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Cover Der Stümper

Der Stümper

von Patricia Highsmith; Übersetzt von: Melanie Walz

Erschienen 2014 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
416 Seiten
ISBN 978-3-257-60632-4

Kurztext / Annotation

Der Buchhändler Kimmel hat seine untreue Frau Helen umgebracht, sich dabei aber ein so stichfestes Alibi besorgt, daß kein Verdacht auf ihn fällt. Auch Anwalt Stackhouse führt eine unglückliche Ehe. Seitdem er einen Zeitungsartikel über den unaufgeklärten Kimmel-Mord gelesen und den fröhlichen Witwer besucht hat, spielt er mit düsteren Gedanken. Doch seine Frau kommt ihm zuvor... Ein Roman über den feinen Grat zwischen Schuld und Unschuld, über Reue und die ewige Angst vor sich selber.

Patricia Highsmith, geboren 1921 in Fort Worth/Texas, wuchs in Texas und New York auf und studierte Literatur und Zoologie. Erste Kurzgeschichten schrieb sie an der Highschool, den ersten Lebensunterhalt verdiente sie als Comictexterin, und den ersten Welterfolg erlangte sie 1950 mit ihrem Romanerstling Zwei Fremde im Zug

Textauszug

[15] 2

Es begann zu regnen, während Walter im Wagen wartete.

Er blickte von seiner Zeitung auf und nahm den Arm aus dem Fenster. Dunkelblaue Regenflecken sprenkelten den blauen Leinenärmel seines Jacketts.

Die großen Sommerregentropfen trommelten lauter auf das Wagendach, und innerhalb von Sekunden glänzte der gewölbte Teer der Straße vor Nässe und spiegelte die Neonreklame des einen Häuserblock entfernten Drugstores als langgezogenen roten Streifen. Die Dämmerung brach herein, und der Regen hatte unversehens einen dunklen Schatten über die Stadt geworfen. Die adretten Häuser im Neuengland-Stil, die die Straße säumten, wirkten in dem grauen Licht noch weißer, und die niedrigen weißen Zäune der Raseneinfassungen zeichneten sich so gestochen scharf ab wie die Fäden eines Stickmusters.

Ideal, ideal, dachte Walter. Genau die Art Ortschaft, in der man ein gesundes und gutmütiges Mädchen heiratet, mit dem man in einem weißen Haus lebt, samstags angeln geht und die Söhne zum gleichen Lebensstil erzieht.

Grauenhaft, hatte Clara nachmittags gesagt und auf das Miniaturspinnrad neben dem Kamin des Gasthauses gedeutet. In ihren Augen war Waldo Point ein Touristenkaff. [16] Walter hatte den Ort mit Vorbedacht und nach langem Überlegen ausgesucht, weil er die am wenigsten touristische unter einer langen Reihe von Städten auf Cape Cod war. Walter erinnerte sich, daß Clara sich in Provincetown sehr wohl gefühlt und sich nicht darüber beklagt hatte, daß der Ort touristisch sei. Aber das war im ersten Jahr ihrer Ehe gewesen; jetzt war es das vierte Jahr. Der Inhaber des Spinndrift Inn hatte Walter gestern erzählt, daß sein Großvater das Spinnrad für seine kleinen Töchter zum Üben gebaut hatte. Wenn Clara in der Lage wäre, sich nur für eine Minute an die Stelle -

Eine Bagatelle, weiter nichts, dachte Walter. So verhielt es sich mit all ihren Streitigkeiten. Gestern zum Beispiel - der Streit darüber, ob ein Mann und eine Frau unweigerlich nach zwei Jahren Ehe einander körperlich überdrüssig waren. Walter hielt das nicht für zwingend. Clara war der lebende Beweis, obwohl sie besonders zynisch und unschön behauptet hatte, daß es zwingend so sei. Walter hätte sich lieber die Zunge abgebissen, als ihr zu sagen, daß er sie körperlich genausosehr liebte wie früher. Wußte sie es nicht sowieso? Und war das nicht der einzige Zweck ihrer Argumentation gewesen - ihn zu irritieren?

Walter setzte sich anders hin, fuhr sich mit den Fingern durch das dichte blonde Haar und versuchte, sich zu entspannen und sich auf die Zeitung zu konzentrieren. Mein Gott, dachte er, und das soll Urlaub sein.

Seine Augen überflogen eine Spalte über amerikanische Soldaten in Frankreich, doch seine Gedanken beschäftigten sich noch immer mit Clara. Er dachte an den Mittwochvormittag nach dem frühmorgendlichen Ausflug im [17] Fischerboot (zumindest dieser Ausflug mit Manuel hatte ihr Vergnügen gemacht, weil sie dabei etwas gelernt hatte), als sie auf ihr Zimmer gegangen waren, um sich auszuruhen. Es war einer der seltenen Momente gewesen, in denen Clara blendender Laune war. Sie hatten über irgend etwas gelacht, und ihre Arme hatten sich enger um seinen Hals geschlossen...

Das war am Mittwoch vormittag gewesen, vorvorgestern, doch schon am nächsten Tag hatte ihre Stimme eisig geklungen - das ewiggleiche Muster des Abstrafens nach erwiesener Gunst.

Es war zehn Minuten nach acht. Walter blickte aus dem Wagenfenster zum Eingang des Gasthauses etwas weiter hinten. Noch nichts von ihr zu sehen. Er sah wieder auf die Zeitung und las: Frauenleiche bei Tarrytown, N.Y., aufgefunden.

Die Frau war brutal erstochen und zusammengeschlagen worden, aber nicht ausgeraubt. Die Polizei tappte im dunkeln. Sie war Fahrgast in einem Bus von Albany nach New York gewesen, war nach einer

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