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Cover Die Blütezeit der Miss Jean Brodie

Die Blütezeit der Miss Jean Brodie

von Muriel Spark; Übersetzt von: Andrea Ott

Erschienen 2018 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
240 Seiten
ISBN 978-3-257-60934-9

Kurztext / Annotation

Miss Jean Brodie, charismatische und exzentrische Lehrerin an einer Töchterschule im Edinburgh der Dreißigerjahre, will mit ihren unorthodoxen Lehrmethoden ihre Schülerinnen zu kompromisslos selbständigen und romantischen jungen Damen erziehen. Doch nicht nur damit eckt sie an, sondern auch mit ihrem unstatthaften Liebesleben und ihrer heimlichen Begeisterung für den aufkommenden Faschismus. Sechs Mädchen gehören zur "Brodie-Clique", deren Leben und Phantasien über Jahre von der Lehrerin beherrscht werden, und eine von ihnen wird Miss Brodie verraten.

Muriel Spark, geboren 1918 in Edinburgh, Autorin von Romanen, Theaterstücken, Kinderbüchern und Gedichten. Zahlreiche ihrer Bücher wurden verfilmt. 1986 wurde sie zum Commandeur des Arts et des Lettres ernannt, 1993 zur Dame Commander of the British Empire; 1999 erhielt sie den Ehrendoktortitel für Literatur der Oxford University. Die Blütezeit der Miss Jean Brodie

Textauszug

{5} 1

W ährend die Jungen mit den Mädchen von der Marcia-Blaine-Schule sprachen, blieben sie hinter ihren Fahrrädern stehen und behielten die Hände am Lenker, so dass die Räder einen Schutzzaun zwischen den Geschlechtern bildeten und der Eindruck entstand, sie würden im nächsten Augenblick davonfahren.

Die Mädchen konnten ihre Panamahüte nicht abnehmen, weil die Schule nicht weit weg war und Barhäuptigkeit als Verstoß gegen die Schulordnung galt. Von der vierten Klasse aufwärts wurden gewisse Abweichungen manchmal toleriert, solange niemand den Hut schräg aufsetzte. Doch es gab andere feine Abstufungen der allgemeinen Regel, nach der die Krempe hinten hoch und vorne heruntergebogen sein musste. Die fünf Mädchen, die wegen der Jungen dicht beieinanderstanden, trugen ihre Hüte jedenfalls auf eindeutig unterschiedliche Art.

Diese Mädchen waren die "Brodie-Clique". So {6} hatten sie schon geheißen, bevor die Direktorin sie voller Verachtung so nannte, als sie mit zwölf Jahren von der Junior School in die Senior School wechselten. Schon damals waren sie ohne weiteres als Miss Brodies Schülerinnen zu erkennen gewesen, da sie umfassend über zahlreiche Themen Bescheid wussten, die laut der Direktorin nicht zum amtlichen Lehrplan gehörten und für die Schule als solche nutzlos waren. Es wurde entdeckt, dass die Schülerinnen von den Buchmaniten gehört hatten und von Mussolini, von den italienischen Renaissancemalern, vom überlegenen Nutzen hautfreundlicher Waschcreme und Hamamelis im Vergleich zu biederer Seife und Wasser und von dem Wort "Menarche", sie hatten das Londoner Haus des Autors von Winnie the Pooh samt Einrichtung geschildert bekommen sowie das Liebesleben von Charlotte Brontë und das von Miss Brodie. Sie wussten von der Existenz Einsteins und kannten die Argumente derer, die die biblischen Geschichten für erfunden hielten. Sie beherrschten die Grundlagen der Astrologie, wussten aber nicht, wann die Schlacht von Flodden gewesen war und wie die Hauptstadt von Finnland hieß. Bis auf ein Mädchen rechnete die ganze Brodie-Clique mit Hilfe der Finger, so wie es ihnen Miss Brodie vorgemacht hatte, und kam dabei zu mehr oder weniger genauen Ergebnissen.

{7} Auch als sie mit sechzehn in die vierte Klasse kamen, nach dem Unterricht vor dem Schultor herumstanden und sich dem herrschenden System angepasst hatten, blieben sie typische Brodie-Schülerinnen, die man überall an der Schule kannte, das heißt, man begegnete ihnen mit Argwohn und ohne besondere Zuneigung. Sie besaßen keinen Teamgeist und hatten außer der anhaltenden Freundschaft mit Jean Brodie sehr wenig gemeinsam. Miss Brodie unterrichtete immer noch in der Junior School. Ihr begegnete man mit besonders großem Argwohn.

Die Marcia-Blaine-Mädchenschule war eine Tagesschule, die Mitte des 19 . Jahrhunderts unter anderem von der wohlhabenden Witwe eines Edinburgher Buchbinders gestiftet worden war. Bis an ihr Lebensende hatte sie Garibaldi bewundert. Am Gründungstag wurde ihrem martialischen Porträt in der großen Halle immer mit einem Strauß strapazierfähiger Blumen gehuldigt, Chrysanthemen oder Dahlien. Die Vase stand unter dem Porträt auf einem Pult neben einer aufgeschlagenen Bibel, in der die folgenden Zeilen rot unterstrichen waren: "O, wo find ich ein tugendsames Weib, das ist viel edler denn die köstlichsten Perlen."

Die Mädchen, die Schulter an Schulter unter dem Baum standen, eng beieinander wegen der Jungen, {8} waren alle für irgendetwas berühmt. Monica Douglas war jetzt, mit sechzehn, Aufsichtsschülerin, berühmt vor allem für ihre Fähigkeit zum Kopfrechnen und ihre Wutanfälle, bei denen sie, wenn sie heftig genug waren, nach links und rechts Ohrfeigen verteilte. Sie hatte im Winter wie im Sommer eine hochrote Nase, lange dunkle Zöpfe und dicke Säulenbeine. Seit sie sechzehn geworden war, tr

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