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Cover Der große Schlaf

Der große Schlaf

von Raymond Chandler; Übersetzt von: Frank Heibert

Erschienen 2019 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
304 Seiten
ISBN 978-3-257-60974-5

Kurztext / Annotation

General Sternwood ist steinalt, steinreich und hat zwei schöne, wilde Töchter. Die aufreizende Carmen wird erpresst, und Privatdetektiv Philip Marlowe soll die Sache aus der Welt schaffen. Der erste Großstadtdetektiv überhaupt findet sich wieder zwischen Banditen und Blondinen. Alle haben ihre Waffen: Kurven, Kugeln - und Marlowe seine Cleverness. Achtzig Jahre nach Erscheinen originalgetreu übersetzt in einer modernen Sprache, mit Dialogen wie Schusswechsel.

Raymond Chandler, geboren 1888 in Chicago, wuchs in England auf. Er arbeitete zwei Jahre im britischen Marineministerium, war dann freier Journalist, Buchhalter in einer Molkerei, Soldat im Ersten Weltkrieg und schließlich Direktor einer kalifornischen Ölgesellschaft. 1932 wurde er entlassen und begann ernsthaft zu schreiben. Mit seinen Romanen um den Privatdetektiv Philip Marlowe in Los Angeles wurde Chandler zum Klassiker der Kriminalliteratur. Er starb 1959 in La Jolla, Kalifornien.

Textauszug

2

W ir traten durch die Terrassentür auf einen gepflegten, rotgeklinkerten Weg, der abseits der Garage die Rasenfläche umrundete. Jetzt hatte der jungenhafte Chauffeur eine große Limousine in Schwarz und Chrom draußen und polierte die. Der Weg führte zum Treibhaus, wo der Butler mir eine Seitentür aufhielt. In dem Windfang dahinter war es so warm wie in einem Ofen bei niedriger Hitze. Der Butler folgte mir, schloss die Tür, öffnete eine zweite. Drinnen war es richtig heiß. Die Luft war dumpf, feucht, dunstig und vom süßlichen Geruch tropischer Orchideen geschwängert. Wände und Dach des Treibhauses waren stark beschlagen, dicke Kondenstropfen platschten auf die Pflanzen. Das Licht war unwirklich grün, wie in einem Aquarium. Ein Dickicht aus scheußlichen fleischigen Blättern und Stengeln wie frisch gewaschene Leichenfinger überwucherte den Raum. Sie rochen so überwältigend, als würde man unter einer Pferdedecke Schnaps brennen.

Der Butler tat, was er konnte, damit ich durchkam, ohne von den triefenden Blättern geohrfeigt zu werden, und nach einer Weile erreichten wir eine Lichtung mitten im Dschungel, unter der Glaskuppel. Auf einem gefliesten Sechseck lag ein alter roter Orientteppich, darauf stand ein Rollstuhl, und aus dem Rollstuhl sah uns ein alter, offenkundig sterbenskranker Mann entgegen: Das Feuer der Augen war vor langem erloschen, und doch hatten sie noch immer den kohlschwarzen, direkten Blick wie auf dem Gemälde in der Halle. Ansonsten war sein Gesicht eine bleierne Maske, mit den blutleeren Lippen, der spitzen Nase, den eingesunkenen Schläfen und den nach außen gekrümmten Ohrläppchen des nahenden Verfalls. Sein langer hagerer Körper war - bei dieser Hitze - in einen ausgeblichenen roten Bademantel und ein Plaid gehüllt. Die dünnen Klauenhände mit ihren violetten Nägeln ruhten locker gefaltet auf der Decke. Auf seinem Schädel klebten ein paar trockene weiße Haarsträhnen, als kämpften Wildblumen auf einem kahlen Felsen ums Überleben.

Der Butler stellte sich vor ihn und sagte: "General Sternwood, Mr. Marlowe ist da."

Der alte Mann rührte sich nicht, kein Wort, nicht mal ein Nicken. Er blickte mich nur leblos an. Der Butler schob mir einen feuchten Weidenstuhl in die Kniekehlen, und ich setzte mich. Beherzt griff er nach meinem Hut.

Der alte Mann holte seine Stimme aus einem tiefen Brunnen. "Brandy, Norris. Wie trinken Sie Ihren Brandy, Sir?"

"Wie er kommt", sagte ich.

Der Butler verschwand zwischen den abscheulichen Pflanzen. General Sternwood sagte wieder etwas, langsam, sorgsam mit seinen Kräften haushaltend wie ein arbeitsloses Showgirl mit seinen letzten guten Nylons.

"Früher nahm ich meinen mit Champagner. Den Champagner so kalt wie der Eisberg der Titanic, mit einem Drittel Brandy drunter. Legen Sie ruhig ab, Sir. Es ist zu heiß hier drin für einen Mann mit Blut in den Adern."

Ich stand auf, streifte das Jackett ab, zog ein Taschentuch heraus und wischte mir über Gesicht, Nacken und Handgelenke. St. Louis im August war nichts dagegen. Ich setzte mich wieder, tastete reflexhaft nach einer Zigarette und hielt inne. Der alte Mann bemerkte es und lächelte schwach.

"Rauchen Sie ruhig, Sir. Ich mag den Geruch von Tabak."

Ich zündete die Zigarette an und blies ihm eine Lunge voll zu. Er schnüffelte wie ein Terrier an einem Rattenloch. Das schwache Lächeln zerrte an seinen verschatteten Mundwinkeln.

"Schöner Zustand, wenn man seinen Lastern nur noch stellvertretend nachgehen kann", sagte er trocken. "Sie haben die mickrigen Reste eines ziemlich wilden Lebens vor sich, einen an beiden Beinen gelähmten Krüppel mit halbem Unterleib. Ich kann nur sehr wenig essen, mein Schlaf hat seinen Namen kaum verdient, so ähnlich ist er dem Wachsein. Ich überlebe nur noch in der Hitze, wie eine frisch geschlüpfte Spinne, so siehts aus, die Orchideen sind re

Beschreibung für Leser

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