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Cover Der Eiscremekönig

Der Eiscremekönig

von Brian Moore; Übersetzt von: Bernhard Robben

Erschienen 2018 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
304 Seiten
ISBN 978-3-257-60901-1

Kurztext / Annotation

Belfast 1939: Gavin Burke ist hin- und hergerissen zwischen seiner Liebe für Gedichte und seinem Lebenshunger. Aus Protest gegen seine irisch-nationale Familie schließt er sich dem örtlichen Luftschutzverein an. Dort wird er mit Alkohol, Homosexualität und Politik konfrontiert. Bis Gavin einen Angriff der Deutschen als eine Art tabula rasa geradezu herbeizusehnen beginnt ...

Brian Moore, geboren 1921 in Belfast, diente als britischer Soldat von 1943 bis 1945 in Nordafrika, war von 1946 bis 1947 UNO-Beauftragter in Polen und wanderte 1948 nach Kanada aus. 1959 übersiedelte Moore nach Kalifornien. Er starb am 11. Januar 1999 in seinem Haus in Malibu.

Textauszug

{5} 1

Das gnadenreiche Jesulein von Prag war nur elf Zoll groß, aber schwer genug, um einem die Zehen zu brechen, falls es von der Kommode fiel. Es trug das Krönungsornat eines Monarchen, verbrachte sein Leben jedoch in Wirklichkeit damit, als ein verzweifelter, kleiner Prediger Gavin Burkes Blick aufzufangen. Was ihm gelang, als Gavin vor Kälte zitternd und in Unterwäsche nach der neuen Uniformhose griff.

"Kümmere dich um deine eigenen Angelegenheiten", sagte Gavin.

"Du bist meine Angelegenheit", sagte das Jesulein. "Deine Mutter hat mich in dieses Zimmer gestellt, damit ich auf dich und Owen aufpasse. Nun ja, was soll's, so weit mußte es ja kommen. Diese Uniform. Und dann diese Arbeit. Aber was will man auch von einem Jungen wie dir erwarten, der doch nur das macht, wozu er Lust und Laune hat? Faul und ungezogen bist du. Außerdem hemmt das Rauchen dein Wachstum. Übrigens einer der Gründe, weshalb du in diesen Sachen so lächerlich aussiehst. Die Wollust auch. Im Bett liegen und in deiner Phantasie unschuldige Mädchen beschmutzen, wo du doch eigentlich für deinen Schulabschluß büffeln solltest. Kein Wunder, daß du durchgefallen bist. Tja, so kommt eins zum anderen."

"Ich weiß, was dich nervt, Jesulein", sagte Gavin. "Drastisch gesagt - und so muß ich es jetzt mal sagen -, kommen dir die Tränen, weil ich dir und deinem Verein durch {6} die Lappen gehe. Keine Schule mehr, den Lohn in der Tasche. Und wenn ich Lust habe, kann ich losziehen und mir ein paar richtig scharfe Nutten leisten."

"Was denn für Nutten?" fragte das Jesulein. "Wenn du eine Nutte siehst, wirst du doch blaß vor Schreck."

"Möglich", sagte Gavin, "dann besaufe ich mich eben vorher. Das kann ich mir dann nämlich leisten. Versuch doch, mich davon abzuhalten. Laß ein Wunder geschehen, Jesulein. Für Wunder bist du doch zuständig, nicht?" Doch kaum hatte er das gesagt, meinte er, das Schicksal herausgefordert zu haben, und klopfte auf Holz.

"Das wird dir kaum helfen", warnte das Jesulein. "Merkst du nicht, daß du dich auf heidnischen Aberglauben berufst, um den Zorn Gottes von dir abzuwenden? Da kannst du mal sehen, wie dich diese ganze Sache mit der Religion durcheinanderbringt."

"Hey, deine Uniform", sein älterer Bruder Owen stürzte ins Zimmer und warf die Jurabücher aufs Bett, "zeig mal her." Er griff sich den schwarzen Stahlhelm und las die weißen Buchstaben. " E.H.T. Was soll das denn bedeuten?"

"Erste-Hilfe-Trupp."

" EHT-EHT-EHT ." Owen setzte den Helm auf und tat, als feuerte er eine Maschinenpistole ab. Dann lief er ans Schlafzimmerfenster und rief: "Hier ist der E.H.T. , Fräulein. Lassen Sie die Jalousien runter, Fräulein. Ziehen Sie sich an, Fräulein. Es herrscht nämlich Krieg, kapiert?"

"Nicht so laut. Mutter könnte dich hören."

"Ist das die Jacke? Darf ich sie anprobieren?"

"Von mir aus."

"Links, zwo, drei, vier. Müßt ihr exerzieren?"

"Weiß ich noch nicht. Ich fang erst morgen mit der Arbeit an."

{7} "Arbeit nennt er das. Was denn für eine Arbeit? Glaubst du tatsächlich, die Deutschen denken im Ernst daran, das gute alte Ulster zu bombardieren? Bist du wirklich so blöd, Söhnchen?"

"Warum nicht? Militärische Ziele gibt's genug."

"Ach, hör doch auf. Hitler hat noch nie was von dieser Gegend gehört. Erst mal muß er Frankreich schlagen, klar? Und dann bleiben da noch ganz England, Schottland und Wales. Das dauert Jahre, bis der zu diesem gottverdammten Flecken vorstößt. Ich sag dir was. Wie lang ist jetzt Krieg? Ein, zwei Monate? Und weißt du, wie viele Kommilitonen aus meinem Jahrgang an der Queen's University sich freiwillig gemeldet haben? Vier. Das beweist dir doch, daß sich die Protestanten kein bißchen von den katholischen Bombenwerfern unterscheiden, wenn es ans Sterben geht für König George VI , den Stammler.

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