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Cover Von hier an wird's gefährlich

Von hier an wird's gefährlich

von Margaret Millar; Übersetzt von: Fritz Güttinger

Erschienen 2016 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
256 Seiten
ISBN 978-3-257-60746-8

Kurztext / Annotation

Robert Osborne ist Farmer in Kalifornien - jung, wohlhabend und glücklich verheiratet. Eines Abends verläßt er sein Haus und kehrt nicht zurück. Alle Nachforschungen bleiben erfolglos; lediglich ein Messer, Osbornes toter Hund und Blutspuren werden gefunden. Seine Frau Devon ist überzeugt, daß Osborne einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Osbornes Mutter dagegen weigert sich, an den Tod zu glauben ...

Margaret Millar, geboren 1915 in Kitchener, Ontario, studierte klassische Philologie, Archäologie und Psychologie, brachte es als Pianistin zum Konzertdiplom, arbeitete in Hollywood und erhielt so die gediegene Ausbildung zum Verfassen von Psycho-Thrillern. Seit 1938 war sie mit Kenneth Millar, besser bekannt als Ross Macdonald, verheiratet. Die First Lady of Crime, gekrönt mit dem Edgar-Allan-Poe-Preis und gefeiert als witzigste Analytikerin des American Way of Life and Death, starb 1994 in Santa Barbara.

Textauszug

{5} 1

I n Devons Traum suchte man wieder das Reservoir nach Robert ab. Es war fast wie damals, als es zum erstenmal geschah, als der mexikanische Polizeibeamte, Valenzuela, seinen Leuten Anweisungen gab und die jungen Taucher in ihren Gummianzügen umherstanden, das Atmungsgerät auf den Rücken geschnallt.

Im Traum sah Devon vom Herrschaftshaus her stumm und hilflos zu. In Wirklichkeit war sie damals hinausgegangen, um sich bei Estivar, dem Gutsverwalter, zu beschweren. "Warum sucht man ihn da drin?" "Man muß überall suchen, Mrs. Osborne." "Das Wasser ist doch so schmutzig. Robert hält sehr auf Sauberkeit." "Jawohl." "Er wäre nie in so schmutziges Wasser gestiegen." "Vielleicht hatte er nicht mehr viel dazu zu sagen, Mrs. Osborne."

Das Wasser, das nur zur Bewässerung diente, war zu trüb, als daß die Taucher viel hätten ausrichten können, und schließlich machte sich die Polizei mit einem großen Bagger und Sieb ans Werk. Stundenlang suchten sie den Grund ab, fanden aber bloß verrostete Maschinenteile, alte Autoreifen, Holztrümmer und das verschlammte Skelett eines Neugeborenen. Dieser Fund hatte dem Polizisten, Valenzuela, mehr zugesetzt, als wenn man ein Dutzend {6} männliche Leichen zutage gefördert hätte. Hat ein Mann, mag sein Ende noch so grausig sein, nicht meistens etwas auf dem Kerbholz, so daß ihm recht geschah? Doch dieses Kind, das arme Wurm - "verflucht noch mal", sagte Valenzuela, schlug ein Kreuz und nahm das Häuflein Gebeine in einer Schuhschachtel mit.

Geweckt wurde Devon, als Dulzura an die Schlafzimmertür klopfte.

"Mrs. Osborne? Sind Sie wach?" Die Tür ging eine Handbreit auf. "Zeit zum Aufstehen. Das Frühstück ist auf dem Herd."

"Es ist noch früh", erwiderte Devon. "Erst halb sieben."

"Aber heute ist doch der bewußte Tag. Haben Sie's vergessen?"

"Nein." Wohl kaum. Sie hatte ja den Antrag selber unterschrieben, während der Rechtsanwalt zuschaute, offensichtlich erleichtert, daß sie endlich eingewilligt hatte.

Dulzuras wulstige Finger zitterten am Türknauf. "Ich habe Angst. Alle werden sie mich anstarren."

"Sie brauchen bloß die Wahrheit zu sagen."

"Wie kann ich nach so langer Zeit noch sicher sein, was wahr ist? Und wenn ich eine Unwahrheit sage, nachdem ich auf die Bibel vereidigt worden bin, wird man mich ins Gefängnis stecken, sagt Estivar."

"Das war nicht ernst gemeint."

"Er machte aber ein ernstes Gesicht dazu."

"Man wird Sie nicht ins Gefängnis stecken", erklärte Devon. "In zehn Minuten bin ich unten."

Sie blieb jedoch ruhig liegen und hörte zu, wie Dulzura die Treppe hinunterstapfte und der Wind in einem fort {7} ums Haus nuschelte, als wolle er hinein. Die Herbstnacht war warm gewesen. Devons kurze braune Haare waren feucht, und das Nachthemd klebte ihr am Körper, als sei sie selber aus dem Reservoir gefischt und zum Trocknen aufs Bett gelegt worden, eine halb ertrunkene Melusine.

Daß Dulzura etwas anderes als die Wahrheit sagen würde, stand nicht zu befürchten; schließlich war die Sache ja einfach genug: Nach dem Abendessen war Robert hinausgegangen, um seinen Hund zu suchen, und hatte unterwegs einen Abstecher in die Küche gemacht, um Dulzura zum Geburtstag zu gratulieren; er machte eine neckische Bemerkung, wie groß sie nachgerade geworden sei, und ging dann zur Hintertür hinaus, zur Garage hinüber.

Roberts Wagen stand immer noch da, mit zurückgeklapptem Verdeck, und der Zündschlüssel steckte. Estivar meinte, es sei nicht ratsam, den Schlüssel stecken zu lassen, es sei eine allzu große Versuchung für die mexikanischen Saisonarbeiter, die im Frühling kamen, um die Zitronen zu pflücken, im Sommer, um die Tomaten versandbereit zu machen, und im Herbst, um die Melonen einzubringen. Noch nie war indessen ein Versuch gemacht worden, das Auto zu entwenden. Vielleicht hatte Estivar die Leute bei der

Beschreibung für Leser

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Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Margaret Millar - Kanadierin aus deutsch-englischer Einwandererfamilie - studierte klassische Philologie, Archäologie und Psychologie, brachte es als Pianistin zum Konzertdiplom, arbeitete in Hollywood und erhielt so die gediegene Ausbildung zum Verfassen von Psycho-Thrillern. Ausgezeichnet mit dem Edgar-Allan-Poe-Preis und gefeiert als witzigste Analytikerin des American Way of Life and Death.

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