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Cover Die Welt ist so, wie man sie sieht

Die Welt ist so, wie man sie sieht

Erschienen 2018 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
224 Seiten
ISBN 978-3-257-60902-8

Kurztext / Annotation

Viele Jahre lang war Marion Dönhoffs Großneffe Friedrich einer der Menschen, die ihr am nächsten standen. Er begleitete sie im Alltag und auf Reisen. Wenn er davon erzählt, ist die tiefe Vertrautheit in jeder Zeile spürbar. Humor und Streitlust, Offenheit und Neugierde prägten diese ungewöhnliche Freundschaft - auch die eingestreuten Fotos aus dem Familienalbum vermitteln das. Das Buch enthält auch ein letztes Gespräch, das der Autor wenige Wochen vor ihrem Tod mit Marion Dönhoff führte. Sie erzählt von ihrer ostpreußischen Heimat, spricht über Familie und Glauben und zieht ein Resümee ihres Lebens.

Friedrich Dönhoff, geboren 1967 in Hamburg, ist in Kenia aufgewachsen. Er studierte Geschichte und Politik, verfasste Biographien und schrieb u.a. den Bestseller Die Welt ist so, wie man sie sieht - Erinnerungen an Marion Dönhoff

Textauszug

{8} Geschichte einer Freundschaft

Meine erste Erinnerung geht auf den Sommer des Jahres 1980 zurück: Marion hatte beruflich in Bonn zu tun und besuchte uns bei der Gelegenheit zu Hause. Ich war zwölf Jahre alt, saß auf unserem weißen Cordsofa und las im Spiegel, den ich gerade für mich entdeckte.

"Findest du das interessant?", kam es plötzlich von der Seite. Marion war aus dem Kreis der Erwachsenen herübergekommen. Ihre Augen sehr blau, das Gesicht mit der hohen Stirn familiär vertraut, das silbergraue, gewellte Haar aus dem Gesicht frisiert. Ihre tiefe Stimme warm und klar.

Sie setzte sich neben mich. Zwischen uns entwickelt sich eine Unterhaltung über Politik. Ich war schwer beeindruckt: was meine Großtante alles wusste, wie spannend sie erzählte, wie genau sie zuhörte.

Von diesem Tag an blieben wir in Kontakt. Sie schickte mir hin und wieder etwas zu lesen, einen {9} ihrer Leitartikel aus der Zeit oder andere Texte, von denen sie meinte, dass sie einen jungen Menschen interessieren könnten - oder interessieren sollten. Ich schrieb ihr ein paar Gedanken dazu, sie schrieb wieder zurück. Manchmal sprachen wir am Telefon, aber das geschah eher selten, weil Marion ungern telefonierte: zu teuer. Am Ende der kurzen Gespräche sagt sie nur "Addio", manchmal legte sie sogar ohne Abschiedsgruß auf.

Einige Jahre später erzählte ich ihr von einem Praktikum in einem Studio für Grafik und Design in Hamburg, das ich für die Sommerferien plante.

"Wo wirst du denn wohnen?", fragte sie.

"Das weiß ich noch nicht, aber es wird sich bestimmt was ergeben." Meine Eltern haben lange in Hamburg gelebt, ich bin dort geboren.

"Wenn du nichts Vernünftiges findest, kannst du gerne bei mir einziehen", sagte Marion. "Ich würde mich sogar darüber freuen."

Marion wohnte im Stadtteil Blankenese. Kurz hinter dem Bahnhof zweigt von der Hauptstraße ein schmaler Weg aus Kopfsteinpflaster ab: der Pumpenkamp. Die Straße führt leicht bergauf, und dann taucht hinter hohen Ahornbäumen und Rhododendronbüschen das kleine Haus auf, in dem Marion seit den sechziger Jahren lebte.

Sechs Wochen lang wohnten wir so {10} selbstverständlich zusammen, als wäre es nie anders gewesen. Jeden Morgen nach dem Frühstück fuhren wir gemeinsam über die Elbchaussee Richtung Innenstadt. Meine Großtante saß am Steuer ihres blauen Porsches. Sie fuhr schnell, die eine Hand auf dem Lenkrad, die andere auf der Gangschaltung. Währenddessen plauderte sie über Politik. Wenn ein Auto vor ihr zu langsam fuhr, fluchte sie: "Blöde Kuh" oder "dummer Kerl", besonders, wenn der Fahrer bei Gelb bremst. Sie selbst trat bei Gelb noch extra aufs Gas: "Ich finde es sehr befriedigend, bei Orange durchzufahren", meinte sie. Nach einer bestimmten Ampel verengte sich die Elbchaussee auf eine Spur. Wenn die Ampel auf Grün schaltete, legte Marion hier allergrößten Wert darauf, die Schnellste zu sein. "Ist wohl so 'n gewisser Ehrgeiz dabei", sagte sie.

So schnell, wie Marion über die Elbchaussee brauste, blieb es natürlich nicht aus, dass sie hin und wieder geblitzt wurde. Sie erzählte von einem Strafmandat, das sie bekommen hatte: Statt der erlaubten fünfzig sei sie sechsundfünfzig gefahren. "Ich hab denen gesagt, ich fände es unverschämt zu behaupten, ich sei sechsundfünfzig gefahren. Ich fahre doch immer achtzig. Mindestens."

Eines Nachts auf dem Heimweg nach der {11} Spätvorstellung eines Kinofilms - Marion saß am Steuer - blitzte es wieder.

"Was war denn das?"

"Na ja, du bist wohl zu schnell gefahren."

"Meinst du? Um diese Zeit kontrollieren die doch nicht mehr."

Aber in der Dunkelheit leuchtete schon eine Kelle auf. Wir wurden in eine Seitenstraße gelotst, wo eine Gruppe junger Männer herumstanden, die die Polizei ebenfalls herausgefischt hatte. Wir mu

Beschreibung für Leser

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Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Friedrich Dönhoff, geb. 1967 in Hamburg, ist in Kenia aufgewachsen. Nach seinem Studium der Geschichte und Politik und der Ausbildung zum Drehbuchautor hat er sich als Verfasser von Biographien einen Namen gemacht. Friedrich Dönhoff lebt in Hamburg.

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