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Cover Der Metzger sieht rot

Der Metzger sieht rot

Kriminalroman

Erschienen 2010 bei Piper
Sprache: Deutsch
320 Seiten
ISBN 978-3-492-95326-9

Textauszug

1

Unaufhaltsam bewegt sie sich auf ihn zu. Es gibt Situationen, da ist die Chance zu entkommen so realistisch wie ein Lottogewinn. Ob er nun will oder nicht, sie wird ihn erfassen. Und während sie mit unausweichlicher Vehemenz heranrollt, beobachtet der Metzger seine Umgebung genauso verwundert wie ein Eremit die erste Karnevalssitzung. Wozu Menschen imstande sind, muss man erst erleben.

Da hilft es auch gar nichts, dass er in den letzten Monaten mehr Personen näher kennengelernt hat als in den vergangenen Jahren und dass aus diesen unangenehmen erzwungenen Konfrontationen durchaus angenehme Bekanntschaften hervorgegangen sind. Soviel nette Personen kann Willibald Adrian Metzger nämlich gar nicht kennenlernen, dass sich bei ihm diesbezüglich ein Effekt der Gewöhnung oder gar der Sucht einstellt. Ganz im Gegenteil, das Auftreten des Menschen im Plural, als Anhäufung auf engstem Raum, löst bei ihm kein anderes Verlangen aus, als schleunigst den Rückzug in seine Werkstatt antreten zu können - was momentan rein beziehungstechnisch völlig ausgeschlossen ist.

Und während er sich ein wenig fröstelnd nach seinem stillen Kellergewölbe sehnt, kommt ihm aus heiterem Himmel der Gedanke an das friedliche Bild des Menschen in seiner ursprünglichen Singularität: ein Fötus im rötlich warmen Schimmer des Inneren seiner Mutter.

Den Metzger schaudert es bei der Vorstellung, so ein kleines Menschenleben müsste hier das Licht der Welt erblicken. Doch gerade die aktuelle Farbgestaltung dieses Umfelds trägt wesentlich für die ungewöhnlichen, pränatalen Gedankengänge des Willibald Adrian Verantwortung.

Eine gigantische Heerschar an Gestricktem, Bedrucktem, um den Hals Gewickeltem, durch die Luft Geschwenktem, auf Wangen und Körperteile Geschmiertem knallt dem Metzger ein Rot vor die Augen, dagegen wäre die mütterliche Plazenta ein lahmer Farbtupfer, eine optische Belanglosigkeit.

Dermaßen von Rot dominiert ist Willibalds augenblickliche Umgebung, dass es einem unkonzentrierten Beobachter gar nicht auffallen würde, wie sehr sich da neben dem Metzger die Backen von Danjela Djurkovic ebenso gänzlich diesem Farbton angepasst haben. Der Metzger ist nun aber alles andere als ein unkonzentrierter Beobachter, und gerade hier, inmitten dieses Malkastens, interessiert es ihn ohnedies viel mehr, sich den Backenrötungen, die die Menschen inklusive seiner durchaus angenehmen Bekanntschaft Danjela Djurkovic da an den Tag oder besser gesagt an die flutbelichtete Nacht legen, zu widmen als jener Angelegenheit, für die das Flutlicht eigentlich vorgesehen wäre.

Angespannt sitzt sie da, die Djurkovic, und wenn sich beim Metzger in den letzten Wochen ein zarter Hauch von "sich kennen" eingeschlichen hat, dann ist in diesem Moment von dem Lüftchen nicht mehr viel vorhanden. Um nicht zu sagen: Flaute.

Von der Djurkovic-Ausgeglichenheit, die der Willibald Adrian so zu schätzen gelernt hat, ist nur noch eine Form von physischer Balance über, die die leicht in Hockstellung befindliche Danjela vor dem Umkippen bewahrt. Wie eine Vollblutstute kurz vor dem Rennstart verharrt sie in dieser eigentümlichen Stellung, aus der sie unter gewöhnlichen Umständen schon längst hoffnungslos auf ihrem, von Willibald Adrian Metzger so gern gesehenen mächtigen Hinterteil gelandet wäre. Jede Faser ihres Körpers ist auf den Sprung vorbereitet, auf diesen einen Moment der Entladung und sie wartet angespannt auf das Heranrollen. Langsam und schwerfällig nähert es sich, begleitet von einem gewaltigen Gegröle, das selbst auf mittelalterlichen Schlachtfeldern hätte mithalten können. Im Grunde ist das hier auch nichts anderes - genauso martialisch, genauso Furcht

Langtext

Was tut man nicht alles aus Liebe? Willibald Adrian Metzger zum Beispiel, der feinsinnige Restaurator, überwindet seine Abneigung gegen Massenveranstaltungen und begleitet seine heiß verehrte Danjela zu einem Heimspiel ihrer Lieblingsmannschaft mit tragischem Ende. Denn auch der Tod löst diesmal seine Eintrittskarte und zeigt auf dem Spielfeld die finale Rote Karte. Als tags darauf überdies Danjela ihrer Neugierde zum Opfer fällt, ist es vorbei mit der Gelassenheit Metzgers. Mit einer ordentlichen Portion Wut im Bauch macht er sich auf die Suche nach der Wahrheit und findet dabei etwas erschreckend anderes.

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