Wir verwenden Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzererfahrung auf unserer Website zu bieten und erlauben das Setzen von Drittanbieter-Cookies. Durch die Nutzung unserer Website stimmen Sie zu, dass Cookies auf Ihrem Gerät gespeichert werden. Weitere Informationen zu den verwendeten Cookies und zu ihrer Deaktivierung finden Sie hier.
Cover Die romantische junge Dame

Die romantische junge Dame

und andere Erzählungen

von William Somerset Maugham; Übersetzt von: Wulf Teichmann

Erschienen 2018 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
368 Seiten
ISBN 978-3-257-60939-4

Kurztext / Annotation

Pilar, die Tochter der Herzogin de Dos Palos, hatte viele Verehrer. Doch Die romantische junge Dame

Textauszug

{14} Masterson

A ls ich Colombo verließ, hatte ich nicht die Absicht, nach Kengtung zu fahren, aber auf dem Schiff traf ich einen Mann, der mir erzählte, er habe fünf Jahre dort gelebt. Er sagte, es gebe dort einen bedeutenden Markt, der alle fünf Tage abgehalten werde und zu dem Eingeborene aus einem halben Dutzend Ländern und einem halben Hundert Stämmen kämen. Es gebe großartige, geheimnisumwobene Pagoden und eine Einsamkeit, die den suchenden Geist von seiner Furcht befreie. Er sagte, er wolle lieber dort als irgendwo anders auf der Welt leben. Ich fragte ihn, was diese Stadt ihm gegeben habe, und er antwortete: Zufriedenheit. Er war ein großer, dunkler Mann, und seine Gesten waren zurückhaltend wie die von Menschen, die lange allein an abgelegenen Orten gelebt haben. Solche Männer werden in Gesellschaft anderer ein wenig ruhelos, und obwohl sie im Rauchsalon eines Schiffes oder in der Bar eines Klubs redselig und gesellig sein können, wie alle anderen ihre Geschichten erzählen, Späße machen und sich manchmal freuen, von ihren ungewöhnlichen Erfahrungen erzählen zu können, scheinen sie immer etwas für sich zu behalten. In ihrem Inneren haben sie ein Leben, das sie vor anderen verborgen halten, und in ihren Augen liegt ein Blick, der nach innen gerichtet scheint und einem klarmacht, daß ihr verborgenes Leben das einzig Bedeutungsvolle für sie ist. Und ab und zu {15} verraten ihre Augen den Überdruß an der Gesellschaft, in die der Zufall oder die Angst, anders zu wirken, sie für einen Moment gezwungen hat. Sie scheinen sich dann nach der öden Einsamkeit eines geliebten Ortes zu sehnen, an dem sie mit der Wirklichkeit, die sie dort gefunden haben, wieder alleine sein können.

Ebenso wie die Art dieser Zufallsbekanntschaft bewog mich das, was er mir erzählte, die Reise durch die Schan-Staaten zu machen, zu der ich nun aufbrach. Vom Anfang der Eisenbahnstrecke in Oberburma bis zu deren Ende in Siam, von wo ich nach Bangkok hinuntergelangen konnte, waren es sechs- bis siebenhundert Meilen. Freundliche Leute hatten alles nur mögliche getan, um mir den Ausflug bequem zu machen, und der Resident in Taungine hatte mir telegraf iert, daß bei meiner Ankunft Maultiere und Pferde bereitstehen würden. In Rangun hatte ich die Sachen gekauft, die mir nötig schienen, Klappstühle und einen Tisch, einen Trinkwasserfilter, Lampen und was weiß ich noch alles. Ich fuhr mit dem Zug von Mandalay nach Thaza, um dort einen Wagen nach Taungine zu mieten, und ein Mann, den ich im Klub in Mandalay getroffen hatte und der in Thaza lebte, lud mich ein, vor meiner Abreise mit ihm einen Brunch (die herrliche burmesische Mahlzeit, die Breakfast und Lunch gleichzeitig ist) einzunehmen. Er hieß Masterson. Er war ein Mann in den frühen Dreißigern, mit freundlichem Gesicht, dunklem, angegrautem, lockigem Haar und schönen dunklen Augen. Er sprach mit einzigartig melodiöser Stimme, sehr langsam, und das ließ einen, ich weiß kaum, warum, Vertrauen zu ihm haben. Man fühlte, daß ein Mann, der sich so viel Zeit nahm, um das zu sagen, was er sagen {16} wollte, und erfahren hatte, daß die Leute sich Zeit genug nahmen, ihm zuzuhören, Qualitäten haben mußte, die ihn seinen Mitmenschen sympathisch machten. Er war überzeugt, daß die Menschheit liebenswert sei, und ich nehme an, das gelang ihm nur, weil er selbst liebenswert war. Er hatte einen feinen Sinn für Humor, natürlich ohne Hieb und Parade, aber mit angenehmem Sarkasmus; deshalb angenehm, weil er auf die Wechselfälle des Lebens mit gesundem Menschenverstand reagierte und ihnen so einen leicht lächerlichen Aspekt abgewann. Sein Geschäft führte ihn fast das ganze Jahr über kreuz und quer durch Burma, und auf seinen Reisen war er Sammler geworden. Er erzählte mir, daß er alles Ersparte für burmesische Antiquitäten ausgebe, und in diesem Zusammenhang lud er mich zum Essen ein, um sie mir zu zeigen.

Der Zug kam früh am

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Drucken

Kundenbewertungen

9,99 €
(inkl. MwSt.)
EPUB sofort downloaden
Downloads sind nur in Österreich möglich!