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Ein Sid-Halley-Roman

von Dick Francis; Übersetzt von: Malte Krutzsch

Erschienen 2015 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
416 Seiten
ISBN 978-3-257-60649-2

Kurztext / Annotation

Gibt es etwas Heimtückischeres, als dem Pony eines todkranken Mädchens den Fuß abzuhacken? Ja, die Tatsache, dass Detektiv Sid Halley dem Schuldigen nichts anhaben kann. Denn der ist im ganzen Land bekannt - nicht als Täter, sondern als Talkmaster.

Dick Francis, geboren 1920, war viele Jahre Englands erfolgreichster Jockey, bis ein mysteriöser Sturz 1956 seine Karriere beendete. Fast 50 Jahre lang schrieb er Thriller, die das Pferderenn- und Wettmilieu als Hintergrund haben. Seine 42 Romane wurden alle Bestseller. Dick Francis starb 2010.

Textauszug

[7] 1

Ich hatte einen Freund, und der war allgemein beliebt. (Mein Name ist Sid Halley.)

Ich hatte einen Freund, der war allgemein beliebt, und ich habe ihn vor Gericht gebracht.

Wenn man als Detektiv arbeitet, wie ich es seit annähernd fünf Jahren tue, dann bleibt es leider nicht aus, daß man hin und wieder Fakten zutage fördert, die Überraschungen und Entsetzen hervorrufen und Menschen für immer um ihren Frieden bringen.

Erst nach tagelangem innerem Kampf hatte ich mich entschließen können, meinen Ermittlungsergebnissen gemäß zu handeln. Dabei ging es mir elend, aber ich hatte nach Unglauben, Abwehr und Zorn schließlich doch auch das letzte Stadium der Trauer, die Hinnahme, erreicht. Ich trauerte um den Mann, den ich gekannt hatte. Den ich zu kennen geglaubt hatte, der aber immer nur eine Fassade gewesen war. Ich trauerte um den Verlust einer Freundschaft, um einen Mann, der noch so aussah wie sonst, aber ein anderer, ein Fremder geworden war... ein Gegenstand des Abscheus. Ich hätte viel leichter um ihn trauern können, wäre er tot gewesen.

Der Verwirrung, die ich insgeheim empfunden hatte, folgte ein allgemeiner Aufschrei, als ich mit meiner [8] Enthüllung an die Öffentlichkeit trat. Die Presse ergriff spontan und energisch für den Angeklagten Partei und ließ an mir, seinem Beschuldiger, kein gutes Haar. Auf den Rennbahnen, meinem Hauptarbeitsfeld, kannten mich alte Bekannte nicht mehr. Mein Freund wurde mit Zuneigung, Beistand und Trost überschüttet. Unglauben, Abwehr und Zorn herrschten vor: bis zur Hinnahme war es noch weit. Einstweilen wurde ich und nicht er zur Zielscheibe des Hasses erkoren. Ich wußte, es war nur auf Zeit. Man mußte es über sich ergehen lassen und abwarten.

Am Morgen, an dem sein Prozeß eröffnet wurde, brachte sich die Mutter meines Freundes um.

Die Nachricht erreichte sehr bald das Gericht in Reading, wo der vorsitzende Richter im schwarzen Talar bereits die Sachvorträge der Anklage und der Verteidigung gehört hatte und wo ich als Zeuge der Anklage allein in einem seelenlosen Nebenzimmer auf meinen Aufruf wartete. Ein Justizbeamter unterrichtete mich von dem Selbstmord und sagte mir, da der Richter die Verhandlung vertagt habe, könne ich nach Hause gehen.

"Die arme Frau", rief ich in ungespieltem Entsetzen.

Der Justizbeamte hätte unparteiisch sein sollen, war aber doch auf der Seite des Beschuldigten. Er musterte mich ungnädig und sagte, ich solle am nächsten Morgen Punkt zehn wieder erscheinen.

Ich verließ das Zimmer und ging langsam durch den Korridor zum Ausgang, wurde aber vorher von einem Anwalt abgefangen, der mich beim Ellbogen faßte und beiseite zog.

"Seine Mutter hat sich ein Hotelzimmer genommen und ist aus dem sechzehnten Stock gesprungen", sagte er ohne [9] Vorrede. "In einem Abschiedsbrief schrieb sie, sie könne die Zukunft nicht ertragen. Was halten Sie davon?"

Ich sah in die dunklen, intelligenten Augen von Davis Tatum, einem dicken, schwerfälligen Mann mit einem nüchternen, regen Verstand.

"Das wissen Sie besser als ich", meinte ich.

"Sid!" Ein Anflug von Gereiztheit. "Sagen Sie mir, was Sie denken."

"Vielleicht bekennt er sich jetzt schuldig."

Er entspannte sich und lächelte ein wenig. "Sie haben Ihren Beruf verfehlt."

Ich schüttelte dankend den Kopf. "Ich fange die Fische. Ausweiden könnt ihr sie."

Er ließ meinen Arm wieder los, und ich ging vom Gericht geradewegs zum Bahnhof, fuhr eine halbe Stunde bis zur Endstation in London und nahm für die letzten anderthalb Kilometer bis nach Hause ein Taxi.

Ginnie Quint, dachte ich unterwegs. Arme, arme Ginnie Quint. Lieber war sie in den Tod gesprungen, als für alle Zeit unter der Schande ihres Sohnes zu leiden. Ein einsamer, plötzlicher Abgang. Ende der Tränen. Ende des Kummers.

Das Taxi hi

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