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Cover Scherben

Scherben

von Dick Francis; Übersetzt von: Malte Krutzsch

Erschienen 2014 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
320 Seiten
ISBN 978-3-257-60609-6

Kurztext / Annotation

Gerard Logan ist Glasbläser und betreibt sein Metier mit Enthusiasmus. Flexibel in heißem, zerbrechlich in kaltem Zustand, durchsichtig und in allen Farben leuchtend - aus Glas sind seine Träume gemacht. Die aber werden rücksichtslos zerschmettert: Gerards Freund, der Jockey Martin Stukely, hatte ihm kurz vor seinem Tod auf der Rennbahn ein Videoband übergeben lassen, das offensichtlich so heiße Informationen enthält, daß alle Welt dahinter her ist. Insbesondere eine Verbrecherbande, der jedes Mittel recht ist, Scherben inklusive...

Dick Francis, geboren 1920, war viele Jahre Englands erfolgreichster Jockey, bis ein mysteriöser Sturz 1956 seine Karriere beendete. Fast 50 Jahre lang schrieb er Thriller, die das Pferderenn- und Wettmilieu als Hintergrund haben. Seine 42 Romane wurden alle Bestseller. Dick Francis starb 2010.

Textauszug

[32] 2

Da das Wychwood Dragon fest in den Händen eines Drachens war, einer Direktorin, die eine Kollektion bunter Glastierchen auf ihrem Frisiertisch stehen hatte und mich gelegentlich einlud, das Bett mit ihr zu teilen, konnte ich dort sozusagen nach Belieben ein und aus gehen. Die Glastierchen waren allerdings eher Trostpflaster als Trophäen, denn bei den dreißig Jahren Altersunterschied zwischen uns hatte sie zum Glück Verständnis dafür, wenn ich nein sagte. Ihre Gewohnheit, mich vor allen Leuten "Liebster" zu nennen, war trotzdem peinlich, und ich wußte, daß in Broadway weithin angenommen wurde, sie verspeise mich mit Rührei zum Frühstück.

Jedenfalls hatte niemand etwas dagegen, daß ich in Lloyd Baxters Zimmer schlief. Am anderen Morgen packte ich seine Sachen zusammen, erklärte alles dem Drachen und bat ihn, das Gepäck ins Krankenhaus zu schicken. Dann ging ich in meine Werkstatt hinüber, doch so lebhaft ich Martins Bild auch im Kopf hatte, er weigerte sich, in Glas Gestalt anzunehmen. Eingebungen kommen nach ihrer eigenen Uhr, und ich hatte oft die Erfahrung gemacht, daß sie sich nicht zwingen ließen.

Das Feuer toste im Ofen. Ich setzte mich an die Werkbank, einen Tisch aus rostfreiem Stahl, auf dem ich jetzt [33] Flüssigglasklumpen in unvergängliche Form hatte bringen wollen, und sah nur den lebenden Martin in Natur vor mir, Martin, wie er lachte und Rennen gewann, und dachte an Martins verlorengegangene Nachricht auf der Videokassette. Wo war diese Kassette, was war darauf, und wem war sie wichtig genug, um sie zu stehlen?

Diese unergiebigen Gedanken wurden durch die Türglocke unterbrochen. Es war erst neun, und wir hatten angekündigt, es sei ab zehn geöffnet.

Vor der Tür stand kein mir bekannter Kunde, sondern eine junge Frau in einem weiten Schlabberpullover, der ihr bis zu den Knien ging, mit einer Baseballmütze auf dem rotblond gefärbten und gesträhnten Strubbelkopf. Wir schauten uns interessiert an, ihre braunen Augen waren lebhaft und neugierig, ihr Kinn in rhythmischer Bewegung dank eines Kaugummis.

Ich sagte höflich: "Guten Morgen."

"Ja, genau." Sie lachte. "Frohes neues Jahrtausend und den ganzen Quatsch. Sind Sie Gerard Logan?"

Ihr Akzent war Estuary, Essex oder Themse: mußte man abwarten.

"Logan", nickte ich. "Und Sie?"

"Kriminalkommissarin Dodd."

Ich blinzelte. "Zivilfahndung?"

"Lachen Sie nur", sagte sie, intensiv kauend. "Sie haben heute früh um halb eins einen Diebstahl gemeldet. Darf ich reinkommen?"

Sie trat in die hell erleuchtete Galerie und fing Feuer.

Aus Gewohnheit setzte ich sie geistig in Glas um, Gefühl und Licht gebündelt zu einer abstrakten Form, [34] genau der instinktive Vorgang, der mir bei Martin nicht gelungen war.

Kriminalkommissarin Dodd, die davon nichts mitbekam, präsentierte nüchtern ihren Dienstausweis, der sie in Uniform zeigte und mir ihren Vornamen verriet, Catherine. Ich gab ihr den Ausweis zurück und beantwortete ihre Fragen, doch die Ansicht der Polizei stand bereits fest. Zu dumm, daß ich eine Tasche voller Geld hatte herumstehen lassen, meinte sie. Wer machte denn so was? Und Videokassetten gab es im Dutzend billiger. Die steckte man ein, ohne groß nachzudenken.

"Was war denn drauf?" fragte sie, den Stift schreibbereit überm Notizblock.

"Ich habe keine Ahnung." Ich erklärte ihr, wie das in braunes Papier eingeschlagene Päckchen in meinen Besitz gekommen war.

"Pornografie. Mit Sicherheit." Ein weltmüdes Urteil, kurz und bündig ausgesprochen. "Anonym." Sie zuckte die Achseln. "Würden Sie sie unter anderen Videokassetten herauskennen, wenn Sie sie noch mal sehen?"

"Sie war unbeschriftet."

Ich langte in den Papierkorb und gab ihr das zerknüllte und zerrissene Einwickelpapier. "Das ist so für mich abgegeben worden", sagte ich. "Ohne Briefmarke."

Skeptischen Bl

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