Wir verwenden Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzererfahrung auf unserer Website zu bieten und erlauben das Setzen von Drittanbieter-Cookies. Durch die Nutzung unserer Website stimmen Sie zu, dass Cookies auf Ihrem Gerät gespeichert werden. Weitere Informationen zu den verwendeten Cookies und zu ihrer Deaktivierung finden Sie hier.
Cover Das wilde Herz

Das wilde Herz

von Andrea De Carlo; Übersetzt von: Petra Kaiser; Maja Pflug

Erschienen 2019 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
464 Seiten
ISBN 978-3-257-60943-1

Kurztext / Annotation

Mara liebt ihr altes Haus in Ligurien. Im Sommer arbeitet sie dort an ihren Skulpturen, die international hoch gehandelt werden. Ihr Mann hingegen, ein Anthropologe, mag weder Haus noch Dorf und zieht sich in die Welt der Wissenschaft zurück. Als das Dach einstürzt und ein mysteriöser Typ aus dem Dorf anbietet, es zu reparieren, kann Mara nicht nein sagen, obwohl sie damit ihre Ehe aufs Spiel setzt.

Andrea De Carlo, geboren 1952 in Mailand, lebte nach einem Literaturstudium längere Zeit in den USA und in Australien. Er war Fotograf, Maler und Rockmusiker, bevor ihm 1981 mit seinem ersten Roman, Creamtrain Zwei von zwei

Textauszug

Eins

A ls Craig Nolan im Januar 2015 am Schreibtisch seines Arbeitszimmers in der Little St Mary's Lane in Cambridge an seine erste Ankunft mit Mara in Canciale zurückdenkt, während die Stereoanlange leise Jumping At Shadows von Peter Green spielt und vor den Fenstern am schon beinah dunklen Nachmittag der Regen fällt, schwankt er bei der Erinnerung ständig zwischen Sehnsucht, Fassungslosigkeit und Verärgerung.

Die zu beantwortende Frage ist immer die gleiche: War es unvermeidlich, dass es so weit kommen musste? Hätte er den Lauf der Ereignisse, die zur jetzigen Situation geführt haben, aufhalten oder zumindest in eine weniger katastrophale Richtung lenken können? Ja, bestimmt, und nein, bestimmt nicht, wie bei allem, was geschieht. Genau genommen hätte er dann gar nicht erst in den alten blauen Bus steigen dürfen, der unverdrossen die kurvige Straße in die immer steiler werdenden Berge hinaufächzte, viel weiter von der Küste weg, als er sich vorgestellt hatte. Er hätte auf seine innere Stimme hören können, die ihm riet, eine vorübergehende sinnliche Anziehung nicht mit einer langfristigen emotionalen und praktischen Verbindung zu verwechseln. Es hätte genügt, eine plötzlich unvermeidliche Arbeitsverpflichtung vorzuschützen, einen Notfall an der Universität, irgendeinen fachlichen Grund, weshalb seine Anwesenheit in der Mongolei oder auf den Salomon-Inseln dringend geboten war. Oder er hätte mit brutaler Offenheit erklären können, dass er sich für eine dauerhafte Beziehung nicht bereit fühle, auch nicht mit einer so interessanten Frau wie ihr; oder darauf pochen, dass seine Tätigkeit und sein unkonventionelles Denken nicht mit einem Lebensstil nach den Standards der sogenannten Reife vereinbar seien. Zumal Mara selbst so stolz war auf ihre Unabhängigkeit, so agil und ruhelos: Alles, was sie zum Zeitpunkt ihrer Begegnung begehrte und praktizierte, war das Gegenteil von Langeweile und Wiederholung. Sie war die freieste, selbständigste Frau, die er je kennengelernt hatte, eine begabte junge Bildhauerin, die gerade mühsam eine lange, schwierige Beziehung zu einem bipolaren Geigenbauer beendet hatte und nicht im Entferntesten daran dachte, von einem Mann Beteuerungen oder Garantien für die Zukunft zu verlangen! Und ihre Beziehung stand ja noch ganz am Anfang, war noch ganz ohne gemeinsame Gewohnheiten, gemeinsame Ausdrucksweisen, Pläne oder andere stabilisierende Elemente. Warum war er bloß in diesen Bus gestiegen, wenn er die möglichen Folgen der kaum einstündigen Fahrt doch schon geahnt hatte? Warum konnte er sich der gegenseitigen Faszination, dem Bröckeln des Widerstands, dem gefährlichen Sich-Aussetzen und dem Leichtsinn, der sicheren Schaden anrichtet, nicht entziehen? Einfach weil ihm schien, im Namen seiner Unabhängigkeit auf die momentane Aufregung zu verzichten sei eine Geste unerträglicher Feigheit, die er hinterher für immer bedauert hätte; es war ihm nicht gelungen, sich uninteressiert, antriebslos und gefühlsgeizig zu geben. Letztlich war das ein vorgezeichneter Weg: zu ahnen, wohin er ihn führen würde, hatte ihn nicht daran gehindert, ihm Schritt für Schritt zu folgen.

Als sie endlich in Canciale ankamen, ihre Rucksäcke abstellten und sich umsahen, sprach sein Selbsterhaltungstrieb immer noch eine unmissverständliche Sprache. Außer der Übelkeit wegen des vierzigminütigen Gerüttels und der Enttäuschung, die proportional zur Entfernung zum Meer gewachsen war, packte ihn, wenn auch nur nach und nach, das untrügliche Gefühl, dass er dabei war, einen großen, nicht wiedergutzumachenden Fehler zu begehen. Doch verschwand dieses Unbehagen schlagartig, sobald Mara ihn mit dem gleichen Lächeln ansah wie vier Tage zuvor in Mailand, als sie ihm, während er durch die Stadt spaziert war, weil er auf einen Interviewtermin wartete, auf der Piazza Cordusio zufällig begegnet war. Diese Italienerin mit dem Lockenkopf, den kastanienbraun

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Drucken

Kundenbewertungen

13,99 €
(inkl. MwSt.)
EPUB sofort downloaden
Downloads sind nur in Österreich möglich!