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Cover Eine Japanerin in Florenz

Eine Japanerin in Florenz

Guarnaccias dreizehnter Fall

von Magdalen Nabb; Übersetzt von: Ursula Kösters-Roth

Erschienen 2014 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
352 Seiten
ISBN 978-3-257-60593-8

Kurztext / Annotation

Sie kam und blieb - um ein Stück florentinisches Handwerk zu erlernen. Die junge Japanerin Akiko war so stolz auf ihr erstes Paar selbstgefertigter Schuhe, daß sie es immerzu trug, auch am Tag ihres Todes. Guarnaccia, der in Florenz stationierte Sizilianer, verfolgt den Fall in einer Stadt, die er kennt wie seine Hosentasche, und befragt ihre Bewohner, deren Charaktere und Intrigen er noch weit besser kennt.

Magdalen Nabb, geboren 1947 in Church, einem Dorf in Lancashire, England, gestorben 2007 in Florenz. Sie studierte an der Kunsthochschule in Manchester und begann dort zu schreiben. Seit 1975 lebte und arbeitete sie als Journalistin und Schriftstellerin in Florenz.

Textauszug

[5] 1

E s war einer jener vollkommenen Morgen, wie es sie nur im Mai geben kann, warm und doch frisch, mit einem Himmel, dessen Blau sonst nur im Malkasten zu finden ist. Selbst wenn der Maresciallo gewußt hätte, was der Tag noch bringt, an diesem Morgen hätte er es nicht für möglich gehalten. Lorenzini hatte versucht, ihn auf dem Weg nach draußen aufzuhalten.

"Wollen Sie sich nicht lieber fahren lassen?"

"Nein, danke. Zu Fuß bin ich genauso schnell ..."

Beinahe fluchtartig verließ er die Wache, denn er hatte es eilig, nach draußen zu kommen. Unmöglich, Lorenzini das zu erklären, der sein stellvertretender Dienststellenleiter und ein waschechter Toskaner mit deren typisch nüchterner Lebenseinstellung war. Gleich bei seiner Ankunft hatte der Maresciallo das Fenster seines kleinen Büros geöffnet, den Sonnenschein geschnuppert und sofort gewußt, daß ein wunderbarer Morgen auf ihn wartete. Mit viel Lärm und Gewusel würden [6] sich die Florentiner auf den Tag einstimmen. Der Maresciallo trat aus dem kühlen Schatten des mächtigen Steinbogens in das blendende Sonnenlicht der Pitti Piazza und tastete nach seiner Sonnenbrille. Schlag acht hob der Dirigent seinen Stab. Von dem Gerüst an der Fassade des Palazzo Pitti dröhnten kräftige Hammerschläge, im Takt mit dem Dutzend unmelodiöser Kirchenglocken. Lautes Hupen kündigte den ersten Verkehrsstau des Tages an, der sich vor dem Vorplatz wegen der Straßenarbeiten aufbaute. Ein Bohrhammer lärmte.

"Guten Morgen, Maresciallo Guarnaccia!"

"Oh, hallo! Guten Morgen, Signora. Wie geht es Ihrer Frau Mutter?"

"Sie soll morgen aus dem Krankenhaus entlassen werden. Aber natürlich dürfen wir nicht erwarten, daß ..."

Das, was wir nicht erwarten durften, ging im dröhnenden Lärm des Bohrhammers unter. Der Maresciallo eilte mit einer gemurmelten Antwort weiter und bahnte sich einen Weg durch die Autoschlange zu der Café-Bar auf der anderen Seite der Piazza.

Die Café-Bar war voll mit Gästen, die frühstückten. Die zischende Espressomaschine verströmte köstlichen Kaffeeduft. Drei sommerlich [7] gekleidete Frauen blockierten, ins Gespräch vertieft, den Zugang zur Theke.

"Versteht mich nicht falsch. Eigentlich habe ich nichts gegen sie. Sie ist eine nette Frau, richtig entzückend, fast schon eine Heilige. Aber sie ist größenwahnsinnig."

Der Maresciallo nahm die Sonnenbrille ab und starrte die Frau an, die gerade gesprochen hatte. Sie trug reichlich Schmuck und sah aus, als käme sie gerade vom Friseur, was um diese Uhrzeit ja wohl kaum möglich war, oder etwa doch ...? Über ihren Kopf hinweg bedeutete ihm der Mann hinter der Theke, daß sein Kaffee bereits in Arbeit war.

Der Maresciallo wandte sich von der Parfümwolke der Frau ab und sog den Duft von Konfitüre und Vanille ein. Er beschloß, sich an diesem Morgen ausnahmsweise eine warme Brioche zu gönnen, vielleicht, weil es so ein wunderschöner Morgen war, oder vielleicht auch nur, weil er wie gewöhnlich nur zwei Scheiben trockenen Toast gefrühstückt hatte.

"Natürlich meint sie es nur gut."

"Natürlich!"

Was für ein Gesprächsthema! Der Maresciallo trank den Kaffee aus und bezahlte.

Allerdings kam er kaum zur Tür hinaus, weil eine lange Schlange schubsender und schreiender [8] Schulkinder den schmalen Gehsteig blockierte. Einer Frau, die sich in die Schlange einzureihen versuchte, riß der Geduldsfaden. "Heutzutage dürfen sie Randale machen, wie es ihnen gerade einfällt! Es ist eine Schande!"

Der Maresciallo verschanzte sich hinter seiner Sonnenbrille und schwieg. Wann sollten Kinder denn sonst herumtoben, wenn nicht in diesem Alter? Beim Anblick seiner Uniform neigten die Leute dazu, ihm für alles die Schuld zu geben, von tobenden Schulkindern über den Krieg im Irak bis hin zu nicht funktionierenden Laternen. Letztere würden aber zweifellos die Straße bald wieder in helles L

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Magdalen Nabb never returned from holidays in Florence in 1975. She liked it there, and that was why she stayed. She worked as a teacher and potter. In Manchester she had studied at the college of art and then started to write. She began with a play that was performed in London, as well as eight children's books, some of which were filmed. Then, in 1981, she wrote her first detective novel, Death of an Englishman (German translation: Tod eines Engländers), which earned a "Bravissimo!" from no less than Georges Simenon. Now that her detective novels are also being published in Italy she can only hope that nobody is murdered in Florence when she has important things to do - nowadays journalists flock to her after every murder to find out the solution to the crime.

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