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Cover Hilflos

Hilflos

von Dick Francis; Übersetzt von: Nikolaus Stingl

Erschienen 2016 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
288 Seiten
ISBN 978-3-257-60676-8

Kurztext / Annotation

James Tyrone ist Sportreporter eines englischen Massenblattes und spezialisiert auf Pferderennen: ein Mann mit eisernen Nerven. Doch ist er internationalen Wettbetrügern gewachsen?

Dick Francis, geboren 1920, war viele Jahre Englands erfolgreichster Jockey, bis ein mysteriöser Sturz 1956 seine Karriere beendete. Fast 50 Jahre lang schrieb er Thriller, die das Pferderenn- und Wettmilieu als Hintergrund haben. Seine 42 Romane wurden alle Bestseller. Dick Francis starb 2010.

Textauszug

{5} 1

D er Brief von Tally kam an dem Tag, an dem Bert Checkov starb. Er sah ganz harmlos aus; bloß eine Einladung von einem Hochglanzmagazin, einen Artikel über den Lamplighter Gold Cup zu schreiben. Ich schnippte ihn über den Schreibtisch zum Ressortleiter und öffnete weiter die Post, die sich freitags immer bei mir häufte. Luke-John Morton grunzte, streckte träge die Hand aus und blinzelte geistesabwesend, während er seinem offenbar ungemein redseligen Gesprächspartner am Telefon lauschte.

"Ja ... ja. Laß die Fetzen fliegen", sagte er.

Die Fetzen fliegen zu lassen war oberster Leitsatz der Sunday Blaze , einem Muster an Kaltherzigkeit. Warum ich nicht für die Sunday Times schrieb, wollte meine Schwiegermutter ständig wissen, anstatt für ein Schmierblatt wie die Sunday Blaze . Weil man dort keine Verwendung für mich hatte, darum. Für sie war das kein Argument, und sie entschuldigte sich weiter bei sämtlichen Bekannten für meine Arbeit, wenn sie das Thema nicht mit Schweigen übergehen konnte. Daß die Blaze achtundzwanzig Prozent mehr bezahlte als die Times und daß ihre Tochter einiges kostete, übersah sie geflissentlich.

Ich schlitzte einen billigen braunen Umschlag auf und erfuhr, daß irgendein Spinner fand, nur ein fieser, skrupelloser Saukerl wie ich könne an dem Mann, den ich letzten Sonntag verteidigt hatte, irgend etwas Gutes finden. Der Brief war auf Klopapier geschrieben und troff förmlich vor Gehässigkeit. Über meine Schulter gebeugt, las Derry Clark mit und lachte.

"Hab dir ja gleich gesagt, einige würden sich auf den Schwanz getreten fühlen."

{6} "Was tut man nicht alles für ein unruhiges Leben", meinte ich.

Derry schrieb jede Woche seine bedächtigen, unverfänglichen Rennberichte und überließ die Glaubenskriege und die heißen Eisen prinzipiell mir. Mein Kreuz, behauptete er ständig, sei breiter als seines.

Acht weitere Leserbriefschreiber, so stellte sich heraus, dachten wie er. Alle anonym, selbstverständlich. Ihre Probleme, überlegte ich, während ich ihre Ergüsse in den Papierkorb warf, waren noch größer als meine.

"Wie geht's deiner Frau?" fragte Derry.

"Gut, danke."

Er nickte, ohne mich anzusehen. Er hatte es nie geschafft, sich ohne Verlegenheit nach Elizabeth zu erkundigen. Manche Leute reagierten eben so.

Luke-Johns Gespräch näherte sich dem Ende. "Klar ... klar. Telefonier's bis spätestens sechs durch." Er legte auf und konzentrierte sich auf meinen Brief von Tally , den sein Blick mit professioneller Geschwindigkeit überflog.

"Eine Studie mit Tiefgang ... wie diese schicken Blätter dieses Wort lieben. Hast du denn Lust dazu?"

"Wenn das Honorar stimmt."

"Ich dachte, du wärst noch immer als Ghostwriter von Buster Figgs Autobiographie zugange."

"Ich hänge in Kapitel sechs fest. Er ist auf die Bahamas abgedüst und hat mir kein Material dagelassen."

"Wie weit bist du denn mit seiner popeligen Vita?"

"Beim Ende seiner Lehrzeit und seinem ersten Sieg in einem klassischen Rennen."

"Meinst du, so was verkauft sich?"

"Keine Ahnung." Ich seufzte. "Alles, was ihn interessiert, ist Geld, und bei manchen Rennen erinnert er sich nur noch an die Eventualquote. Er hat Tausende gewettet. Und er besteht darauf, daß ich seine dicksten Wetten mit hereinnehme. Er sagt, jetzt, wo {7} er pensioniert ist, können sie ihm seine Lizenz nicht mehr wegnehmen."

Luke-John schniefte, rieb sich mit der von Sommersprossen übersäten Hand die stark hervortretenden Sehnen seines mageren Halses, massierte seinen walnußgroßen Kehlkopf und senkte die schweren Augenlider, während er über den Brief von Tally nachdachte. Mein Vertrag mit der Blaze war ziemlich restriktiv: Bücher waren o.k., aber ich durfte ohne Luke-Johns Genehmigung -&nbs

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

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