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Cover Sly

Sly

von Banana Yoshimoto; Übersetzt von: Anita Brockmann

Erschienen 2017 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
176 Seiten
ISBN 978-3-257-60674-4

Kurztext / Annotation

Als Takashi erfährt, daß er hiv-positiv ist, reist er mit zwei Freunden in ein Land, wo man den Göttern näher ist: nach Ägypten, Reich der Toten und der Sonne in einem. Sly Kitchen red banana flower

Textauszug

{7} Ein Hinweis und eine wunderschöne Morgendämmerung in Japan

S eltsam, ich kann mich noch ganz genau an jenen Nachmittag erinnern. Es war der Tag nach Takashis Einweihungsparty.

Draußen war es heiter. Ich sah den blauen Himmel und das Licht der Sonne vor dem Fenster. Im Gegensatz dazu war es im Wohnzimmer ganz düster. Hier ging etwas zwischen uns zu Ende, und gleichzeitig nahm etwas anderes seinen Anfang.

Obwohl wir uns mitten im Gespräch befanden, hatten sich meine Gefühle längst daraus verabschiedet und irrten haltlos umher. Als seien sie lebendig, betrachtete ich die Sonnenstrahlen draußen, die fröhlich auf dem Küchenfenster mir gegenüber zu tanzen schienen. Ich erinnere mich noch genau.

Dies ist die Geschichte einer Reise, die nicht mehr als zehn Tage dauerte. Ich hatte keine Erwartungen in diese Reise gesetzt, sie diente keinem besonderen Zweck, selbst nicht dem, uns aufzumuntern. Ich, wir haben uns einfach nur von einem Ort zum anderen treiben und von schönen Landschaften begleiten lassen. Ziellos, hoffnungslos. Trotzdem hat es auch Augenblicke gegeben, die uns irgendwie schön, die uns irgendwie außergewöhnlich erschienen. Es ist eine {8} kleine Geschichte, die eben jene Momente nachzeichnen soll.

Einer nach dem anderen trudelten an jenem Abend insgesamt etwa fünfzehn Leute bei Takashi ein. Alles Menschen, die ich seit ungefähr fünf Jahren nicht mehr gesehen hatte. Es gab zu essen und zu trinken, ich war seit langer Zeit mal wieder betrunken, und die Nacht verging, ohne daß ich ein Auge zugetan hätte.

Erst als schon fast der Tag anbrach, waren alle gegangen, nur Hideo, der das gesamte Essen für den Abend vorbereitet hatte, und ich waren noch da. Ich spülte und räumte auf. Hideo war so sehr damit beschäftigt gewesen, jedem, der gehen wollte, etwas von dem restlichen Essen mitzugeben, daß er darüber geblieben war.

Es war schon merkwürdig, daß Mimi, Takashis Freundin, in dieser Nacht nicht nach Hause kam. Die beiden waren nämlich erst vor einem Monat zur Miete in dieses alte japanische Haus gezogen, und das hätte ihre Einweihungsparty sein sollen.

Aber am besten erkläre ich hier erst einmal, in welcher Beziehung Hideo und ich zu Takashi stehen.

Ich bin Takashis Freundin gewesen, seine erste Frau. Das betone ich deshalb, weil er eigentlich nur auf Männer steht. Takashi und ich trafen uns, als ich siebzehn war, vor mehr als zehn Jahren also. Wir haben ziemlich lange zusammengelebt, bis wir uns schließlich doch trennten.

Auch Hideo war Takashis Geliebter. Die beiden hatten sich kennengelernt, während Takashi mit der Innenausstattung der Bar beschäftigt war, die Hideo als {9} Geschäftsführer leitete. Als sich Takashi dann jedoch bis über beide Ohren in die Künstlerin Mimi verknallte, mit der er jetzt zusammenwohnte, hatten er und Hideo sich getrennt. Das war vor gut drei Jahren.

Seither gehen wir jedenfalls alle wie ganz normale Freunde miteinander um. Das mag daran liegen, daß Mimi genau wie Hideo oder ich ausgesprochen umgänglich ist, oder daran, daß jeder von uns das tut, was ihm gefällt, und ihm alles, was über den Moment hinausreicht, egal ist. Vielleicht hat es auch damit zu tun, daß wir alle im gleichen Alter sind und in ähnlichen Berufen arbeiten. Es könnte aber auch sein, daß zwischen uns tatsächlich so etwas wie wahre Freundschaft entstanden ist.

Ich will nicht behaupten, daß es nicht für jeden von uns auch schwierige Momente gegeben hätte, aber mit der Zeit hat sich das bereinigt. Geblieben ist schließlich nur die Freude darüber, sich mit Leuten treffen zu können, mit denen man sich versteht, und das Vergnügen daran, sich mit ihnen gut zu unterhalten.

"Was ist mit Mimi?" Während ich die Teller abspülte und einräumte, sprach ich Takashi mehrmals direkt darauf an, bekam aber nur vage Antworten wie: "Die kommt noch",

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