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Cover Rat Race

Rat Race

von Dick Francis; Übersetzt von: Michaela Link

Erschienen 2015 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
320 Seiten
ISBN 978-3-257-60650-8

Kurztext / Annotation

Charterpilot Matt Shore hat in seinem Leben schon größere Herausforderungen gemeistert, als betuchte Pferdebesitzer, Spitzenjockeys und -trainer von einem Rennplatz zum anderen zu befördern. Dachte er zumindest. Aber dann explodiert eine Bombe - zum Glück erst nach der Landung, die Betroffenen kommen mit dem Schrecken davon. Weitere Attentate folgen, und Matt Shore begreift: Da spekuliert jemand auf den Schrecken und schraubt die Spirale der Gefahr höher und höher.

Dick Francis, geboren 1920, war viele Jahre Englands erfolgreichster Jockey, bis ein mysteriöser Sturz 1956 seine Karriere beendete. Fast 50 Jahre lang schrieb er Thriller, die das Pferderenn- und Wettmilieu als Hintergrund haben. Seine 42 Romane wurden alle Bestseller. Dick Francis starb 2010.

Textauszug

[5] 1

Die ersten vier Passagiere nahm ich in White Waltham an Bord der neuen Cherokee Six 300, der leider nur ein kurzes Dasein beschieden sein sollte. Die hellblauen Polster rochen nach neuem Leder, kein einziger Kratzer verunzierte den strahlend weißen Rumpf. Ein hübsches, kleines Flugzeug, solange es noch als solches erkennbar war.

Sie hatten mich für zwölf Uhr bestellt, waren aber schon in der Bar, als ich um zwanzig vor landete. Drei doppelte Whiskys und eine Limonade.

Ihre Identifizierung war nicht weiter schwierig: An einem kleinen Tisch standen mehrere Stühle, auf denen vier leichte Regenmäntel lagen, drei Feldstecher, zwei Ausgaben der Sporting Life und ein leichter Rennsattel. Die vier Passagiere standen in lockerer Formation, zusammengeführt offenkundig nicht durch Freundschaft, sondern durch geschäftliche Interessen. Keiner von ihnen sprach, aber man spürte, daß ein Wortwechsel vorausgegangen war. Einem von ihnen, einem ziemlich großen Mann, stand der Zorn noch ins Gesicht geschrieben. Der kleinste, offensichtlich ein Jockey, stand steif und mit hochroten Wangen da. Und die beiden anderen, ein älterer Mann und eine Frau in mittleren Jahren, hatten ihre Blicke so [6] unverwandt ins Leere gerichtet, daß es dafür nur eine Erklärung geben konnte: Nachtschwarze Gedankenwolken ballten sich in ihren Köpfen zusammen.

Ich ging durch den großen Warteraum auf sie zu und wandte mich an eine unbestimmte Stelle in der Luft.

"Major Tyderman?"

Der ältere Mann, der mit "Ja?" antwortete, mußte sich seinen Major in längst vergangenen Tagen verdient haben; er ging wohl schon auf die Siebzig zu, hatte sich aber gut in Form gehalten. Klein, durchtrainierter Körper, drahtiger, kurzer Schnurrbart und scharfe kleine Augen. Das sich lichtende, dünne, graumelierte Haar war seitlich über den Schädel gekämmt, und den Kopf hielt er militärisch steif, das Kinn fast auf der Brust. Angespannt. Sehr angespannt. Und wachsam, mit einer Tendenz, die Welt grundsätzlich mit Argwohn zu betrachten.

Er trug einen leichten, rehbraunen Anzug, dessen Schnitt vage an seine militärische Vergangenheit erinnerte, und hatte im Gegensatz zu den anderen seinen Feldstecher nicht abgelegt, sondern so über die Brust gehängt, daß das Futteral wie ein Schottentäschchen von seinem Bauch abstand. Klubabzeichen aus Metall und bunter Pappe hingen zu beiden Seiten in dicken Büscheln davon herunter.

"Ihr Flugzeug ist da, Major", sagte ich. "Ich bin Matt Shore... Ich fliege Sie."

Er warf einen Blick über meine Schulter, als suche er nach jemand anderem. "Wo ist Larry?" fragte er scharf.

"Er hat gekündigt", antwortete ich. "Eine Stelle in der Türkei angetreten."

[7] Der Blick des Majors brach seine Suche ruckartig ab. "Sie sind neu", sagte er vorwurfsvoll.

"Ja", gab ich zu.

"Ich hoffe, Sie kennen den Weg."

Er meinte es ernst. Ich sagte höflich: "Ich werde mein Bestes tun."

Die Frau, die links vom Major stand, sagte tonlos: "Als ich das letzte Mal zum Rennen geflogen bin, hat der Pilot sich verflogen."

Ich sah sie an und schenkte ihr das vertrauenerweckendste Lächeln, das ich zustande brachte. "Das Wetter ist heute so gut, daß wir in dieser Hinsicht nichts zu befürchten haben."

Das entsprach nicht der Wahrheit. Der Wetterbericht hatte für diesen Juninachmittag Kumuluswolken angekündigt. Und jeder konnte sich verfliegen, wenn nur die entsprechenden Pannen passierten. Die Frau gab sich keinen Illusionen hin, das verriet mir der Blick, mit dem sie mich bedachte. Und ich gab den Versuch auf, Zuversicht zu verströmen. Sie brauchte keine. Sie hatte alle Zuversicht der Welt. Sie war fünfzig und von zerbrechlichem Äußeren, ergrauendes Haar, kinnlanger Pagenschnitt mit geradem Pony. Ihre sanften, braunen Augen lagen unter dichten, dunklen Brauen,

Beschreibung für Leser

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