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Cover Kalter Himmel

Kalter Himmel

von Brian Moore; Übersetzt von: Otto Bayer

Erschienen 2018 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
336 Seiten
ISBN 978-3-257-60888-5

Kurztext / Annotation

Der amerikanische Arzt Dr. A. Davenport ist mit seiner Frau Marie auf Urlaubsreise. Bei einem Bad vor der Küste wird er von einem Motorboot erfaßt. Dr. Davenport erliegt im Krankenhaus seinen Verletzungen, sein Körper wird in die Leichenhalle gebracht. Am nächsten Morgen ist die Leiche verschwunden. Marie Davenport, die untreue Gattin, glaubt, daß ihr Mann noch lebt, und will ihn wiederfinden.

Brian Moore, geboren 1921 in Belfast, diente als britischer Soldat von 1943 bis 1945 in Nordafrika, war von 1946 bis 1947 UNO-Beauftragter in Polen und wanderte 1948 nach Kanada aus. 1959 übersiedelte Moore nach Kalifornien. Er starb am 11. Januar 1999 in seinem Haus in Malibu.

Textauszug

{7} I

1

Die Holzbank des kleinen Tretboots war nach hinten geneigt, so daß Marie in den Himmel blickte. Kein Wölkchen. Über ihr zog in dieser Unermeßlichkeit eine Möwe ihre schnörkelige Bahn. Marie und Alex traten die Pedale im Takt, die Drehpaddel tauchten klatschend in die Wellen und trieben das Boot durch die geschlossenen Reihen der Badenden hindurch vom Strand weg und ins tiefere, abgeschiedenere Wasser der Baie des Anges. Marie ließ es jetzt etwas ruhiger angehen, aber Alex strampelte verbissen weiter und lenkte das Pédalo geradewegs gen Mittelmeer.

"Wir sollten nicht so weit hinausfahren", sagte sie.

"Ich will weg von den Leuten. Ich möchte schwimmen."

Es war so typisch für ihn, daß er immer seine eigenen Vorstellungen hatte, stets Muße in Betriebsamkeit verwandeln mußte, sogar an diesen paar Urlaubstagen. Sie verzeichnete jetzt jeden seiner Fehler. Es war, als hätte sie mit dem Entschluß, ihn zu verlassen, ihm allen Kredit entzogen. Sie blickte zurück zu der langen Hotelreihe an der Promenade des Anglais. Heute war der Tag, an dem sie es ihm zu sagen gehofft hatte. Sie hatte beim Frühstück damit herausrücken und sofort abreisen wollen, zuerst nach New York, dann nach Los Angeles, zu Daniel. Doch beim Frühstück hatte sie aller Mut verlassen. Und da nun der halbe Tag schon um war, konnte sie es gleich auf morgen verschieben.

{8} Weit vor der Küste kamen die Schaufeln zur Ruhe. Das Pédalo schaukelte auf seinen Zwillingsschwimmern, als Alex sich von seinem Sitz erhob. Er reichte ihr seine Sonnenbrille. "Hier müßte es gehen", sagte er, und schon hechtete er in das tiefblaue Wasser, und das Boot schaukelte noch mehr. Sie sah ihn wieder auftauchen. "Fahr mir nach!" rief er. Ein guter Schwimmer war er nicht, er kraulte mit viel Kraft, aber ohne Stil. Marie trat wieder in die Pedale, die Hand am Ruder, und blieb mit dem kleinen Boot immer dicht hinter ihm. Wenn sie ihm so zusah, wußte sie, daß er dieses Tempo nicht lange durchhalten würde. Sie sah seine wild fuchtelnden Arme und stellte sich einen Augenblick lang vor, daß diese Arme sie schlugen. Er hatte sie noch nie geschlagen. Schlagen war nicht seine Art. Er konnte gekränkt sein, kalt, auch nachtragend. Aber gewalttätig war er nicht.

Sie hörte ein Motorboot, dessen Brummen immer lauter wurde. Sie drehte sich um, sah aber hinter sich kein Boot. Als sie jedoch nach rechts blickte, wo Alex schwamm, sah sie einen großen Außenborder sehr schnell in ihre Richtung kommen. Die werden uns doch sehen! dachte sie erschrocken, und dann war es, als säße sie im Kino und sähe das Ganze in einem Film, als Unbeteiligte; sie sah einen Mann in dem Motorboot, einen jungen Mann mit grünem Hemd; doch der Mann stand nicht am Ruder, er stand mit dem Rücken zu ihr in der Bootsmitte, und soeben bückte er sich und hob ein Kind auf, das dort hingefallen war. "He!" rief sie. "He!" - denn er mußte sich ja umdrehen, das Boot kam doch direkt auf Alex zu, auf sie zu. Aber der Mann im Boot hörte nichts. Er ging mit dem Kind auf die andere Seite des Boots, das nur noch ein paar Meter weit weg war. "Alex!" rief sie. "Alex, paß auf!" Doch Alex kraulte weiter, und jetzt {9} prallte das Boot, dessen Bug wie ein Messer das Wasser zerteilte, mit einem schaurig-dumpfen Ton gegen Alex, fuhr über ihn hinweg und krachte in die Schwimmkörper des kleinen Tretboots, das kenterte, und unversehens befand sie sich selbst im Wasser, ging unter, kam wieder hoch. Sie sah sich nach dem Motorboot um, das weiterbrauste, das demolierte Tretboot wie ein Bündel Reisig auf den Bug gespießt. Sie hörte den Motor ersterben und wieder aufheulen, sah das Boot einen Halbkreis schlagen und zurückkommen. Alex? Sie blickte um sich und sah seinen Körper unweit an der Wasseroberfläche treiben. Im Bruststil, dem einzigen, den sie beherrschte, schwamm sie hin. Er trieb bäuchlings im Wasse

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