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Cover Der Metzger holt den Teufel

Der Metzger holt den Teufel

Kriminalroman

Erschienen 2011 bei Piper
Sprache: Deutsch
400 Seiten
ISBN 978-3-492-95131-9

Textauszug

2

"E NTSETZLICH KLINGT DAS ALLES. "

"Die stimmen!"

"Um Gottes willen, Metzger! Wenn das stimmen soll, bist du reif für die erste Therapiesitzung. Die spielen falsch, hundertprozentig."

"Pospischill, die spielen noch gar nicht. Die stimmen ihre Instrumente!"

Stille.

Nicht nur Kommissar Eduard Pospischill hüllt sich in Schweigen, auch die Musiker warten nun auf ihren Einsatz. In manchen Fällen kann das schon ein Weilchen dauern. Da wird dann so ein plötzlicher Einstieg mitten hinein ins musikalische Geschehen, beispielsweise für eine Triangel, einen Gong oder Paukenschlag, eine ganz schön heikle Angelegenheit. Der muss perfekt sitzen.

Das sollte ein Anzug auch. Wie eine Zwangsjacke umschließt den Metzger sein einziger Zweiteiler, der Hochzeitsanzug seines Vaters, und kneift in jeder Körperfalte. Stocksteif sitzt der Restaurator neben seinem Freund in der vordersten Reihe einer Balkonloge und beobachtet den zum Bersten gefüllten Konzertsaal. Herausgeputzt und hölzern, als ginge es um die Erhebung in den Adelsstand, thronen die Besucher auf ihren Sitzplätzen. Willibald Adrian Metzger kommt sich trotzdem vor, als säße er im Warteraum zur Kontrolluntersuchung des Medizinischen Dienstes der Krankenkassa, so ein hysterisches Geräusper und Gehuste geht durch den Saal. Heftig wird die letzte Möglichkeit vor der sich anschließenden kulturbedingten Ruhepause genutzt, um diversen Zwängen noch ein wenig Auslauf zu gönnen.

Hypochonder darfst du hier keiner sein!, denkt er sich, während auch ihm langsam ein verstärkter Speichelfluss den Mund wässrig macht. Nicht, weil sich ein Gusto auf etwas Paniertes und frisch Herausgebackenes einstellt, sondern weil da gerade eine kleine Übelkeit im Anmarsch ist. So ein enger Anzug oder das vorm Weggehen noch schnell verdrückte Grammelschmalzbrot könnte einem Magen zwar tatsächlich zusetzen, der Metzger kämpft jedoch an einer anderen Front: Reichlich aufgetragene Duftwässerchen, kombiniert mit dem nun eifrig zum Auftritt des Dirigenten applaudierenden Publikum, das kann schon was. Genauso wie das Orchester. Hierzulande soll es kein besseres geben.

Der Dirigent holt aus, einsam beginnt ein Fagott, und erst nach und nach schmeicheln sich auch die übrigen Instrumente dem Zuhörer ins Ohr. Wobei natürlich unter schmeicheln jeder etwas anderes versteht.

Volltönend setzt abermals die Stimme Eduard Pospischills ein: "Stimmen die schon wieder, oder willst du mir erklären, dass das jetzt nach Noten geht? Da setz ich mich aber heut noch zum Wirten und mal Kugerln auf ein paar Bierdeckeln."

In der hinteren Reihe knirscht ein Holzsessel, es folgen ein dezentes Klopfen auf die Schulter des Restaurators und ein zischendes: "Meine Herren, Sie wissen aber schon, warum wir Zuhörer heißen?"

Dass dieser Kulturgenuss peinlich ausfallen könnte, hat Willibald Adrian Metzger schon beim Erhalt seiner Einladung befürchtet. "Metzger, stell dir vor", wurde ihm da von Eduard Pospischill am anderen Ende der Leitung erklärt. "Da hab ich mein Lebtag noch nie etwas gewonnen, dann wird gestern am Polizeifest bei der Tombola meine Nummer gezogen, ich freu mich wie ein Hutschpferd, bekomm zwei Konzertkarten, und der einzige Kommentar meiner Göttergattin ist: "Schad ums Geld für die Lose!" Was mach ich jetzt? So etwas lässt man doch nicht einfach verfallen, oder? Sag, willst du mich nicht begleiten? Mir fällt sonst keiner ein. Außerdem, bei so etwas war ich noch nie!"

Langtext

Willibald Adrian Metzger bekommt Gesellschaft. Denn nicht nur die Polizei rückt ihm im wahrsten Sinne des Wortes zu Leibe, auch eine schöne Unbekannte tritt unvermutet in sein Leben. Alles beginnt damit, dass am Morgen nach dem Besuch eines klassischen Konzerts auch für eine Musikerin des Orchesters der Schlussakkord erklingt vorbei ist es für den Metzger mit der Ruhe. Und es dauert nicht lange, bis er neben weiteren Musikerinnen mit durchschnittener Kehle und einem unleidlichen Kommissar auch noch schwerwiegende private Probleme am Hals hat Thomas Raab schickt seinen erfolgreichen Ermittler Willibald Adrian Metzger in einen neuen Fall, in dem gute Musik und die besseren Kreise bedeutende, wenn auch unrühmliche Rollen spielen.

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