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Cover Ein Grinsen aus Elfenbein

Ein Grinsen aus Elfenbein

von Ross Macdonald; Übersetzt von: Charlotte Hamberger

Erschienen 2016 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
208 Seiten
ISBN 978-3-257-60764-2

Kurztext / Annotation

Am Anfang sieht alles ganz harmlos aus: Detektiv Lew Archer soll den Schmuck einer reichen Dame zurückbringen, den angeblich das farbige Hausmädchen Lucy gestohlen hat. Doch spätestens nach dem grausamen Mord an dem jungen Hausmädchen wird klar, daß es sich hier um ein handfestes Verbrechen handelt. Ein packender Krimi über Personen, die zuviel wissen und dafür mit ihrem Leben bezahlen müssen.

Ross Macdonald (1915 - 1983) zählt zu den besten amerikanischen Kriminalautoren des 20. Jahrhunderts. Er wird in Großbritannien und Amerika und nun auch bei uns wiederentdeckt. Seine Kriminalromane gelten als Spiegel der amerikanischen Gesellschaft. Ross Macdonald war Präsident der Mystery Writers of America. 1964 gewann er den Silver Gold Dagger Award

Textauszug

{5} 1

Sie wartete vor meinem Büro: eine untersetzte Frau, knapp mittelgroß, in sportlichem blauem Kostüm und blauem Rollkragenpullover. Die blaue Nerzstola, die sie dazu trug, machte ihre Erscheinung nicht weiblicher. Das dunkle Haar war im Nacken kurz geschnitten; es betonte das Knabenhafte ihres eckigen und sehr braungebrannten Gesichts. Sie war der Typ, der nur dann um halb neun schon auf ist, wenn er entweder etwas sehr Wichtiges vorhat oder die ganze Nacht nicht ins Bett gekommen ist.

Während ich die Tür aufsperrte, trat sie zurück und sah zu mir auf mit dem Blick eines Vogels, der einen besonders großen Wurm anpeilt.

Ich sagte: "Guten Morgen!"

"Mr. Archer?"

Ohne eine Antwort abzuwarten, streckte sie mir die kurze braune Hand hin. Ringe blitzten; der Händedruck war fest wie der eines Mannes. Dann faßte sie mich am Ellbogen und führte mich in mein eigenes Büro. Sie schloß die Tür hinter sich.

"Bin ich froh, daß Sie da sind, Mr. Archer!"

Sie ging mir bereits auf die Nerven. "Warum?"

"Warum was?"

"Warum sind Sie froh, daß ich da bin?"

"Weil ... Na, setzen wir uns erst mal, damit wir uns unterhalten können." Die durch Koketterie getarnte Starrköpfigkeit hatte überhaupt keinen Charme, sie war eher beunruhigend.

"Über was Besonderes?"

Sie setzte sich in einen Sessel in der Nähe der Tür und ließ {6} ihren Blick herumschweifen. Mein Wartezimmer ist weder groß noch teuer möbliert. Ihr Blick registrierte beides. Aber sie sagte nichts; sie rieb sich nur die Hände. Die Ringe klirrten leise. Drei an jeder Hand. Ziemlich große Diamanten. Sie sahen echt aus.

"Ich habe einen Job für Sie", sagte sie zu meinem durchgesessenen Kunstledersofa, das gegenüber stand. "Nicht gerade einen großen Job, aber ich zahle gut ... Fünfzig pro Tag?"

"Plus Spesen. Wer hat Sie zu mir geschickt?"

"Aber niemand ... Setzen Sie sich doch endlich hin! Nein, Ihr Name ist mir bekannt, schon seit Jahren!"

"Ach? Ich wüßte nicht ..."

Jetzt kam ihr Blick zu mir zurück, und er war gealtert und müde geworden nach dem Rundgang durch mein armseliges Vorzimmer. Sie hatte grünliche Ringe unter den Augen. Vielleicht war sie tatsächlich die ganze Nacht aufgewesen. Jedenfalls sah sie wie fünfzig aus, trotz des bald knabenhaften, bald backfischhaften Gehabes. Amerikaner werden nicht alt: sie sterben. Diese Erkenntnis sprach deutlich aus ihren Augen.

"Nennen Sie mich Una", sagte sie.

"Sie leben in Los Angeles?"

"... nicht ganz. Ist ja auch egal, nicht? Ich sag Ihnen schon alles, was wichtig für Sie ist. Darf ich, ja? So ganz brutal?"

"Ich lechze danach."

Ihr harter, unverhüllter Blick tastete mich beinahe spürbar ab. "Sie sehen okay aus. Aber wenn Sie reden, klingt's ein wenig nach Hollywood."

Ich war nicht aufgelegt für den Austausch von Komplimenten. Ihre rauhe Stimme, der jähe Wechsel zwischen guten Manieren und Unverschämtheit störten mich. Es war, als redete ich gleichzeitig mit mehreren Personen, von denen keine ganz vorhanden war.

"Tarnung." Ich fing ihren Blick auf und hielt ihn fest. "Ich komme mit den verschiedensten Typen zusammen."

Sie wurde nicht richtig rot. Einen Augenblick schien sie {7} unter Blutandrang zu leiden, aber das verflog gleich wieder. Dann machte die knabenhafte Hälfte wieder das Rennen.

"Ich meine: Pflegen Sie Ihren Klienten den Hals abzuschneiden? Ich habe schon mal schlechte Erfahrungen gemacht."

"Mit Detektiven?"

"Mit Leuten. Detektive sind auch Leute."

"Sie sprudeln ja von Komplimenten nur so über, Mrs. ..."

"Sie sollen mich Una nennen, hab ich gesagt. Ich kenne keine sozialen Vorurteile. Kann ich mich darauf verlassen, daß Sie tun, was ich verlange, und damit Schluß? Daß Sie Ihr Honorar kassieren und sich im übrigen um Ihren eigenen Kra

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Ross Macdonald, geboren 1915 in Los Gatos, Kalifornien, zählt zu den besten amerikanischen Kriminalautoren des 20. Jahrhunderts. Er wird in Großbritannien und Amerika und nun auch bei uns wiederentdeckt. Dabei verdankt er seine Karriere eher einem Zufall: Seine Frau Margaret war Schriftstellerin - und verdiente mit Schreiben bald mehr als er mit seiner Dozentur. So wurde aus dem Dozenten Kenneth Millar in Michigan der Schriftsteller Ross Macdonald in Kalifornien. Seine Bücher sind Bestseller und wurden erfolgreich verfilmt, so zum Beispiel 'Unter Wasser stirbt man nicht' (1975) mit Paul Newman und Joanne Woodward. Seine Kriminalromane gelten als Spiegel der amerikanischen Gesellschaft. Ross Macdonald starb 1983 in Santa Barbara.

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