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Cover Ewige Jugend

Ewige Jugend

Commissario Brunettis fünfundzwanzigster Fall

von Donna Leon; Übersetzt von: Werner Schmitz

Erschienen 2016 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
336 Seiten
ISBN 978-3-257-60715-4

Kurztext / Annotation

Brunettis Bravourstück. Der Commissario ermittelt in den Tiefen der Erinnerung: Contessa Lando-Continui möchte ihren Frieden finden, doch der tragische Sturz ihrer Enkelin in den Canale di San Boldo lässt ihr keine Ruhe. Was, wenn es kein Unfall war? Brunetti nutzt seine Connections, seine Einfühlung und seine Erfahrung. Der Jubiläumsfall.

Donna Leon, geboren 1942 in New Jersey, lebt seit 1965 im Ausland. Sie arbeitete als Reiseleiterin in Rom und als Werbetexterin in London sowie als Lehrerin an amerikanischen Schulen in der Schweiz, im Iran, in China und Saudi-Arabien. Die Brunetti

Textauszug

{26} 2

A m nächsten Morgen nutzte Brunetti ihre Kaf feepause in der Bar am Ponte dei Greci, um mit Vianello über die Gäste der Contessa Lando-Continui und vor allem über die Contessa selbst zu reden. Brunetti ließ sich darüber aus, wie die Contessa den Verfall der Stadt beklagt hatte - bis ein Gast sie zum Schweigen gebracht hatte, indem er sie mit Lob überschüttete.

"Wer widerspricht denn schon, wenn er gesagt kriegt, wie wunderbar er ist", meinte Vianello dazu, eine Bemerkung, der Bambola hinterm Tresen mit verständnisvollem Kopfnicken zustimmte. Nach kurzem Überlegen fragte Vianello: "Wie stehen die beiden denn zueinander? Ist er ein Verwandter? Ein Angestellter?" Er nippte an seinem Kaf fee - die Brioche war längst gegessen - und fuhr dann fort: "Nur jemand, der etwas haben will, bauchpinselt einen so. Aber dazu müsste er sie sehr gut kennen."

Darüber hatte Brunetti auch schon nachgedacht. Nur jemand, der uns näher kennt, weiß, für welche Vorzüge wir gern gelobt werden - und für welche nicht. Paola war taub für Komplimente über ihr Aussehen, ließ sich aber von jedem einwickeln, der ihre Schlagfertigkeit lobte. Und er selbst ließ sich nicht in seine Arbeit hineinreden, während jedes Lob für seine geschichtlichen Kenntnisse oder literarischen Vorlieben ihm Vergnügen bereitete.

"Er hat ihre Großzügigkeit hervorgehoben, ihre Generosität ", erklärte Brunetti, wobei man beim letzten Wort {27} die Gänsefüßchen hörte. Er hatte keine Ahnung, ob sie das Loblied verdiente. Abgesehen von dem, was am gestrigen Abend zur Sprache gekommen war, wusste er so gut wie nichts über die Aktivitäten der Contessa. Ja er wusste überhaupt wenig über sie. Generosität jedoch war eine Eigenschaft, die Venezianern, ob adlig oder nicht, selten nachgesagt wurde.

"Weißt du etwas über sie oder ihre Familie?", fragte er.

"Lando-Continui", murmelte der Ispettore. Er beobachtete, mit dem Rücken gegen die Theke gelehnt, die Passanten, die über die Brücke in Richtung griechische Kirche gingen. "In Mestre gibt es einen Notar Lando-Continui; bei dem war mein Cousin mal, als er seine Wohnung verkaufen wollte." Nun begegneten sich Leute auf der Brücke, die einen verschwanden im Inneren von Castello, die anderen liefen Richtung bacino oder San Marco.

"Da war noch was, aber ich komme gerade nicht drauf", sagte Vianello enttäuscht, und weil Pattas Sekretärin sicherlich fixer war als sein Gedächtnis: "Du könntest ja Signorina Elettra fragen, wenn es wichtig ist. Es gab da etwas Unerfreuliches, vor Jahren, aber ich komme einfach nicht drauf."

"Ich kenne die Contessa schon länger", sagte Brunetti, "aber wir haben immer nur über Nichtigkeiten geplaudert. Gestern Abend bekam ich zum ersten Mal einen deutlichen Eindruck von ihr. Sie ist gar nicht so steif, wie ich dachte. Allerdings", fügte er hinzu, "ist sie frustriert."

"Worüber?"

"Darüber, dass unsere schöne Stadt zur Kasbah verkommen ist", säuselte Brunetti spöttisch. "Nicht mehr die {28} Stadt, in der ich als Kind gespielt habe." Dann wieder mit normaler Stimme: "Man kennt das ja."

"Klingt nicht viel anders als das, was wir selber auch sagen, oder?", meinte Vianello, und Bambola wandte sich grinsend ab.

Brunetti unterdrückte eine leichte Verstimmung und sagte: "Schon möglich." Hatten ihn die Klagen der Contessa etwa deswegen so genervt, weil er sich unbewusst darin wiedererkannte?

Er griff in die Tasche und legte zwei Euro auf den Tresen. Sergio, der Besitzer der Bar, hatte den Kaf feepreis auf einen Euro zehn angehoben, jedoch nicht für die Mitarbeiter der Questura. Die zahlten weiterhin nur einen Euro, "bis", wie Sergio zu sagen pflegte, "der Euro wieder abgeschaff t wird und wir zur Lira zurückkehren und alles billiger wird". Niemand in der Questura besaß den Mut, dies mit Sergio zu diskutieren, alle ließen sich den

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