrauchten Tempo-Taschentücher steckte er links und rechts in seine Hosentaschen, die sichtbar ausgebeult waren. Seine Augen tränten, und er sah den jungen Arzt nur verschwommen, der mit schiefgelegtem Kopf vor ihm stand.

"Eigentlich sollte in Ihrem Alter eine Pollenallergie langsam schwächer werden."

"Sollte."

Thomas Bernhardts Stimme klang rauh. Morgens um drei war er mit Atemnot aufgewacht. Er hatte sich auf den Balkon seiner Hinterhauswohnung gestellt und versucht, ruhig zu atmen. Die Bronchien pfiffen, leichte Panik, er hatte sich erst beruhigt, als es hell geworden war und unzählige Vögel in der riesigen Kastanie im Hof zu toben anfingen und ihr morgendliches Lärmkonzert gaben.

Der Arzt wirkte ziemlich ungerührt. "Klare asthmoide Tendenz. Kriegen wir mit einer Kortisonspritze gut in den Griff, die hat Depotwirkung und gibt immer nur kleine Dosen ab, da sind Sie bis September auf der sicheren Seite."

[8] "Will ich aber nicht, dämpft mich zu stark ab."

"So? Dann müssen Sie halt ein bisschen leiden."

Der mochte ihn nicht, sagte sich Bernhardt. Und er mochte ihn auch nicht. Klare Verhältnisse.

Der Arzt setzte noch einen drauf. "Die Psychoanalyse sagt übrigens, dass der Allergiker gar nicht von seinen Beschwerden befreit werden will."

"Tatsächlich. Will er nicht. Sagt die Psychoanalyse. Und warum will er nicht?"

"Krankheitsgewinn. Er will an sich und der Welt leiden, er will sich bedauern, und er will bedauert werden. Er kultiviert seinen Status als der große Sensible. In Wirklichkeit hat er Angst vor Vitalität und Fruchtbarkeit."

Bernhardt nieste wieder, putzte sich mit seinem letzten Tempo die Nase und atmete mühsam durch.

"Das ist ja toll, dass Sie mich an Ihrem geballten Wissen teilnehmen lassen. Da soll noch mal einer über die Fließbandmedizin klagen. Nur dreht sich Freud gerade um in seinem Grab."

Der Arzt hatte wortlos ein Rezept über einen Rachen- und einen Nasenspray ausgefüllt und Bernhardt mit zusammengekniffenem Mund, ohne Abschiedsgruß und ohne Handschlag entlassen.

Draußen wehte ein milder Wind und trieb Blütenstaub durch die Straßen. Ein später Frühling war mit Urgewalt ausgebrochen. Hatte noch jemand daran geglaubt? Anfang November war Berlin in einem grauen Dunst versunken, der sich immer mehr ausgebreitet und die Konturen der Stadt zum Verschwimmen und schließlich beinahe zum Verschwinden gebracht hatte. Die Sonne kam über [9] Monate nicht zum Vorschein, Ende März lagen die Temperaturen unter null Grad, die Seen der Stadt waren zugefroren, im April pfiff ein eisiger Wind, Anfang Mai dümpelten die Temperaturen zwischen acht und zehn Grad. Die Hoffnungen der Menschen auf Wärme sanken ins Bodenlose.

Und dann erstrahlte die Stadt von einem auf den anderen Tag in gleißendem Licht. Das bis dahin schlappe Grün der Bäume leuchtete plötzlich auf, die Straßenfluchten öffneten sich und gewannen an Tiefe und Schärfe, die Menschen liefen unter dem blauen Himmel leicht schwankend und wie betäubt umher, sich und anderen immer wieder versichernd, dass das doch wirklich unglaublich sei. Auf den Straßen hielten sie die blassen Gesichter in die Sonne. Starke Farben gaben der Stadt Kontur, der üppige Duft der blühenden Linden breitete sich aus, eine wohlige Wärme hüllte die Menschen ein.

Selbst das Büro der Mordkommission in der Keithstraße mit seinem großen Besprechungstisch, über den eine Plastikdecke mit Blümchenmuster gespannt war, dieses trübe Büro, mit den an die Wand gepinnten Bildern von Mordopfern, mit der Tafel, auf der oben in großen Buchstaben 'Pro' und 'Kontra' geschrieben stand, wirkte nun beinahe frisch.

Als Thomas Bernhardt den Rau

Beschreibung für Leser

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Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Claus-Ulrich Bielefeld, geb. 1947 in Bad Schwalbach, studierte Germanistik, Soziologie und Philosophie und ist heute Literaturredakteur beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) sowie Literaturkritiker für diverse Zeitungen. Er lebt in Berlin.

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