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Cover Ein anderer Takt

Ein anderer Takt

Roman

von William Melvin Kelley; Übersetzt von: Dirk van Gunsteren

Erschienen 2019 bei Hoffmann und Campe
Sprache: Deutsch
304 Seiten; 208 mm x 136 mm
ISBN 978-3-455-00626-1

Besprechung

"Hoffmann und Campe gebührt großer Dank dafür, William Melvin Kelleys "Ein anderer Takt", dieses im wahrsten Sinne des Wortes fantastische und hochaktuelle Buch, dem deutschen Markt zugänglich gemacht zu haben." Dirk von Lowtzow Süddeutsche Zeitung, 20.12.2019

Langtext

"Der vergessene Gigant der amerikanischen Literatur" The New Yorker

Die kleine Stadt Sutton im Nirgendwo der Südstaaten. An einem Nachmittag im Juni 1957 streut der schwarze Farmer Tucker Caliban Salz auf seine Felder, tötet sein Vieh, brennt sein Haus nieder und macht sich auf den Weg in Richtung Norden. Ihm folgt die gesamte schwarze Bevölkerung des Ortes. William Melvin Kelleys wiederentdecktes Meisterwerk "Ein anderer Takt" ist eines der scharfsinnigsten Zeugnisse des bis heute andauernden Kampfs der Afroamerikaner für Gleichheit und Gerechtigkeit.

Fassungslos verfolgen die weißen Bewohner den Exodus. Was bringt Caliban dazu, Sutton von einem Tag auf den anderen zu verlassen? Wer wird jetzt die Felder bestellen? Wie sollen die Weißen reagieren? Aus ihrer Perspektive beschreibt Kelley die Auswirkungen des kollektiven Auszugs. Liberale Stimmen treffen auf rassistische Traditionalisten. Es scheint eine Frage der Zeit, bis sich das toxische Gemisch aus Wut, Verzweiflung und Hilflosigkeit entlädt. Mal mit beißendem Sarkasmus, mal mit überraschendem Mitgefühl erzählt hier ein schwarzer Autor vom weißen Amerika. Ein Roman von beunruhigender Aktualität.

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Kelley, William Melvin
William Melvin Kelley wurde 1937 in New York geboren. Mit vierundzwanzig Jahren veröffentlichte er seinen bis heute gefeierten Debütroman A Different Drummer. Nach mehrjährigen Aufenthalten in Paris und auf Jamaika kehrte er mit seiner Familie 1977 nach New York zurück und unterrichtete am Sarah Lawrence College Kreatives Schreiben. Für seine Romane, Kurzgeschichten, Essays und Filme wurde Kelley vielfach ausgezeichnet. Er starb 2017 in Harlem.

van Gunsteren, Dirk
Dirk van Gunsteren, 1953 geboren, studierte Amerikanistik und lebt in München. Er übersetzte u. a. T. C. Boyle, Peter Carey, John Dos Passos, Jonathan Safran Foer, Castle Freeman, John Irving, Colum McCann, V. S. Naipaul, Thomas Pynchon, Philip Roth, Richard Stark, Oliver Sacks und George Saunders. 2007 erhielt er den Heinrich-Maria-Ledig-Rowohlt-Preis, 2018 den Übersetzerpreis der Landeshauptstadt München.

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Kundenbewertungen

Mühsame Befreiung 08. September 2019
Eine Gruppe von weissen Männern verfolgt perplex, wie die ehemaligen Sklaven ihrer Gemeinde Sutton und bald auch die der umliegenden Orte mit Koffern in den Zug steigen und das Südstaatenland verlassen. Zwar geben sich die Schwarzen nach wie vor unterwürfig, auch weil sie immer noch von oben herab behandelt werden, doch nun wollen sie nur noch selbstbestimmt leben. Die vertraute Welt scheint kopfzustehen, und niemand begreift, was da geschieht. Die grösste Sorge der Weissen lautet: Wie sollen wir jetzt ohne schwarze Arbeiter zurechtkommen? Aus der Sicht von verschiedenen Mitgliedern der Familien Leland und Willson wird teils dieser Exodus und teils die Vergangenheit kommentiert. Ausser der Erkenntnis, dass es den Schwarzen jetzt einfach reicht und sie für niemanden mehr arbeiten wollen, bleibt unklar, warum dieser radikale Exodus eigentlich stattfindet. Auch bei aufmerksamem Lesen sind die zeitlichen Abläufe für mich verworren geblieben. Der gegen Schluss geschilderte Gewaltakt erklärt zwar manches, fügt sich aber nicht so richtig in den Ablauf ein. Weitgehend bin ich im Nebel getappt. Klarheit schaffen hingegen David Willsons datierte Tagebuchaufzeichnungen ab 1931. Die Sprache ist salopp, sobald die Schwarzen zitiert werden. Anschaulich erzählt, fesselt die Geschichte den Leser bald, und die Geschichte liest sich flüssig. Lesestoff über das Thema "Schwarz sein in Amerikas Südstaaten" sollte unbedingt geschrieben und gelesen werden, und es gibt zum Glück einiges davon. Insgesamt bin ich aber eher enttäuscht, da ich von einer "literarischen Sensation" mehr erwartet habe. Tut mir leid.
Rassismus der nicht endet 01. September 2019
von begine
Der Autor William Melvin Kelly Lebte von 1937 bis 2017. Sein Roman ?Ein andere Takt? spielt um 1957. Er wird ungewöhnlich von dem dunkelhäutige Autor aus der Sicht der Weißen geschrieben. Ein Lob an der Hoffmann &Campe Verlag, das er dieses brillante Werk herausgegeben hat. Er ist ein Zeugnis der amerikanischen Minderheitenpolitik, die immer noch aktiv ist. Man erfährt, wie der Vorfahre des 1957 lebenden Tucker Calibans mit seinem Sohn als Sklave nach Sutton im Süden der USA eintrifft. Die Geschichte ist wie üblich grausam und brutal. Da wird schnell gemordet, es kommt auf ein Menschenlehnen nicht an. Als um 1962 die farbige Bevölkerung plötzlich aus dem Ort verschwinden sind die Weisen aufgebracht und suchen bis zum Ende Schuldige. Das Ende wird nicht direkt beschrieben aber doch angedeutet. Ein anderer Takt ist eine bewegendes Stück Zeitgeschichte, eine gute Literatur.
sehr aktuell und absolut lesenswert 01. September 2019
Alle schwarzen Bewohner eines Ortes verlassen ihre Häuser und Felder, die weißen Einwohner stehen vor einem Rätsel. Es scheint mit einer Geschichte eines übermenschlichen Afrikaners zusammenhängen. Ein spannendes Rätsel ist die Ausgangslage in diesem Buch - was ist der Grund für diese Geschehnisse? Der Schreibstil passt super dazu - direkt und ohne unnötigen Verschönerungen. Man kommt daher gut in die Geschichte hinein und wird mitgerissen von diesen Geschehnissen. Der Roman bietet viel Tiefgang in dieses Thema. Die Geschehnisse werden fast ausschließlich von den weißen Einwohnern geschildert. In diesem Buch schwingt viel mit - viel was auf unsere aktuellen Zeiten auch passend ist und daher hoffe ich, dass das Buch viele Leute erreichen wird, denn das Thema der Rassendiskrimierung ist leider nach wie vor aktuell.

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