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Cover Abendrot

Abendrot

von Kent Haruf; Übersetzt von: Pociao

Erschienen 2019 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
416 Seiten
ISBN 978-3-257-60931-8

Kurztext / Annotation

Holt, eine Kleinstadt im Herzen Colorados. Zwei alte Viehzüchter müssen den Wegzug ihrer Ziehtochter verkraften. Ein Ehepaar kämpft in seinem verwahrlosten Trailer um ein Stückchen Würde und um seine Kinder. Ein elfjähriger Junge kümmert sich rührend um seinen kranken Großvater. So hart das Schicksal auch zuschlägt - die Menschen in Holt sind entschlossen, dem Leben einen Sinn abzutrotzen. Und begegnen einander dabei neu.

Kent Haruf (1943-2014) war ein amerikanischer Schriftsteller. Alle seine sechs Romane spielen in der fiktiven Kleinstadt Holt im US-Bundesstaat Colorado. Er wurde unter anderem mit dem Whiting Foundation Writers' Award, dem Wallace Stegner Award und dem Mountains & Plains Booksellers Award (für Lied der Weite Unsere Seelen bei Nacht

Textauszug

{9} Teil 1

{11} 1

S ie kamen im schräg einfallenden Licht des frühen Morgens aus dem Pferdestall. Die beiden McPheron-Brüder, Harold und Raymond. Alte Männer, die am Ende des Sommers auf ein altes Haus zusteuerten. Sie gingen über die mit Kies bestreute Zufahrt, vorbei an dem Pick-up und dem am Zaun der Schweinekoppel geparkten Wagen, und traten nacheinander durch das Maschendrahttor. Vor der Veranda kratzten sie sich die Stiefel an dem Sägeblatt ab, das im Boden vergraben war, die Erde ringsum festgetreten und blank, so viele Male waren sie darübergegangen und hatten sie mit Dung aus dem Stall vermischt. Sie stiegen die Holzstufen zur Vorderveranda mit der Fliegengittertür hinauf und betraten die Küche, wo die neunzehnjährige Victoria Roubideaux am Kiefernholztisch saß und ihre Tochter mit Haferbrei fütterte.

In der Küche nahmen sie ihre Hüte ab, hängten sie über die Haken neben der Tür und wuschen sich als Erstes an der Spüle die Hände. Ihre Gesichter waren rot und vom Wetter gegerbt unter einer blassen Stirn, das borstige Haar auf den runden Köpfen eisengrau und steif wie die abstehende Mähne eines Pferdes. Als sie an der Spüle fertig waren, trockneten sie sich nacheinander mit dem Geschirrtuch ab, doch als sie sich am Herd das Essen auftun wollten, wies das Mädchen sie an, sich hinzusetzen.

{12} Muss nicht sein, dass du uns bedienst, sagte Raymond.

Das möchte ich aber, entgegnete sie. Morgen bin ich nicht mehr da.

Sie stand auf, setzte sich das Kind auf die Hüfte und stellte zwei Kaffeetassen, zwei Schalen mit Haferbrei und einen Teller mit gebutterten Toastscheiben auf den Tisch, dann setzte sie sich wieder hin.

Harold saß da und studierte seinen Haferbrei. Man hätte meinen können, dass sie uns wenigstens dieses Mal ein Steak mit Spiegeleiern auftischt. Zur Feier des Tages. Aber nein, Sir, immer nur diese warme Pampe, die ungefähr so schmeckt wie die letzte Seite der nassen Zeitung von gestern.

Wenn ich weg bin, könnt ihr essen, was ihr wollt. Das macht ihr sowieso, ist mir schon klar.

Ja, Ma'am, wahrscheinlich wird's so kommen. Er sah sie an. Nicht, dass ich's nicht abwarten kann, bis du gehst. Ich nehm dich nur ein bisschen auf den Arm.

Weiß ich doch. Sie lächelte ihm zu. Ihre Zähne strahlten weiß in dem gebräunten Gesicht, und das dichte schwarze Haar glänzte und fiel ihr gerade bis über die Schultern. Ich bin gleich so weit, sagte sie. Ich will nur noch Katie zu Ende füttern und sie anziehen, dann können wir los.

Gib sie mir, sagte Raymond. Ist sie fertig mit Essen?

Nein, noch nicht, sagte das Mädchen. Aber vielleicht isst sie bei dir noch ein Häppchen. Bei mir dreht sie immer nur den Kopf weg.

Raymond stand auf, ging um den Tisch herum und nahm die Kleine auf den Arm. Dann kehrte er zu seinem Platz zurück, setzte sie sich auf den Schoß, streute Zucker auf den Haferbrei in seiner Schale, goss Milch aus dem Krug dazu, {13} der auf dem Tisch stand, und fing an zu essen, während die Kleine mit dem schwarzen Haar und den runden Bäckchen ihn beobachtete, fasziniert von dem, was er tat. Er hielt sie ganz entspannt und bequem, den Arm um sie gelegt, nahm einen Löffel voll Brei, pustete darauf und bot ihn ihr an. Sie nahm ihn. Er selbst aß auch etwas. Dann blies er auf den nächsten Löffel Brei und schob ihn ihr in den Mund. Harold goss Milch in ein Glas, und die Kleine streckte sich über den Tisch und trank mit beiden Händen, bis sie innehalten musste, um nach Luft zu schnappen.

Was werde ich bloß machen, wenn sie in Fort Collins nicht essen will?, sagte Victoria.

Du kannst uns anrufen, sagte Harold. Wir sind im Nu da, um nach ihr zu sehen. Was, Katie?

Die Kleine sah ihn über den Tisch hinweg unverwandt an. Ihre Augen waren so schwarz wie die ihrer Mutter, wie Knöpfe oder Johannisbeeren.

Beschreibung für Leser

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