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Cover Fehlstart

Fehlstart

von Dick Francis; Übersetzt von: Malte Krutzsch

Erschienen 2016 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
352 Seiten
ISBN 978-3-257-60669-0

Kurztext / Annotation

Als Physiklehrer weiß Jonathan Derry das verräterische Quietschen auf den Musikkassetten, die ihm sein Freund mit auf den Heimweg gegeben hat, sofort zu deuten. Statt des versprochenen Broadwaymusicals entdeckt er ein raffiniertes Computersystem, mit dem man die gesamten Pferdewetten Englands knacken - und gewinnen kann. Als nach kurzer Zeit ein gewisser Angelo bei ihm auftaucht und die Kassetten mit höchst unfeinen Methoden zurückfordert, kommen Jonathan seine Talente als Olympiascharfschütze sehr zustatten. Angelo läßt nicht locker und versucht es bei Jonathans kleinem Bruder auf die gleiche erpresserische Tour. Doch der ist ein gebranntes Kind und hat viel raffiniertere Munition auf Lager. Vor allem versteht er etwas von Pferden.

Dick Francis, geboren 1920, war viele Jahre Englands erfolgreichster Jockey, bis ein mysteriöser Sturz 1956 seine Karriere beendete. Fast 50 Jahre lang schrieb er Thriller, die das Pferderenn- und Wettmilieu als Hintergrund haben. Seine 42 Romane wurden alle Bestseller. Dick Francis starb 2010.

Textauszug

{5} Teil eins: Jonathan

1

I ch sagte den Jungs, sie sollten sich ruhig verhalten, während ich mein Gewehr holen ging.

Normalerweise klappte es. Für die fünf Minuten, die ich brauchte, um zu dem Spind im Lehrerzimmer und wieder zurück ins Klassenzimmer zu kommen, konnte man darauf zählen, daß dreißig vierzehnjährige, halbunterdrückte Rowdys einen Zustand brüchigen guten Benehmens durchhielten, gezügelt nur durch die Verheißung einer Unterrichtsstunde, auf die sie sich wirklich gefreut hatten. Physik im allgemeinen erachteten sie für unannehmbar schwere Geistesarbeit, aber was geschah, wenn ein Gewehr eine Kugel ausspuckte ... das war interessant.

Jenkins hielt mich im Lehrerzimmer einen Augenblick auf: Jenkins mit der sauren Miene und dem schlechtgelaunten Schnurrbart, der mir sagte, Impuls könne man mit Kreide auf einer Tafel besser erklären, und eine richtige Schußwaffe sei einfach zügellose Selbstdarstellung meinerseits.

"Sie haben ohne Zweifel recht", sagte ich kühl und drückte mich an ihm vorbei.

Er sah mich wie üblich mit frustrierter Gehässigkeit an. Er haßte meine Taktik, ihm immer beizupflichten, was freilich der Grund war, weshalb ich es tat.

"Entschuldigen Sie", sagte ich im Weitergehen. "Die 4 A wartet."

{6} Die 4 A jedoch wartete nicht in dem erhofften Zustand leise siedender Erregung. Sie war statt dessen ein kollektives Gekicher, das sich rasch einem leichten hysterischen Anfall näherte.

"Hört mal", sagte ich rundheraus, denn schon beim ersten Schritt durch die Tür spürte ich die Stimmung, "beruhigt euch, oder ihr schreibt Notizen ab."

Diese schrecklichste aller Drohungen zeigte keine Wirkung. Das Gekicher war nicht abzustellen. Die Blicke der Klasse schossen zwischen mir und meinem Gewehr und der Tafel, die für mich hinter der offenen Tür noch außer Sicht war, hin und her, und auf jedem der jungen Gesichter lag die ausgelassenste Vorfreude.

"Okay", sagte ich und schloß die Tür, "was steht denn wieder Schönes ..."

Ich hielt inne.

Es stand nichts an der Tafel.

Einer der Jungen stand davor, kerzengerade und still: Paul Arcady, der Witzbold der Klasse. Er stand kerzengerade und still, weil auf seinem Kopf ein Apfel balancierte.

Das Gekicher rings um mich explodierte in Gelächter, und ich selbst konnte auch kein ernstes Gesicht bewahren.

"Können Sie ihn runterschießen, Sir?"

Die Stimmen übertönten ein allgemeines Geschrei.

"Wilhelm Tell hat es gekonnt, Sir."

"Sollen wir 'n Krankenwagen rufen, Sir, für alle Fälle?"

"Wie lange braucht eine Kugel, um Pauls Schädel zu durchqueren, Sir?"

"Sehr lustig", sagte ich warnend, aber natürlich war es sehr lustig, und sie wußten es. Nur, wenn ich zuviel lachte, würde ich die Kontrolle über sie verlieren, und die Kontrolle über solch eine launische Masse war immer prekär.

"Wirklich geistreich, Paul", sagte ich. "Geh und setz dich hin."

{7} Er war zufrieden. Er hatte sich vollendet in Szene gesetzt. Er nahm den Apfel mit angeborener Eleganz vom Kopf, kehrte ordentlich auf seinen Platz zurück und nahm die bewundernden Scherze und die neidischen Pfiffe als gebührenden Lohn entgegen.

"Also schön", sagte ich und pflanzte mich entschlossen dort auf, wo er gestanden hatte. "Am Ende dieser Stunde werdet ihr alle wissen, wie lange eine Kugel brauchen würde, um bei einem bestimmten Tempo eine bestimmte Entfernung zu durchmessen ..."

Das Gewehr, das ich in die Stunde mitgebracht hatte, war ein simples Luftgewehr, doch ich erzählte ihnen auch, wie eine Büchse funktionierte und wieso eine Kugel oder ein Bleikorn jeweils schnell heraustrat. Ich ließ sie das glatte Metall anfassen: Für viele von ihnen das erste Mal, daß s

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