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Cover Cosimo

Cosimo

von Magdalen Nabb; Übersetzt von: Ursula Kösters-Roth

Erschienen 2014 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
304 Seiten
ISBN 978-3-257-60586-0

Kurztext / Annotation

Florenz im Dezember: Ein fünfjähriger Junge steht starr vor Angst auf dem kalten Marmorküchenboden eines alten Patrizierhauses und traut sich nicht in sein Kinderzimmer zurück. Das Kindermädchen hat frei, die Mutter sucht Vergessen in einem langen Schlaf, der Vater ist auf Geschäftsreise. - Ein Familiendrama, dessen viele Facetten sich wie in einem Kaleidoskop erst nach und nach zu einem Bild zusammenfügen.

Magdalen Nabb, geboren 1947 in Church, einem Dorf in Lancashire, England, gestorben 2007 in Florenz. Sie studierte an der Kunsthochschule in Manchester und begann dort zu schreiben. Seit 1975 lebte und arbeitete sie als Journalistin und Schriftstellerin in Florenz.

Textauszug

[136] 2

S ie schlief einen durch und durch friedvollen Schlaf, tief und kühl wie ein Brunnen, sicher vor jeder Störung - bis der Wind aufkam. Er weckte sie nicht auf, aber er störte die friedliche Ruhe. Ein Fensterladen klapperte. Sie fürchtete den Nachtwind, er ließ sie erschauern und das Herz unruhig pochen. Sie kannte den Grund, aber dieses Wissen änderte nichts an ihrer unwillkürlichen Reaktion. Sie erinnerte sich sehr deutlich - wie sie aus dem Zimmer des Schlafzimmers schaute, dann die Treppe hinunterrannte, barfuß, kalter, rauher Marmor, die breite Straße, wo das sich drehende blaue Licht immer schwächer wurde, egal wie schnell sie rannte. Wie sie wieder zurückkehrte, gezogen von der Hand eines Fremden. Sie weinte nicht. Der Wind heulte, zerrte an ihrem Haar und preßte das Nachthemd an ihren Körper. Es war nicht wirklich dunkel, nur das tödliche Fehlen von Licht kurz vor der Dämmerung. Nicht die dunkelste Stunde der Nacht, aber die traurigste. Die Stunde des Wolfes, sagen manche. Es war eigentlich auch nicht richtig kalt, aber dieses Heulen ... die Angst vor dem Heulen und den klappernden Fensterläden hat sie nie wieder verloren.

Ich habe meine Mutter nie wiedergesehen.

Das stimmt doch gar nicht, Francesca. Übertreib nicht [137] immer so. Sie war bereits wieder einen ganzen Monat zu Hause, bevor du zu meiner Schwester gefahren bist.

Ich war drei Jahre alt, Papa! Wie konntest du mir das antun?

Sechs. Du warst sechs, Francesca. Du hast ja keine Ahnung, was diese Art Krebs aus einem Gesicht machen kann. Wir wollten nicht, daß du Angst hast oder deine Mutter so in Erinnerung behältst.

Das hast du dir hübsch ausgedacht! Matty durfte bleiben. Weil sie dein Liebling war!

Weil sie zehn war, Francesca. Weil sie es begreifen und helfen konnte. Es war sehr schwer für sie, und sie hat dich vermißt.

Hat sie nicht. Sie hat es genossen, dich für sich allein zu haben. Sie ist immer auf deinen Schoß geklettert und hat sich an deinen Hals geklammert, und ich stand in der Ecke, unbeachtet. Aber meinen Cosimo bekommt sie nicht. Ich will, daß er nach Hause kommt ... jetzt.

Aber du bist doch gerade selbst erst wieder nach Hause gekommen. Noch ein paar zusätzliche Tage am Meer werden ihm nichts ausmachen.

Ich will, daß er nach Hause kommt.

Je heftiger der Wind blies und an dem Laden rüttelte, um so verzweifelter klammerte sie sich an ihn, seine glatten Wangen ganz nah bei ihren auf dem Kissen, sein süßer, kindlicher Geruch weckte schmerzliches Verlangen nach Liebe.

Es ist alles in Ordnung. Wir sind im Bett, in Sicherheit. Ich werde nicht zulassen, daß sie dich fortbringen.

Aber er war nicht da. Es war die eigene Hand, an die sie [138] sich klammerte, die Nägel gruben sich in tief den Handteller. Da war kein Kopf neben ihr auf dem Kissen, und nun donnerte es auch noch. Draußen fielen die ersten Regentropfen auf die Straße. Es regnete stärker und immer stärker, laut prasselnd, beängstigend. Und sie lag im Bett. Eigentlich sollte sie aufstehen und die Fensterläden schließen. Wenn der Regen so heftig gegen die Fenster schlug, drang er meist auch bis ins Haus, besonders im Salon. Und die Lichter! Sie hatte doch gar nicht zu Bett zu gehen wollen, bestimmt brannten noch alle Lichter.

Undurchdringliche Dunkelheit umfing sie. Sie schwitzte, und ihr Herz klopfte so heftig, daß es schmerzte. Sie mußte die Läden schließen, bevor der Sturm losbrach, und die Lichter löschen. Sie tastete sich zur Schlafzimmertür vor, aber dort, wo sie hätte sein müssen, war keine Tür. Sie begriff, daß sie nach der Schlafzimmertür im Hause ihres Vaters tastete. Sie mußte geträumt haben und war noch nicht wieder richtig wach. Sie versuchte sich daran zu erinnern, wo hier die Tür sein mußte, doch sie entdeckte nichts, was ihren Händen vertraut erschien. Auch wenn sie noch so angestrengt versuchte, die

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Magdalen Nabb never returned from holidays in Florence in 1975. She liked it there, and that was why she stayed. She worked as a teacher and potter. In Manchester she had studied at the college of art and then started to write. She began with a play that was performed in London, as well as eight children's books, some of which were filmed. Then, in 1981, she wrote her first detective novel, Death of an Englishman (German translation: Tod eines Engländers), which earned a "Bravissimo!" from no less than Georges Simenon. Now that her detective novels are also being published in Italy she can only hope that nobody is murdered in Florence when she has important things to do - nowadays journalists flock to her after every murder to find out the solution to the crime.

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