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Cover Da waren's nur noch neun

Da waren's nur noch neun

von Margaret Millar; Übersetzt von: Ilse Bezzenberger

Erschienen 2016 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
272 Seiten
ISBN 978-3-257-60733-8

Kurztext / Annotation

Isobel Seton, eine dreißigjährige Amerikanerin, reist zum Skifahren nach Kanada. Aber auf der Fahrt bleibt der Bus auf der verschneiten Straße stecken. Der Busfahrer steigt aus, um Schneeketten zu montieren - und kommt nicht wieder. Die Reisegruppe macht sich auf die Suche nach ihm, folgt seinen Spuren im Schnee. Sie finden ein einsames Haus, in der eine verrückte alte Frau und ihre Pflegerin wohnen ...

Margaret Millar, geboren 1915 in Kitchener, Ontario, studierte klassische Philologie, Archäologie und Psychologie, brachte es als Pianistin zum Konzertdiplom, arbeitete in Hollywood und erhielt so die gediegene Ausbildung zum Verfassen von Psycho-Thrillern. Seit 1938 war sie mit Kenneth Millar, besser bekannt als Ross Macdonald, verheiratet. Die First Lady of Crime, gekrönt mit dem Edgar-Allan-Poe-Preis und gefeiert als witzigste Analytikerin des American Way of Life and Death, starb 1994 in Santa Barbara.

Textauszug

{5} 1

M iss Isobel Seton vergrub das Kinn im Kragen ihres Zobelmantels und entwarf, wie sie es in Momenten großer Anspannung gewöhnlich tat, im Geiste einen gepfefferten Brief. Ihre Lippen bewegten sich leise, während sie nach einem guten, kraftvollen Anfang suchte.

Sehr geehrte Herren Abercrombie & Fitch,

ich bin von Ihrer angeblich so renommierten Firma gnadenlos betrogen worden. Letzte Woche kaufte ich in Ihrem Geschäft ein Paar Ski für die Summe von fünfundsiebzig Dollar. Dabei vertraute ich dem Manne, der mich beriet, an, daß ich noch nie auf Skiern gestanden habe. Aber er versicherte mir, das sei alles nur eine Sache gebeugt gehaltener Knie. Falls dieser Mann typisch für Ihr Team ist, na, dann kann ich nur sagen, dem möchte ich mal die Knie beugen ...

"Zu persönlich", murmelte Miss Seton selbstkritisch in ihren Kragen. "Ich muß knapper sein."

Meine Herren,

per Hundeschlitten sende ich Ihnen ein Paar Ski zurück, für das ich am vierzehnten Januar unüberlegterweise fünfundsiebzig Dollar bezahlt habe. Ich finde, Ihre Angestellten müßten der Allgemeinheit gegenüber mehr Verantwortung zeigen und nicht einfach an jedermann Ski verkaufen, der danach fragt. Es macht mir, nachdem {6} ich zehn Jahre lang in New York gelebt habe, ja nichts mehr aus, hemmungslos betrogen zu werden, aber gegen den Mangel an Bürgerverantwortung habe ich sehr wohl etwas.

Bloß weil einer Ihrer unverantwortlichen Angestellten mich nicht daran gehindert hat, mir ein Paar Ski zu kaufen, sitze ich hier in etwas, das diese verdammten Kanadier Schneebus nennen, was bedeutet, daß ein Bus einen an einem Schneezug abholt und einen zu einem Schneehotel befördert. Und hier sitze ich nun, verraten und verkauft in der Wildnis von Quebec inmitten eines rasenden Schneesturms. Meine Nase ist rot, ich bin fünfunddreißig - kein Alter für Zugeständnisse -, ich habe Hunger, der Busfahrer hat Pickel im Genick, die Fenster sind dichtgefroren, und ich sitze zusammengepfercht mit diversen anderen Unglücklichen, von denen keiner die Umsicht besessen hat, etwas Alkoholisch-Belebendes mitzubringen ...

"Bei Gott", murmelte Miss Seton, "und ob ich persönlich werden will!"

Auf der Bank hinter ihr nahm das Flitterwochenpärchen den Streit wieder auf, den sie auf dem Bahnhof in Montreal begonnen hatten. Die Stimme der Frau war laut, aber den Tränen nahe.

"Flitterwochen auf Skiern! Warum nicht gar auf dem Motorrad? Oder in einem U -Boot?"

"Aber mein Engel", sagte der Mann, "aber Maudie!"

"Zum Teufel mit dem Engel", zischte Maudie.

"Aber ..."

"Zum Teufel auch mit dir!"

Miss Seton, ihrerseits just in einer Bausch-und-Bogen-Verdammnis befangen, verspürte einen Hauch Mitleid. Sie {7} bewegte ihr Ohr ein ganz klein wenig näher an die Oberkante der Sitzbank heran.

"Dies sind die schlimmsten Flitterwochen, die ich je hatte, Herbert", klagte Maudie. "Sieh dir doch bloß diese Leute an, mit denen ich mich hier abgeben muß. Sieh dich doch bloß mal um, Herbert."

Miss Seton schrumpfte wieder in ihren Zobel, während Herbert sich vermutlich umsah.

"Diese Sportskanonen", fuhr Maudie fort. "Ich wette, die können's gar nicht abwarten, bis sie ihre Vitamine kriegen."

"Vitamine", meinte Herbert vorsichtig, "sind doch ganz in Ordnung."

"Mit Tom die Riviera, mit dem armen Jack die Bermudas, und ein Schneebus mit dir, Herbert. Also, weiter sag ich nichts - das spricht für sich selbst."

Unter dem Vorwand, sich in eine bequemere Stellung zu räkeln, manövrierte Miss Seton ihren Kopf so, daß sie die Oberkante der Lehne in Augenhöhe hatte.

Herbert tat, als sei er angelegentlich damit beschäftigt, die Landschaft zu bewundern, obgleich die Scheiben wie Milchglas waren. Selbst unter Seelenqualen trug sein Gesicht den Stem

Beschreibung für Leser

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Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Margaret Millar - Kanadierin aus deutsch-englischer Einwandererfamilie - studierte klassische Philologie, Archäologie und Psychologie, brachte es als Pianistin zum Konzertdiplom, arbeitete in Hollywood und erhielt so die gediegene Ausbildung zum Verfassen von Psycho-Thrillern. Ausgezeichnet mit dem Edgar-Allan-Poe-Preis und gefeiert als witzigste Analytikerin des American Way of Life and Death.

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