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Cover Die Verlockung

Die Verlockung

Roman

von Andrea Camilleri; Übersetzt von: Karin Krieger

Erschienen 2016 bei Nagel & Kimche im Carl Hanser Verlag
Sprache: Deutsch
160 Seiten
ISBN 978-3-312-01006-6

Kurztext / Annotation

Während seine Familie Ferien macht, arbeitet der Wirtschaftsprüfer Mauro Assante in Rom an einem Bericht über eine Bank, an der mächtige Politiker beteiligt sind. Für Mauro stehen Ehre und Karriere auf dem Spiel. Eines Abends klingelt es an der Tür, und vor Mauro steht die schöne Carla. Ihr Besuch: eine Verwechslung. Kurz darauf trifft er sie erneut: ein Zufall. Zeitgleich häufen sich merkwürdige Ereignisse, die ihn von der Fertigstellung seines Berichts abhalten. Doch mit Hilfe der klugen, attraktiven Carla macht sich Mauro daran, seine Widersacher zu entlarven. Am Ende dieses spannenden Krimis ist in Italien wieder einmal ein moralisch integrer Mann der allgemeinen Habgier zum Opfer gefallen.

Andrea Camilleri, geboren 1925 in Porto Empedocle (Sizilien) ist Drehbuchautor, Theater- und Filmregisseur und Schriftsteller. Seine berühmteste Romanfigur ist der sizilianische Commissario Montalbano, den er nach dem spanischen Schriftsteller Manuel Vázquez Montalbán benannte. Auflagen seiner Romane von zwölf Millionen Exemplaren allein in Italien, Verfilmungen und Übersetzungen in über zwanzig Sprachen machten Camilleri international bekannt. Über vier Millionen seiner Bücher wurden in deutscher Übersetzung verkauft. Camilleris Werk wurde vielfach ausgezeichnet, zuletzt 2009 mit dem Premio Cesare Pavese, 2010 mit dem Premio Piero Chiara und 2011 mit dem Premio Campiello für das Lebenswerk. Andrea Camilleri lebt in Rom.

Textauszug

Eins

Mauro hat müde Augen. Er löst den Blick vom Bildschirm, es ist kurz vor halb acht, seit drei Uhr nachmittags sitzt er nun schon unentwegt am Computer, schreibt, löscht, schreibt neu, schreibt um, durchdenkt jedes Wort, jedes Adjektiv. Um nicht gestört zu werden, hat er sich einen Lärmschutz eingerichtet, er hat den Festnetzstecker gezogen und sein Handy abgeschaltet. Ja, er hat sogar die Vorhänge ein wenig zugezogen und knipst nun mit der Absicht, noch ein halbes Stündchen weiterzuarbeiten, die Tischlampe an. Den letzten Satz, den er geschrieben hat, liest er noch einmal durch. Er funktioniert nicht, zu umständlich, zu lang, es wird besser sein, zwei daraus zu machen.

Das Klingeln ist so kurz gewesen, dass Mauro sich nicht sicher ist, ob es wirklich geläutet hat. Eine Weile verharrt er mit aufgerichtetem Oberkörper und erhobenem Kopf in Erwartung eines zweiten, bestätigenden Klingelns, das jedoch ausbleibt. Als er sich anschickt weiterzulesen, ertönt das Geräusch erneut. Kurz wie das erste, als sei die Person an der Tür von dem, was sie da tut, selbst eingeschüchtert. Diesmal steht Mauro auf, verlässt sein Arbeitszimmer, geht durch den Flur, macht Licht in der Diele und öffnet die Tür. Er rechnet fest damit, die alte Baronessa aus dem oberen Stockwerk vor sich zu sehen, die gekommen ist, um ihre Einladung zum Abendessen zu erneuern. Doch die Frau, die geklingelt hat und ihn nun anlächelt, ist etwa dreißig, hochgewachsen, blond, elegant und vor allem umwerfend schön.

"Da bin ich", sagt sie. "Pünktlich auf die Minute."

Mauro ist wie vom Donner gerührt, die junge Frau ist ihm vollkommen unbekannt. Nie gesehen, da ist er sich sicher. Unmöglich, so eine Frau zu vergessen, selbst wenn man ihr nur ein einziges Mal begegnet sein sollte. Sie kann auch keine der wenigen Freundinnen seiner Frau sein, denn die kennt er alle.

"Wollen Sie mich nicht reinlassen?", fragt die Blondine, wobei sie einen kleinen Schritt nach vorn macht und ihr Lächeln verstärkt.

Mauro fällt ihr Parfüm auf. Leicht, doch einschmeichelnd.

"Das muss ein Irrtum sein", sagt er schroff, ohne seinen Blick von ihren Augen lösen zu können, zwei ungetrübte, hellblaue Seen.

Das Lächeln der Frau erlischt sofort, an seine Stelle tritt ein Ausdruck der Verblüffung. In ihrer Stimme schwingt ein alarmierter Unterton. "Haben Sie denn nicht bei der Agentur angerufen?"

"Ich habe nirgendwo angerufen."

Die Augen der jungen Frau werden argwöhnisch. "Sie haben es sich nicht zufällig anders überlegt und ..."

Was sollte er sich anders überlegt haben? "Ich weiß nicht, wovon Sie reden", sagt er gereizt.

"Dann habe ich mich geirrt, bitte entschuldigen Sie."

Entschlossen dreht sie sich um, überquert den Treppenabsatz und geht die Stufen hinunter.

Erst als sie verschwunden ist, schließt Mauro die Tür. Er kann nicht anders, als ihr versonnen nachzuschauen.

Zehn Minuten, nachdem er sich erneut an den Schreibtisch gesetzt hat, muss er sich eingestehen, dass er an diesem Nachmittag wohl kaum noch weiterarbeiten kann, der Faden der komplexen Beweisführung, den er gerade spinnt, ist durch das unverhoffte Eindringen der Unbekannten zerrissen. Es wird Zeit, sich wieder mit der Welt zu verbinden. Er schaltet die beiden Computer aus, stöpselt den Telefonstecker in die Dose und schaltet sein Handy wieder ein.

Dann habe ich mich geirrt, bitte entschuldigen Sie .

Moment mal. Was soll das heißen, sie hat sich geirrt? Oder vielmehr: Wie will sie das denn gemacht haben?

Er, Mauro Assante, wohnt mit seiner Frau Muttina und seinem Sohn Stefano im ersten Stock einer noch verbliebenen Jugendstilvilla im römischen Stadtteil Prati. Im Erdgeschoss wohnt Colonnello Germani von den Carabinieri mit seiner Frau und seiner achtzehnjährigen Tochter, im zweiten und obersten Stockwerk der achtzig Jahre alte Barone Ardigò mit seiner Frau Margherita. Das Haus hat keinen Portie

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Andrea Camilleri is an internationally bestselling author. He lives in Rome.

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