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Cover Irgendwann wird es gut

Irgendwann wird es gut

von Joey Goebel; Übersetzt von: Hans M. Herzog

Erschienen 2019 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
320 Seiten
ISBN 978-3-257-60946-2

Kurztext / Annotation

Ein junger Mann wartet mit zwei Drinks auf seine Angebetete. Sie kommt pünktlich - im Fernsehen. Ein zwölfjähriges Mädchen will nicht zu schnell erwachsen werden. Und ein Messie findet ins Leben zurück dank einer hübschen Frau, die womöglich noch trauriger ist als er selbst. Ein paar ganz normale Menschen, deren Leben nicht das ist, was sie sich erträumt haben. Die dennoch um ihr winziges Stück vom Glück kämpfen und lieber heute als morgen aus der Kleinstadt in Kentucky wegwollen. Sie holen sich blutige Nasen und geben trotzdem nicht auf. Denn sie wissen: Irgendwann wird es gut.

Joey Goebel, 1980 in Henderson, Kentucky, geboren, ist Schriftsteller, Drehbuchautor, Musiker - ein weltweit gefeiertes Multitalent. Seine Romane Vincent Freaks Heartland

Textauszug

{9} 1 Unsere Olivia

W ie bei seinem heiligen Ritual üblich, bereitete Anthony Dent kurz vor sechs Uhr abends einen Bourbon mit Wasser für sich und die Frau vor, die er liebte, der er aber noch nie begegnet war. Diese Woche war es ein Early Times Kentucky Whisky. Er stellte ihr Glas neben den Fernseher und nahm dann seinen Stammplatz auf dem braunen Sofa ein, das er im Secondhand-Laden der Heilsarmee gekauft hatte. Wenig später war sie da, verteilte ihre Schönheit über sein düsteres und schäbiges Apartment mit den kahlen Wänden und den Kaffeeflecken auf dem Teppich. Sie trug das weiße Kostüm, das ihm so gefiel.

Olivia Abbott war umwerfend. Das fand ganz Moberly. Ihr schulterlanges brünettes Haar trug sie als zahme Variante des damals noch beliebten Rachel-Cut. Und ihr Mund, so schelmisch und doch lieb, so patent - Anthony fiel das treffende Wort für ihren Mund ein: geheimnisvoll. Doch gewöhnlich konzentrierte sich Anthony darauf, ihr direkt in die großen braunen Augen zu schauen.

Er drückte auf die Stummtaste seiner Fernbedienung. "O Olivia, du siehst heute Abend engelsgleich aus. Es ist wirklich schön, dich zu sehen. Ich hatte mal wieder einen miesen Tag. Ich erzähl dir alles darüber, doch vorher -", Anthony hob sein Glas: "Auf ein Neues!" Er nippte an {10} seinem Whisky. "Hoffentlich weißt du noch, dass wir uns heute Abend endlich persönlich kennenlernen. Keine Bange, ich habe alles gründlich bedacht. Ich werde nach dir Ausschau halten - meine Güte, was willst du denn hier?"

Jetzt war ihr Moderatorenkollege auf dem Bildschirm zu sehen. "Dir glaub ich kein einziges Wort", sagte Anthony kühl. "Vermutlich hast du nicht mal eine Seele." Anthony trank noch einen Schluck. "Wahrscheinlich betrügst du deine Frau."

Bald erschien Olivia wieder auf dem Schirm. "Ich habe für heute Abend alles vorbereitet. Überlass einfach alles mir. Übrigens läuft es auf der Arbeit immer noch nicht rund. Der Job an sich ist in Ordnung, aber wenn wir nichts zu tun haben und einfach nur rumstehen - dann wird's echt schwierig. Ich weiß nie, was ich zu meinen Kollegen sagen soll. Anscheinend fällt ihnen problemlos irgendwas ein, das sie sagen können. Es macht ihnen gar keine Mühe. Klar gibt es da meine Beeinträchtigung, aber mir fehlen ja sogar die Themen. Doch wenigstens habe ich in dieser Hinsicht mit dir keine Probleme."

Olivia verschwand erneut, und statt ihrer stand ein Reporter neben einem Highway und redete über die letzte Runde von Brückenreparaturen. Es war die Brücke, von der die Bewohner Moberlys gerne sprangen, wenn sie sich umbringen wollten. Anscheinend war sie permanent baufällig und verrostete alle paar Jahre. Anthony schaute auf einen Zettel, wo er Themen für das abendliche Gespräch notiert hatte. Während er überlegte, was er als Nächstes sagen sollte, zwirbelte er eine seiner schlaffen schwarzen Locken zwischen den Fingern, eine Angewohnheit von ihm. Er hatte {11} auch die Angewohnheit, ohne Vorwarnung beide Hände möglichst fest zu Fäusten zu ballen, bis die Finger schmerzten.

Schließlich kehrte der Moderator auf den Schirm zurück. Anthony zeigte ihm den Stinkefinger und sagte ihm, falls er je Kinder bekäme, würde er einen miesen Vater abgeben, und falls er schon Kinder hätte, säßen sie bestimmt nicht gern mit ihm zusammen im Auto.

Olivia kam zurück. "Das ist jetzt wirklich peinlich. Als ich heute Morgen zur Arbeit kam, probierte ich es zur Begrüßung mit der Variante eines dieser hippen Handschläge, die sie alle so cool finden, doch ich bekam das nicht hin und streichelte schließlich die Hand meines Arbeitskollegen. Er sah mich an, als wäre ich der größte Volltrottel überhaupt."

Als ein Einspieler über jemanden kam, der ein Haus voller Hunde vernachlässigt hatte (in Moberly wurden ständig von irgendwem Häuser voller Hunde vernachlässigt), warf Anthony n

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