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Cover Der illustrierte Mann

Der illustrierte Mann

von Ray Bradbury; Übersetzt von: Peter Naujack

Erschienen 2015 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
336 Seiten
ISBN 978-3-257-60751-2

Kurztext / Annotation

In Der illustrierte Mann Fahrenheit 451 Moby Dick

Textauszug

[7] Prolog

An einem warmen Nachmittag, Anfang September, be gegnete ich dem illustrierten Mann zum ersten Mal.

Ich befand mich auf der letzten Etappe einer zweiwöchigen Wanderschaft durch Wisconsin und trottete über eine Asphaltstraße. Am späten Nachmittag machte ich Rast, aß etwas Speck, Brot und ein Rosinenbrötchen und wollte mich gerade hinlegen und lesen, als der illustrierte Mann über die Hügelkuppe trat und sich einen Augenblick lang gegen den Himmel abzeichnete.

Ich wusste zu jenem Zeitpunkt noch nicht, dass er illustriert war; ich sah lediglich, dass er groß war, früher einmal sehnig und muskulös gewesen sein musste, jetzt aber aus irgendeinem Grunde dick zu werden schien. Ich erinnere mich, dass er lange Arme und dicke Hände hatte, sein Gesicht jedoch wie das eines Kindes auf einem zu gewaltigen Körper aussah.

Er schien meine Gegenwart nur zu spüren, denn als er zu sprechen begann, sah er mich nicht an.

"Wissen Sie, wo ich einen Job bekommen kann?"

"Bedaure, nein", antwortete ich.

"Seit vierzig Jahren hab ich keinen dauerhaften Job mehr gehabt", sagte er.

Obwohl der Abend heiß war, trug er sein wollenes Hemd [8] bis an den Hals geschlossen. Die Ärmel waren heruntergerollt und über seinen dicken Handgelenken zugeknöpft. Der Schweiß rann ihm in Strömen vom Gesicht, doch er machte keine Anstalten, sein Hemd zu öffnen.

"Na ja", meinte er schließlich, "eigentlich könnte ich genauso gut hier wie irgendwo anders die Nacht verbringen. Haben Sie etwas gegen Gesellschaft?"

"Ich habe noch was von meinem Proviant übrig, das ich Ihnen gern anbieten würde", erwiderte ich.

Schwerfällig und mit einem Grunzen setzte er sich. "Es wird Ihnen noch leid tun, dass Sie mich zum Bleiben aufgefordert haben", sagte er. "Bisher hat's noch jeder bedauert. Deshalb bin ich ja auf der Wanderschaft. Und das Anfang September, wo es überall Jahrmärkte gibt. Auf jedem Kleinstadtrummelplatz sollte ich das Geld nur so schaufeln können, dabei sitz ich hier, ohne jede Aussicht."

Er zog einen gewaltigen Schuh aus und betrachtete ihn eingehend. "Gewöhnlich behalte ich so einen Job zehn Tage lang. Und dann passiert etwas, und ich werde rausgeschmissen. Mittlerweile ist es so weit, dass kein Schausteller in ganz Amerika mich mit der Kohlenzange anfassen möchte."

"Und der Grund dafür?", fragte ich.

Als Antwort öffnete er langsam sein Hemd. Mit geschlossenen Augen machte er, einen nach dem andern, alle Knöpfe auf. Er ließ seine Hand hineingleiten und tastete über seine Brust. "Sonderbar", sagte er, die Augen noch immer geschlossen. "Man kann sie nicht fühlen, aber sie sind doch da. Ich hoffe unentwegt, dass ich eines Tages hinsehen werde und sie sind verschwunden. Stundenlang trabe ich an den heißesten Tagen schmorend durch die Sonne und hoffe, dass [9] mein Schweiß sie wegwaschen wird, dass die Sonne sie fortbrennt, aber am Abend sind sie immer noch da." Er drehte sich ein wenig zu mir und zog mit beiden Händen das Hemd über seiner Brust weit auseinander. "Sind sie auch jetzt noch da?"

Ich hielt unwillkürlich den Atem an. "Ja", sagte ich nach einer langen Pause. "Sie sind immer noch da."

Die Illustrationen.

"Ein weiterer Grund, warum ich mein Hemd bis zum Kragen zugeknöpft lasse", sagte er, "sind die Kinder. Sie laufen mir auf den Landstraßen nach. Alle wollen die Bilder sehen, und doch möchte niemand sie sehen."

Er zog sein Hemd aus und legte es zusammen. Von einem blauen, eintätowierten Ring um seinen Hals war er bis zur Gürtellinie mit Illustrationen bedec

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