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Cover Marlène

Marlène

von Philippe Djian; Übersetzt von: Norma Cassau

Erschienen 2018 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
288 Seiten
ISBN 978-3-257-60908-0

Kurztext / Annotation

Marlène ist eine Frau, die Unheil anzieht. Etwas weltfremd und scheinbar unauffällig, aber immer im Auge des Orkans, den sie selbst verursacht. Seit sie da ist, ist das Leben von Dan und Richard noch komplizierter. Die beiden Freunde hatten ohnehin Mühe, sich nach ihrer Rückkehr aus dem Krieg im zivilen Alltag zurechtzufinden. Nun brechen alte Traumata auf, die Gefühle spielen verrückt. Denn mit Marlène tritt nicht nur die Liebe, sondern auch die Eifersucht in ihr Leben.

Philippe Djian, geboren 1949 in Paris, ist viel herumgekommen. Er lebte in New York, Florenz, Bordeaux und Lausanne und wohnt heute in Biarritz und Paris. Auf einer Autobahnmautstelle, bei einem seiner Gelegenheitsjobs, tippte Philippe Djian sein erstes Manuskript. Sein dritter Roman, Betty Blue Oh ... Elle

Textauszug

{61} Vorzeichen

E inige Tage vor seiner Entlassung nutzte Richard das erste Frühlingserwachen mit diesem blauen Himmel, der schon für sich allein alles änderte, besonders die Laune der Frauen - ohne dass er sagen konnte, warum -, um Nath beizubringen, dass er einen neuen Wagen gekauft hatte. Trotzdem versteif te sie sich etwas, obwohl er ihr gegenüber nur ein Drittel des Preises für den Alfa erwähnte. Ihre Gedanken rasten, sie wog das Für und Wider in weniger als einer Viertelsekunde ab.

Ob das der richtige Moment ist, fragte sie scheinbar sorgenvoll.

Und dann seufzte sie leicht, als würde sie einem lebhaften Kind nachgeben, bei dem man nicht hart bleiben kann.

Siehst du mich zu Fuß durch die Stadt latschen, erwiderte er und zeigte mit dem Daumen auf sich. Ich nicht.

Sie schüttelte den Kopf, setzte ein ausdrucksloses Lächeln auf und schaute in Richtung {62} Gitterfenster, er sollte sich nicht einbilden, dass der Punkt so schnell an ihn ginge.

Trotzdem ganz schön viel, verteidigte sie sich sacht. Das ist trotzdem Wahnsinn, weißt du.

Er nahm ihre Hände und beugte sich zu ihr. Sie merkte, dass er wohl seit Minuten innerlich kochte, er brannte, aber das war nicht verwunderlich, sie hatte mit Bedacht ein Outf it ausgewählt, das ihn, nach drei Monaten der Abstinenz oder was das gewesen war, nicht kaltlassen konnte. Sie hatte nichts unversucht lassen wollen, angesichts von Richards Rückkehr feilte sie an ihrer Verteidigungsstrategie. Und wenn sie es geschickt machte, würde ihnen nichts um die Ohren fliegen und nicht die Hütte abbrennen. Sie zupf te an ihrem Rock.

Ihre Ehe bot schon lange keinen Grund mehr zur Freude. Aber jetzt hatte ihr Mann wieder diesen Glanz in den Augen, und ihm lief das Wasser im Mund zusammen. Im Grunde war dieser animalische Urinstinkt, der sie antrieb, zum Lachen. Richard standen die Schweißperlen auf der Stirn, er knetete ihre Hände, ohne recht zu wissen, was er tat, seine Unterlippe hing verträumt herunter, sein Schwanz zeichnete sich deutlich in der Stoffhose ab.

Sie dachte an diesen Typen, den sie manchmal traf und der schon beim Nachtisch anfing zu {63} stottern, so scharf war er darauf. Es war fast komisch. Vielleicht hing das mit dem Einzug des Frühlings zusammen.

Ich weiß, was du denkst, presste Richard zwischen den Zähnen hervor. Kümmer dich nicht drum.

Ich wollte eigentlich einen großen Fernseher kaufen, sagte sie schulterzuckend. Aber das macht nichts, ich kann warten.

Super. Ich will endlich nach Hause, weißt du.

Sobald sie sich umgedreht hatte, um zu gehen, zündete er sich eine Zigarette an und sah ihr nach. Er hätte es schlimmer treffen können. Von allen Mädchen, die er gekannt hatte, passte Nath ihm am besten. Davon war er auch nach zwanzig Jahren noch überzeugt, trotz der Höhen und Tiefen, die sie durchgemacht hatten. Die Einzige, die allen Krisen und seiner wiederholten Abwesenheit standgehalten, die Einzige, die ihm Paroli geboten hatte, letztlich mit Verstand und Weitblick, aber es kam auf das Jetzt an, er sah keinen Sinn darin, zu Kreuze zu kriechen.

Sie waren sich über den Alfa einig geworden, ohne Diskussionen, wovon Richard noch ganz beglückt war, dazu kam die große Lust auf seine Frau, verstärkt durch die aktuellen Umstände.

Er nutzte seinen Freigang, um die anderen auf {64} dem Hof wissen zu lassen, dass er auf der Suche nach einem großen Fernseher war, gute Qualität, zu einem guten Preis. Und just der Typ, der ihm den Alfa verkaufen wollte, hatte einen Cousin mit guten Kontakten.

Draußen wurde es dunkel, er lag auf seiner Liege und fragte sich, ob Nath ebenso ungeduldig war wie er, ob die Lust sie zerfraß, ob sie es sich gerade selbst machte. Mit der Zeit hatten sie sich ein wenig vernachlässigt, vor allem seit seiner Rückkehr aus dem Irak, der ihn mehr fertiggemacht hatte, al

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