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Cover Ein fast perfektes Wunder

Ein fast perfektes Wunder

von Andrea De Carlo; Übersetzt von: Maja Pflug

Erschienen 2017 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
400 Seiten
ISBN 978-3-257-60809-0

Kurztext / Annotation

Milena führt eine Gelateria in einem Städtchen in der Provence. Als eines Tages der Leadsänger einer legendären Rockband in der Tür steht, erkennt sie ihn zunächst nicht. Nick ist bezaubert von den exquisiten Eissorten. Und von Milena. Welten trennen die beiden, doch eins haben sie gemeinsam: Sie versuchen, Wunder zu vollbringen. Milena in Form von Gelato und Nick mit seiner Musik.

Andrea De Carlo, geboren 1952 in Mailand, lebte nach einem Literaturstudium längere Zeit in den USA und in Australien. Er war Fotograf, Maler und Rockmusiker, bevor ihm 1981 mit seinem ersten Roman, Creamtrain Zwei von zwei

Textauszug

Mittwoch

1

A m späten Nachmittag des 18 . November 2015 gab es im gesamten Stadtgebiet von Fayence, Département Var, Region Provence-Alpes-Côte d'Azur, einen Blackout, der sich auf den ganzen öffentlichen Verkehr, die Telekommunikation, die Radio- und Fernsehsender, die Konservierung der Lebensmittel, die Sicherheitssysteme, Computernetzwerke und verschiedenste kommerzielle Unternehmen auswirkte, einschließlich der Eisdiele La Merveille Imparfaite am Anfang der gepflasterten Gasse, die in Stufen von der Rue Saint-Clair zum Marktplatz vor der Kirche hinunterführt.

Kurz davor war Milena Migliari, die Eisfrau, aus ihrer Ladentür getreten und dachte gerade, dass man nicht in den Kalender zu schauen brauchte, um zu merken, dass die Touristensaison längst vorbei war. Man musste nur spüren, wie unbewegt die Luft war, in der man noch den Nachhall des spätsommerlichen Gelächters, die Rufe, die Blicke, das Rascheln, das Trippeln, das Klicken der Handys wahrzunehmen meinte. Ein Blick auf die Hauptstraße um die Ecke genügte: Nur wenige Autos kamen durch den Torbogen des Rathauses mit der kursiven Aufschrift Hôtel de ville, den blassblauen Fensterläden, den Töpfen mit welkenden Hängegeranien, der Flagge Frankreichs und der Europäischen Union, fuhren an den Schaufenstern von Restaurants, Bäckereien und Immobilienbüros vorbei und weiter bergauf, nach Mons oder Tourrettes oder Callian oder wer weiß wohin. Es herrschte eine unbestimmte Kälte, in die sich noch ein schwaches, laues Lüftchen mischte; der Himmel war von kraftlosem Blau, das scheinbar dem Grau nicht weichen wollte. In der allgemeinen Stille vernahm man das Gehämmer eines Arbeiters, der in einer der Gassen weiter unten zugange war, und die Musik aus dem Radio in Milena Migliaris Werkstatt.

Plötzlich gingen in der Eisdiele die Lichter aus, das Radio verstummte, nur die fernen Hammerschläge blieben übrig. Milena Migliari sah sich um, ging wieder hinein, wechselte einen erstaunten Blick mit ihrer Assistentin Guadalupe hinter der Theke und lief in die Werkstatt: Auch das hypnotische, beruhigende Brummen der Kühlapparate war verschwunden. Sie eilte wieder hinaus, bog um die Ecke an der Hauptstraße und merkte nach wenigen Schritten, dass der Strom im ganzen Ort ausgefallen war.

Eis tendiert naturgemäß zum Schmelzen, auch wenn es einige Zeit dauert, bis wirklich nichts mehr zu retten ist. Und Instabilität hat Milena Migliari schon immer eine Mischung aus Angst und Faszination eingeflößt: Mag sein, dass das auch mit ihrer persönlichen Geschichte zusammenhängt, wie Viviane behauptet, damit, dass sie keinen soliden Familienhintergrund hat, sich nie irgendwo verwurzelt gefühlt hat. Doch in diesem Fall handelt es sich um ihre Arbeit: um mit unendlicher Sorgfalt ausgesuchte Zutaten, um zeitaufwendig entwickelte Verfahren, um teure Apparate, die noch abbezahlt werden müssen, um eine Bilanz, die aufgehen muss. Deshalb bemüht sie sich jetzt bewusst, sich nicht aufzuregen, sondern vertrauensvoll darauf zu warten, dass der Strom zurückkommt. Sie blickt auf die Wanduhr, die zum Glück mit Batterie funktioniert, und stellt ein paar Berechnungen an: In den Kühlwannen der Theke kann das Eis bestimmt zwei Stunden unbeschadet überstehen, bei der aktuellen Außentemperatur vielleicht sogar drei. Sie unterhält sich eine Weile mit Guadalupe und geht ab und zu in die Werkstatt, um die Rührmaschine zu begutachten, die Reifebehälter, den Schockfroster, den Kühlschrank für die Rohstoffe: alles aus, aus, aus. Nicht ein Kontrolllämpchen blinkt, nicht ein Lüf ter brummt. Die Angst kriecht in ihr hoch, und schließlich greift sie zum Handy, ruft beim Stromkonzern und der Stadtverwaltung an, um ein paar Informationen zu bekommen; aber am anderen Ende antworten nur automatische Ansagen oder unglaublich desinformierte, ausweichende oder gleichgültige Menschen. Das beruhigt sie

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Maja Pflug wurde 1946 in Bad Kissingen geboren. Übersetzerausbildung in München, Florenz und London. 1987 erhielt sie den Premio Montecchio. Sie lebt in München und Italien und wurde im März dieses Jahres mit dem Deutsch-Italienischen Übersetzerpreis für ihr Lebenswerk geehrt.

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