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Cover Einfach Mensch sein

Einfach Mensch sein

Von Tieren lernen

von Sy Montgomery; Übersetzt von: Heide Sommer; Illustriert von: Rebecca Green

Erschienen 2019 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
208 Seiten
ISBN 978-3-257-60953-0

Kurztext / Annotation

Emu, Schwein, Baumkänguru, Spinne, Hund und Hermelin: Sie alle haben die Naturforscherin und Bestsellerautorin Sy Montgomery mehr über das Leben gelehrt als mancher Artgenosse. Leidenschaft für die Natur hat ihr Herz groß gemacht und ihr Leben reich. Dieses Buch ist eine wahre Schatztruhe von ebenso atemberaubenden wie beglückenden Begegnungen. Sy Montgomery entführt den Leser auf eine Abenteuerreise in weite Ferne. Sie öffnet uns die Augen für die Geheimnisse des Lebens.

Sy Montgomery, geboren 1958 in Frankfurt am Main, ist die Autorin des Bestsellers Rendezvous mit einem Oktopus

Textauszug

Erstes Kapitel Molly

I mmer wenn ich nicht in der Schule war, war ich mit unserer Scotchterrier-Hündin Molly zusammen. Wir schoben Wache auf dem weitläufigen, kurzrasierten Rasen hinter dem Haus meines Vaters, des Generals, auf der Militärbasis Fort Hamilton im Südosten von New York, in Brooklyn. Oder vielmehr: Molly bewachte das Haus, und ich bewachte Molly.

Leider gab es auf dem gründlich in Schuss gehaltenen Militärstützpunkt für einen Scottie, der schließlich für die Fuchs- und Dachsjagd gezüchtet wurde, kaum Beute. Jeder Zentimeter Rasen war wie mit der Nagelschere geschnitten, Eindringlinge wurden nicht geduldet. Da unser Hund dennoch das eine oder andere Eichhörnchen witterte, wir aber keinen Zaun ziehen durften (das Haus gehörte der Army), war Molly an einen dicken, tief in den Boden gerammten Pfahl gekettet. Ich sah ihr zu, wie sie mit ihrer feuchten, schwarzen Nase schnuppernd und mit aufgestellten, sich ständig drehenden Ohren die Gegend abscannte. Genau wie ich sehnte sie sich nach den Geräuschen und Gerüchen der Tiere in weiter Ferne.

Bis sie eines Tages plötzlich losschoss wie eine abgefeuerte fellbesetzte Kanonenkugel.

Sie zog den einen halben Meter langen Pfahl mitsamt der Kette hinter sich her, knurrte außer sich vor Wut und durchbrach die Eibenhecke hinter dem Backsteinbungalow. Ich konnte gerade noch sehen, was sie da jagte: ein Kaninchen!

Auch ich war außer Rand und Band. Nie zuvor hatte ich ein Wildkaninchen gesehen. Niemand hatte jemals von einem Wildkaninchen auf Fort Hamilton gehört! Ich musste es mir aus der Nähe betrachten. Doch Molly hatte das Kaninchen quer durch den Garten vor das Haus gejagt, und meine kleinen Zweitklässler-Füße, die in steifen Lacklederschuhen steckten, trugen mich nicht halb so schnell wie Molly ihre vier voll ausgewachsenen, krallenbewehrten Pfoten.

Das tiefe Knurren eines Scotchterriers klingt zu bedrohlich, als dass man es ignorieren könnte. Unverzüglich kam meine Mutter mit einem der Soldaten, die ihr zur Hand gingen, aus dem Haus gelaufen. Ein Wald von Beinen rannte in wildem Durcheinander hinter unserer wütenden Terrierhündin her. Natürlich schafften die Erwachsenen es nicht, Molly einzufangen. Sie hatte sich mittlerweile von Kette und Pfahl befreit. Sie war von der Leine. Ob sie nun das Kaninchen fangen würde oder nicht, sie würde so schnell nicht zurückkommen, vielleicht nicht einmal vor Einbruch der Dunkelheit. Erst wenn ihr danach war, würde sie wieder vor der Tür stehen und mit einem kurzen Kläffen Einlass begehren. Nur zu gerne wäre ich hinter ihr hergerannt, doch nicht um sie aufzuhalten. Ich wollte mit ihr davonlaufen. Ich wollte das Kaninchen noch einmal sehen. Ich wollte erkunden, wie es nachts in der freien Natur roch. Ich wollte andere Hunde treffen, mit ihnen ringen und sie jagen, meine Nase in Erdlöcher stecken und erschnuppern, wer darin lebte. Ich wollte die Schätze entdecken, die im Erdreich verborgen waren.

Viele kleine Mädchen vergöttern ihre älteren Schwestern. Mir ging es nicht anders. Nur dass meine ältere Schwester eine Hündin war. Hilflos stand ich da, in dem Rüschenkleidchen und den Spitzensöckchen, in die meine Mutter mich gesteckt hatte. Ich wollte sein wie Molly: wild. Unerschrocken. Nicht zu halten.

Ich sei, so sagte meine Mutter, nie ein "normales" Kind gewesen.

Immer wieder erzählte sie von jenem Tag, an dem mein Vater und sie mich zum ersten Mal in den Zoo mitnahmen. Ich hatte gerade laufen gelernt, riss mich von ihrer Hand los, und schon war ich im Gehege der größten und gefährlichsten Tiere von allen. Die Nilpferde, diese 1500 Kilogramm schweren Brocken, hätten mich nur gutmütig angestarrt statt zuzuschnappen. Sie sind auch nicht auf mir herumgetrampelt, und irgendwie schafften es meine Eltern, mich unversehrt wieder aus dem Gehege herauszubekommen. Meine Mutter hat sich von diesem Vorfall

Beschreibung für Leser

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