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Cover Es liegt in der Familie

Es liegt in der Familie

von Margaret Millar; Übersetzt von: Klaus Schomburg

Erschienen 2016 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
256 Seiten
ISBN 978-3-257-60735-2

Kurztext / Annotation

Priscilla ist elf und träumt davon, eine berühmte Schauspielerin oder Radiomoderatorin zu werden. Aber leider ist sie geschlagen mit Eltern, Geschwistern und zahlreichen Verwandten, die ihren wahren Fähigkeiten im Weg stehen. Zum Glück hat Priscilla jede Menge Ideen, ihr Wochenende trotz allem interessant zu gestalten ... Der turbulente Alltag einer Großfamilie, liebevoll und mit augenzwinkernder Ironie erzählt.

Margaret Millar, geboren 1915 in Kitchener, Ontario, studierte klassische Philologie, Archäologie und Psychologie, brachte es als Pianistin zum Konzertdiplom, arbeitete in Hollywood und erhielt so die gediegene Ausbildung zum Verfassen von Psycho-Thrillern. Seit 1938 war sie mit Kenneth Millar, besser bekannt als Ross Macdonald, verheiratet. Die First Lady of Crime, gekrönt mit dem Edgar-Allan-Poe-Preis und gefeiert als witzigste Analytikerin des American Way of Life and Death, starb 1994 in Santa Barbara.

Textauszug

{7} Ein finanzielles Problem

U m sieben Uhr am Samstagmorgen begannen die goldenen Stunden. Sobald Priscilla die Augen öffnete, spürte sie instinktiv, daß Samstag war. Die Luft roch anders, und sie schien in froher Erwartung zu zittern. Die rosafarbenen Tapetenrosen sahen rosiger aus, und der Hügel unter der Decke des anderen Bettes war nicht einfach die Becky, die sie an jedem Wochentag mit in die Schule schleppen mußte, sondern es war die Samstags-Becky, Teilhaberin an allen möglichen verwegenen Plänen. Sie selbst war die Samstags-Priscilla, und wenn sie in den Spiegel blickte (bevor sie die Jalousie hoch- und das Licht hereinließ), sah sie schemenhaft und geheimnisumwittert aus, wie eine berühmte Sängerin in ihrem langen Abendkleid oder eine Meerjungfrau mit wallendem Seegrashaar oder die Lady von Shalott, die nach Camelot herabschwebt. Schweben, schweben, schweben. Sie schwebte in ihre Kleider und durch den Flur und die Treppe hinunter in die Küche, wo Edna ihr wunderschönes Seegrashaar zu harten, unromantischen Flechten zusammenpreßte und bemerkte, daß der Hals der Lady von Shalott schmutzig sei.

"Großpapa sagt, ein wenig Schmutz hat noch niemandem geschadet", erwiderte Priscilla. "Jedenfalls müssen {8} wir alle fünfzehn Pfund Schmutz essen, bevor wir sterben."

"Wer sagt das?" fragte Edna mißtrauisch.

"Niemand sagt das. Es ist einfach eine Regel."

"Das klingt mir nicht gerade nach einer Regel."

"Dann frag doch irgend jemanden. Frag Gott."

"Unsinn", sagte Edna.

Edna war morgens immer mürrisch, solange sie ihr heißes Wasser mit Zitrone, um ihren Teint und ihren Körper im allgemeinen zu kräftigen, noch nicht getrunken hatte. Über Nacht hatte es geregnet, und Ednas Haarwelle war herausgegangen. Das kurze dunkle Haar stand ihr gerade vom Kopf, und sie fuhrwerkte auf ihren kurzen Beinen in der Küche herum wie ein grimmiger Pygmäe.

"Du gehst jetzt rauf und wäschst dich", sagte Edna, "und steh nicht herum und fall mir auf die Nerven!"

"Ich habe noch nicht mal meinen Mund aufgemacht."

"Das wolltest du gerade."

"Wollte ich nicht, ich habe bloß nachgedacht."

"Tra la", sagte Edna. Sie preßte den Saft einer Zitrone in eine Tasse heißes Wasser und nippte daran. Augenblicklich spürte sie, wie ihre Haut sich verbesserte und ihr Körper im allgemeinen gekräftigt wurde.

"Ich dachte daran", sagte Priscilla, "wie gut ich mich vor fünfzehn Minuten gefühlt habe."

"Ach wirklich?"

"Und dann, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, fiel mir etwas ein. Ich brauche ein Zehncentstück."

"Zehn Cent? Ich frage dich, wo sollte ich wohl ein Zehncentstück herkriegen? Außerdem hat deine Mama gesagt, {9} daß ich euch Kindern kein Geld mehr geben soll. Sie sagte, daß ihr, du und Becky, selbst sehen sollt, wie ihr zurechtkommt."

"Becky ist ein Geizkragen", entgegnete Priscilla düster. "Die würde für zwei Dollar dem Teufel ihre Seele verkaufen."

Priscilla hätte gegen eine solche Transaktion nichts einzuwenden gehabt, nur hielt sie es für sehr unwahrscheinlich, daß Becky dazu überredet werden könnte, von den zwei Dollar etwas abzugeben.

"Wie du sprichst", sagte Edna. "Meine Güte, das klingt nicht sehr damenhaft. Dem Teufel seine Seele verkaufen. Warte nur, bis deine Mutter das hört."

"Edna?"

"Kein Zehncentstück, nee, nee!"

"Es ist eine Kleinigkeit, mir das Geld zu leihen", sagte Priscilla hochmütig. "Es ist doch nicht so, als würde ich dich bitten, es mir zu schenken."

"Es ist gehupft wie gesprungen, wenn du mich fragst", sagte Edna. "Und als ich elf war und zehn Cent brauchte, suchte ich mir eine Zehn-Cent-Arbeit."

"Mir fällt keine Zehn-Cent-Arbeit ein, außer brav zu sein."

"Fürs Bravsein wird man in dieser Welt nicht bezahlt. Jetzt geh und fall mir nicht auf die Nerven. Ich muß Frühstück machen."

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Margaret Millar - Kanadierin aus deutsch-englischer Einwandererfamilie - studierte klassische Philologie, Archäologie und Psychologie, brachte es als Pianistin zum Konzertdiplom, arbeitete in Hollywood und erhielt so die gediegene Ausbildung zum Verfassen von Psycho-Thrillern. Ausgezeichnet mit dem Edgar-Allan-Poe-Preis und gefeiert als witzigste Analytikerin des American Way of Life and Death.

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