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Cover Stella

Stella

Roman

Erschienen 2019 bei Hanser
Sprache: Deutsch
224 Seiten; 210 mm x 133 mm
ISBN 978-3-446-25993-5

Besprechung

"Von Daniel Kehlmann stammt der Satz, dass ein Roman besonders gut sein müsse, wenn er den Holocaust zum Gegenstand hat. Dies sei ein literarische, aber mehr noch eine moralische Verpflichtung eines jeden Autors. Takis Würger wird diesem Anspruch in seinem neuen Roman 'Stella' gerecht. Leise, glaubwürdig und ja, auch schonungslos, aber an keiner Stelle unempathisch, effekthascherisch oder gar reißerisch erzählt der Schriftsteller und Spiegel-Reporter die Geschichte der jüdischen 'Greiferin' Stella Goldschlag, der Unfassbares angetan wurde und die dann anderen Menschen selbst Unfassbares angetan hat." Philipp Peyman Engel, Jüdische Allgemeine, 16.01.19

Kurztext / Annotation

Der neue Roman von Takis Würger: "Man beginnt dieses Buch mit Skepsis, man liest es mit Spannung und Erschrecken, man beendet es mit Bewunderung." Daniel Kehlmann

Langtext

Es ist 1942. Friedrich, ein stiller junger Mann, kommt vom Genfer See nach Berlin. In einer Kunstschule trifft er Kristin. Sie nimmt Friedrich mit in die geheimen Jazzclubs. Sie trinkt Kognak mit ihm und gibt ihm seinen ersten Kuss. Bei ihr kann er sich einbilden, der Krieg sei weit weg. Eines Morgens klopft Kristin an seine Tür, verletzt, mit Striemen im Gesicht: "Ich habe dir nicht die Wahrheit gesagt." Sie heißt Stella und ist Jüdin. Die Gestapo hat sie enttarnt und zwingt sie zu einem unmenschlichen Pakt: Wird sie, um ihre Familie zu retten, untergetauchte Juden denunzieren? Eine Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht - über die Entscheidung, sich selbst zu verraten oder seine Liebe.

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Würger, Takis
Takis Würger, geboren 1985, hat an der Henri-Nannen-Journalistenschule das Schreiben gelernt und Ideengeschichte in Cambridge studiert. Er arbeitet als Redakteur für das Nachrichtenmagazin Der Spiegel. 2017 erschien sein Debütroman Der Club, der mit dem Debütpreis der lit.Cologne ausgezeichnet wurde und für den aspekte-Literaturpreis nominiert war. Takis Würger lebt in Berlin.

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Kundenbewertungen

Absolut lesenswert 28. März 2019
Ein absolut gelungenes Buch bei dem der Autor es geschafft hat eine fesselnde fiktive Geschichte rund um eine reale Person und die echten Dokumente aufzubauen. Die Charaktere sind so beschrieben, dass es nicht nur schwarz und weiß gibt, kein Held aus der Geschichte hervorgeht und sie vor allem dazu anregt über menschliche Abgründe, unvorstellbare Situation und die daraus resultierenden Entscheidungen nachzudenken. Mich hat das Buch tief berührt und sehr nachdenklich gestimmt und nochmals aufgezeigt, dass gewisse Themen einfach nie an Relevanz verlieren.
Unfassbar! 06. März 2019
In einfacher, bildhafter Sprache beschreibt Takis Würger die Naivität des jungen Friedrich. Aufgewachsen mit seiner wohlhabenden Familie in der Schweiz will er als junger Mann, der noch nicht weiß, was er mit seinem Leben anfangen soll, erst mal den Kriegsschauplatz Berlin erleben. Dort verfällt er Stella. Friedrich verschließt die Augen vor der Realität und verbringt ein paar lustvolle Wochen in Berlin, bevor er weiterzieht. Gerade die einfache Sprache und die nur spärlich gezeichneten Figuren lassen mich sprachlos und nachdenklich zurück. Ein Buch, das betroffen macht und zum Nachdenken anregt. Ein Buch, das die Grenzen zwischen Realität und Fiktionalität verschwimmen lässt. Aber ist das wichtig? Mir war nicht bekannt, dass es Menschen wie Stella gegeben hat. Wie hätte ich gehandelt? Rettet nicht beinahe jeder erst mal die eigene Haut?
Ein geschichtlis heikles Thema wird mit einer fiktiven Liebesgeschichte vermischt - darf man das? 08. Februar 2019
Die Geschichte wird in einer Art Rückblende aus der Sicht des zeitweise unglaublich naiven Protagonisten Friedrich erzählt: aufgewachsen in der Schweiz in finanziell wohlhabenden Verhältnissen wird er von der Mutter emotional völlig vernachlässigt, eigentlich sogar misshandelt, weil er nicht in der Lage ist, ihre Träume zu erfüllen. Dieser schüchterne junge Mann hat ausgerechnet im Jahre 1942 die Idee, Berlin zu besuchen. Dort begegnet er der faszinierenden Kristin, die ihm später gesteht, eigentlich Stella zu heißen und Jüdin zu sein. Soweit wäre es eine Liebesgeschichte in einer grausamen Zeit. Aber Takis Würger hat nicht irgendeine Stella zur Protagonistin seines Romans gemacht: es ist Stella Goldschlag, die tatsächlich gelebt hat und als ?Greiferin? und Nazi-Kollaborateurin traurige Berühmtheit erlangte. Nach einer Art Einführung, die die Kindheit Friedrichs beschreibt, ist das Buch in 12 Kapitel, die den 12 Monaten des Jahres 1942 entsprechen, eingeteilt. Jedes Kapitel beginnt mit Ereignissen, die damals in der Welt bzw in Deutschland passierten ? egal ob Fußballspiele oder Goebbels Gebote, die Gründung der ?Weißen Rose? oder die Geburt von Paul McCartney. Sie bilden einen zeitgeschichtlichen Rahmen. Dann folgt die Geschichte von Friedrich und Kristin/Stella. Als Abschluss jedes Kapitels liest man Auszüge aus Gerichtsakten, die den Fall Stella Goldschlag behandeln. Es ist eine seltsame Ordnung in den Kapiteln. Takis Würgers Stil ist stark reduziert, einfach und klar. Er beschreibt ohne Pathos, fast schon emotionslos das Leben von Friedrich und Stella. Vielleicht war das der Grund, dass ich selber keineswegs so distanziert bleiben konnte. Wollte der Autor eine menschliche Seite von Stella zeigen? Eine junge Frau, die lebenshungrig und unpolitisch, nur ihren Traum, Sängerin zu sein, leben will? Kann man in Gut-Böse einteilen? Aber auch das wird relativiert, denn es ist nie wirklich klar, was Fiktion und was nun Realität ist. Dem Leser bleibt viel Raum zur Interpretation (für mich vielleicht ein wenig zu viel!). Der Autor deutet vieles nur in Nebensätzen an und auch am Schluss bleibt noch einiges offen. Diese 219 Seiten sind zwar rasch gelesen, wirken indessen lange nach und geben viel Stoff zum Nachdenken, werden ja auch aktuell kontrovers diskutiert. Aber auch wenn mich diese Geschichte ein wenig ratlos zurücklässt, so finde ich sie trotzdem lesenswert!

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