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Cover Das Schlangenmaul

Das Schlangenmaul

Erschienen 2019 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
320 Seiten
ISBN 978-3-257-60910-3

Kurztext / Annotation

"Bergungsexperte für außergewöhnliche Fälle" nennt sich Heinz Harder, arbeitsloser und abgebrannter Illustriertenschreiber in der geschalteten Anzeige. Seine erste Klientin ist reich und schön, und für den "Journalisten, Detektiv und Ritter" wird es zunehmend gefährlich im Berlin der windigen Geschäftsmänner, illegalen Clubs und dubiosen Politikmachenschaften, wohin ihn die Spur der verschwundenen Tochter führt. Mit einem Nachwort von Friedrich Ani.

Jörg Fauser wurde 1944 bei Frankfurt am Main geboren. Nach Abitur und abgebrochenem Studium lebte er längere Zeit in Istanbul und London. Er arbeitete u.a. als Aushilfsangestellter, Flughafenarbeiter, Nachtwächter. Ab 1974 widmete er sich hauptberuflich dem Schreiben. Seine Romane, Gedichte, Reportagen und Erzählungen sind eine Ausnahmeerscheinung in der deutschen Literatur. Jörg Fauser verunglückte 1987 in der Nacht nach seinem Geburtstag tödlich bei München auf der Autobahn.

Textauszug

1

A ls die Presslufthämmer mich weckten, träumte ich gerade vom Krieg. Ich brütete über einer Story, die sich nicht schreiben ließ, dann zerrissen Explosionen den Himmel, und der Alte schrie mir zu: Wenn du mit dem Thema nicht klarkommst, schmeiß ich dich endgültig raus.

Vorsichtig streckte ich die Hand aus und berührte etwas Weiches. Ich machte die Augen auf und blickte in das Gesicht der Thailänderin. Sie schlief fest. Na gut, dachte ich, Deutschland hat noch einen Krieg verloren, aber du liegst im Bett der Sieger. Allmählich brachten die Presslufthämmer mir bei, wo ich war. Berlin, Anfang November. Montagmorgen. Sonne, viel zu viel Sonne über den Dächern. Ich griff nach einem der Gläser neben dem Bett, erwischte einen Schluck abgestandenen Wodka mit Tonic. Dann eine Zigarette. Frühstück à la carte. Mein Herz fing an zu hämmern. War wohl etwas grob, gestern Nacht. Die letzten Stunden fehlten mir. Genau genommen auch die letzten Tage. Nuchali lächelte im Schlaf. Für mich gab es nichts zu lächeln. Ich war achtunddreißig und pleite.

Es klingelte.

Post. Telegramm. An die Arbeit, Harder.

Ich versuchte durch den Spion zu linsen, aber der war so verschmiert, dass ich nichts erkennen konnte. Ich zog den Gürtel meines alten Boxermantels zu und machte die Tür einen Spalt auf. Ein kleiner, stämmiger Mann, ungefähr mein Alter. Rosa Gesicht, spärliche blonde Haare. Adretter Regenmantel, weißes Hemd, Schlips und strahlendes Vertreterlächeln.

"Guten Morgen. Herr Harder?"

"Mhm. Und wer sind Sie?"

"Wiglaff, Herr Harder. Von der Steuerfahndung." Eine Hundemarke kam zum Vorschein. "Ich darf doch annehmen, dass Sie mit meinem Besuch gerechnet haben. Gestatten Sie?"

So war das also. Ein Vertreter des Staates. Ich dirigierte ihn in die Küche. Wiglaff sah sich aufmerksam um, registrierte die leeren Flaschen, die unausgepackten Umzugskisten im Wohnzimmer, die kahlen Wände, den Müll auf dem Balkon. Durch seine Augen sah es sicher aus wie die Station eines Mannes auf der Flucht.

"Zu diesem Blick darf man Ihnen ja gratulieren, Herr Harder. Dafür zahlt man gern etwas mehr Miete, stimmt's?"

Ich zuckte die Achseln und holte zwei halbwegs saubere Tassen aus der Spüle. Dann setzte ich Wasser auf.

"Trinken Sie eine Tasse mit? Gibt aber nur Pulverkaffee."

"Vielen Dank, gern. Kann ich hier etwas Platz machen?" Wiglaff schloss seinen Aktenkoffer auf und entnahm ihm einen Schnellhefter. Der Vorgang Harder, Heinz. "Wie gesagt, mit meinem Besuch müssten Sie ja gerechnet haben. Allein in den letzten fünf Monaten hat das Finanzamt Ihnen vier Mahnungen geschickt, und es war ja auch eine Betriebsprüfung angekündigt."

"Ich war verreist."

"Aber eine amtliche Zustellung haben Sie angenommen."

"Wissen Sie, heutzutage ist so viel gleich amtlich, wer blickt da noch durch."

"Haben Sie denn keinen Steuerberater?"

"Soll ich dem auch noch Geld in den Rachen schmeißen? Worum geht es denn eigentlich?"

"Sie haben ja Humor, Herr Harder. Es geht natürlich um Ihre Steuerschulden. Das heißt, es geht jetzt auch um den begründeten Verdacht der Steuerhinterziehung."

Ich schluckte. "Steuerhinterziehung? Da fahren Sie aber ziemlich schweres Geschütz auf."

Er nickte und blätterte in der Akte.

"Herr Harder, nach unseren Unterlagen haben Sie in den Jahren 1977 bis 1982 Einkünfte aus selbständiger Arbeit als freier Journalist in Höhe von etwa 150 000 DM nicht versteuert - und auch keine Mehrwertsteuer dafür abgeführt. Das macht mit Verzugszinsen inzwischen eine Steuerschuld von 51 374 , 54 DM - ohne Mehrwertsteuer. Da Sie auf entsprechende Kontrollmitteilungen und Aufforderungen des inzwischen für Sie zuständigen Finanzamts Charl

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