Wir verwenden Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzererfahrung auf unserer Website zu bieten und erlauben das Setzen von Drittanbieter-Cookies. Durch die Nutzung unserer Website stimmen Sie zu, dass Cookies auf Ihrem Gerät gespeichert werden. Weitere Informationen zu den verwendeten Cookies und zu ihrer Deaktivierung finden Sie hier.
Cover Vintage

Vintage

von Grégoire Hervier; Übersetzt von: Alexandra Baisch; Stefanie Jacobs

Erschienen 2017 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
400 Seiten
ISBN 978-3-257-60812-0

Kurztext / Annotation

Einem jungen Gitarristen und Journalisten bietet sich der große Deal und die Story seines Lebens: eine Million, wenn er beweisen kann, dass die Gibson Moderne Vintage

Textauszug

2

Boleskine House, Loch Ness

I ch zuckte zusammen, als der Chauffeur neben mir auftauchte, um die Tür zu öffnen. Er bat mich hinein, verneigte sich und verschwand wortlos im rechten Gebäudeflügel. Ich blieb allein in der fast leeren Eingangshalle zurück. Im Schein der elektrischen Wandfackeln entdeckte ich in einer Ecke ein rundes Tischchen, auf dem unter einer Glasglocke eine seltsame kleine Gitarre lag. Ich trat einen Schritt näher. Bei genauerer Betrachtung war es vielmehr eine große Mandoline, eine Mandola, auf deren geschweiftem Kopf der Schriftzug 'The Gibson' prangte. Ich kannte sie bisher nur aus Büchern: Es war eine der berühmten Lloyd Loars, die Stradivari unter den Mandolinen, wenn man so will. Unter den Mandolinen der Bluegrass-Countrymusik, sollte ich vielleicht hinzufügen, denn dieses Instrument unterschied sich ziemlich stark von den Mailänder Mandolinen oder den klassischen Mandolinen der Renaissance.

Gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts hatte sich irgendwo in den Appalachen zwischen den italienischen Einwanderern, die gekommen waren, um in den Kohlebergwerken zu arbeiten, und den einheimischen Hinterwäldlern, den hillbillies, etwas Folgenschweres ereignet. Es muss eines Abends am Lagerfeuer passiert sein, als einer der Bergarbeiter seine Mandoline hervorholte, einen der wenigen Gegenstände, die ihn auf der Atlantiküberfahrt begleitet hatten, und Lieder aus seiner italienischen Heimat spielte. Den Gebirgsbewohnern gefielen die wehmütigen Töne. Genau wie die Geige nahmen sie die Mandoline in ihre Folklore auf, wenn auch in leicht abgewandelter Form. Orville Gibson hatte ihren Hals verlängert und den Korpus etwas abgeflacht. Und mit ebendiesem Instrument wurde 1902 die Gibson Mandolin-Guitar Ltd. gegründet. Der Durchbruch gelang schließlich Lloyd Loar - selbst Musiker und Komponist, aber auch Ingenieur und herausragender Instrumentenbauer - in den zwanziger Jahren. Seine Mandoline F 5 erlangte dank Bill Monroe, dem Urvater des Bluegrass, schon bald Berühmtheit. Schnell wurden Hunderte von Instrumenten gebaut, von denen zahlreiche bis auf den heutigen Tag erhalten sind, weshalb man sie recht einfach und zu annehmbaren Preisen findet. Auf dem Höhepunkt seines Schaffens baute Lloyd Loar jedoch eine ganz besondere Serie, die einen horrend hohen Schätzwert besitzt. Diese Mandolinen sind an den wunderschönen Perlmuttintarsien zu erkennen, ein Farnornament direkt unterhalb des Gibson-Schriftzugs. Solch ein Exemplar hatte ich vor mir, und zwar in tadellosem Zustand. Die Decke hatte eine herrliche Wölbung, die Mechaniken sowie alle anderen Metallteile waren vergoldet und allem Anschein nach original. Was mochte dieses Prachtstück wohl wert sein? Womöglich vier- oder fünfmal so viel wie die Gitarre, die ich ihrem neuen Besitzer überreichen sollte ...

" 7 . Oktober 1924 , die letzte von dreiundzwanzig Exemplaren, die gebaut wurden. Sie steht nicht zum Verkauf."

Erschrocken fuhr ich herum. Der Mann, der das auf Englisch gesagt hatte, war um die siebzig Jahre alt, was man ihm durchaus ansah, aber sein Blick war wach und durchdringend. Er saß im Rollstuhl, und es war nicht Jimmy Page.

"Lord Charles Winsley", sagte er und streckte mir die Hand entgegen.

"Thomas", erwiderte ich und schüttelte sie. "Es tut mir schrecklich leid. Monsieur de Chévigné war in letzter Minute verhindert, wollte Sie aber nicht warten lassen und -"

"Wir hatten vereinbart, dass er mir diese Gitarre persönlich liefert, das war meine einzige Bedingung. Ich hätte durchaus warten können, bis Monsieur de Chévigné seinen Verpflichtungen nachgekommen ist."

"Das wusste ich nicht", sagte ich verdattert. Erst jetzt begriff ich, dass sich Alain offenbar einfach aus der Affäre gezogen hatte. "Das ist mir sehr unangenehm. Ich nehme an, dass Alain Ihr

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Drucken

Kundenbewertungen

10,99 €
(inkl. MwSt.)
EPUB sofort downloaden
Downloads sind nur in Österreich möglich!
Maximaler Downloadzeitraum: 24 Monate