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Cover Träume am Ufer des Meeres

Träume am Ufer des Meeres

Roman

von Björn Larsson; Übersetzt von: Jörg Scherzer; Knut Krüger

Erschienen 2018 bei Unionsverlag
Sprache: Deutsch
320 Seiten
ISBN 978-3-293-30997-5

Kurztext / Annotation

Mit einem kleinen Küstenfrachter fährt der geheimnisvolle Kapitän Marcel um die Welt. Rastlos zieht er umher, ohne jemals wirklich irgendwo anzukommen. In vier Häfen begegnet er vier Menschen, deren Leben er für immer verändert. Er schenkt ihnen Hoffnung - und verschwindet dann spurlos. Ohne voneinander zu wissen, versuchen die Zurückgelassenen, ihn aufzuspüren. Schon bald wird die Suche nach Marcel zur Suche nach sich selbst und zur größten Herausforderung, der sie sich jemals stellen mussten.

Björn Larsson, 1953 in Schweden geboren, ist Professor für Französisch, seine Leidenschaft ist aber das Segeln, das er mit der Schriftstellerei verbindet. Im Sommer lebt er auf einem Segelboot in Dänemark. Björn Larsson wurde u. a. 2004 mit dem schwedischen Literaturpreis Östrabopriset ausgezeichnet.

Textauszug

2

E s gab Wintertage in Villagarcía de Arousa, da brüllte das Meer all seinen Zorn aus sich heraus und schien sich an den Menschen rächen zu wollen, weil sie es für ihre eigenen Zwecke ausbeuteten. Tage, an denen der Südwestwind zwischen den Häusern heulte und tobte und die kurzen, steilen Wogen draußen auf dem Ría einen irrsinnigen Kampf darüber austrugen, welche von ihnen sich als erste auf den Strand stürzen durfte. Tage, an denen man das ohrenbetäubende Grollen der gewaltigen Dünung zu hören glaubte, die unablässig auf die Felsenhänge weiter im Westen hämmerte.

An solchen Tagen wurde Rosa Moreno von Furcht überwältigt. Sie stand hinter einer Häuserecke, ein Platz, von dem aus sie auf das weiß schäumende Wasser blickte, und fragte sich, ob sie in ihrem Leben noch jemals fortgehen würde. Ob sie also überhaupt jemals zu leben wagen würde.

Solange sie denken konnte, hatte sie diese brennende Sehnsucht in sich gespürt. Was konnte sie? Außer vier Semestern Jura hatte sie nicht viel vorzuweisen. In dem Café, in dem sie arbeitete, behaupteten manche, sie habe Ähnlichkeit mit Ingrid Bergman, sie, Rosa Moreno, habe das Lächeln der Bergman.

Möglich war es. Sie war mit dem Zug nach Vigo gefahren, um sich einen Film mit Ingrid Bergman anzusehen, aber sie war nicht Ingrid Bergman und würde es niemals sein. Vielleicht hatte sie ihr Lächeln, aber das war alles. Sie war nicht dumm, aber wen interessierte das? Was allein zählte, war, dass man die Beste war, und sie wusste mit absoluter Sicherheit: Das war sie nicht. Sie war beliebt bei den Gästen des Cafés, das schon, und vielleicht würden sie sie sogar eine Zeit lang vermissen, wenn sie kündigte. Doch sie würden ihretwegen nicht in ein anderes Café gehen, und was nützte es ihr, wenn man sie eine Zeit lang vermisste? Die Schmerzen, die sie im Körper und in ihrer Seele empfand, konnte es nicht lindern.

Wenn sie sich selbst für den Rest ihres Lebens im selben Lokal stehen, das gleiche Bier servieren, die gleichen Scherzworte rufen hören, die gleichen Scheiben jámon serrano abschneiden sah und dazu die immer gleichen Kommentare über all die Fußballspiele im Fernsehen hörte, dann war ihr, als werde alles schwarz um sie herum, als habe es gar keinen Sinn zu leben, sosehr sie sich auch bemühte.

Am schlimmsten war es an jenen Tagen, an denen eine Laune des Wetters die Fischerflotte von Villagarcía zwang, im Hafen zu bleiben, nicht nur die großen Trawler, die auf die offene See hinausfuhren, sondern auch die kleinen, flachen Boote, die nur ihre viveros absuchten, ihre Muschelbänke, die wie ein Flickenteppich im normalerweise ruhigen Wasser des Ría lagen. Dann duckten sich die Fischerboote wie erschrockene Hühner hinter dem Pier, der von weißem Schaum überspült wurde. Die Fischer lehnten wie sie selbst an den Häuserecken und taten nichts als warten.

Denn so war es einfach. Wenn im Winter der Sturm aus Südwesten kam, hörte in Galizien das Leben auf. Als hätte man die Nachrichten im Fernsehen einen Augenblick auf dem unscharfen Bild eines Bankräubers angehalten. Wer?, fragte sich Rosa Moreno. Wer trug die Verantwortung? Sie selbst, Gott, die Sterne oder irgendjemand sonst?

Sie hoffte, dass der Sturm sich bald legen werde, damit sie noch zusehen konnte, wie sich die Fischer aufs Meer hinauskämpften, ehe sie selbst ihren Dienst im Café antrat. Sie wollte sehen, wie sie die Leinen losmachten und auf den Horizont zufuhren. Mit eigenen Augen musste sie sehen, dass zumindest ein paar Menschen die Freiheit besaßen, zu kommen und zu gehen, wie sie wollten.

Sie sah auf die Uhr. Bald musste sie los. Gerade wollte sie sich umdrehen, als sie hinter der Nordspitze der Isla Arousa den Bug eines Schiffs sah. In das eingefrorene Standbild kam Leben. Die Fischer traten einen Schritt vor, um zu sehen, was für ein Schiff es war, das sich da offensich

Beschreibung für Leser

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Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Björn Larsson, geb. 1953, lehrt französische Literatur an der Universität Lund. Neben wissenschaftlichen Arbeiten veröffentlicht er Erzählungen und Romane. Der Autor lebt im Sommer auf seinem Segelboot in Dänemark.

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