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Cover Herzzeit

Herzzeit

Ingeborg Bachmann - Paul Celan. Der Briefwechsel

von Ingeborg Bachmann; Paul Celan; Beiträge von: Max Frisch; Gisèle Celan-Lestrange

Erschienen 2010 bei Suhrkamp
Sprache: Deutsch
399 Seiten
ISBN 978-3-518-73090-4

Inhaltsverzeichnis

Briefwechsel Ingeborg Bachmann / Paul Celan Briefwechsel Paul Celan / Max Frisch Briefwechsel Ingeborg Bachmann / Gisèle Celan-Lestrange Kommentar der Herausgeber

Kurztext / Annotation

Ingeborg Bachmann und Paul Celan. Lange war ihre Liebe ein großes Geheimnis, jetzt ist sie dokumentiert. Der Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan, zwei der bedeutendsten deutschsprachigen Dichter, ist das bewegende Zeugnis zweier Menschen, die sich liebten und gegenseitig verletzten, die einander brauchten und doch nicht miteinander leben konnten. Fast zwanzig Jahre lang kämpfen sie in ihren Briefen um die Liebe und Freundschaft des anderen, wiederholt herrscht Schweigen, immer wird der Briefwechsel wiederaufgenommen - bis es 1961 endgültig zum Bruch kommt.

Ingeborg Bachmann wurde am 25. Juni 1926 als erstes von drei Kindern des Volksschullehrers Matthias Bachmann (1895-1973) und seiner Frau Olga (geb. Haas, 1901-1998) in Klagenfurt (Österreich) geboren. Ihre Mutter stammt aus dem an ?Böhmen? und Ungarn grenzenden Niederösterreich, ihr Vater aus Obervellach bei Hermagor im Kärntner Gailtal, wo die Familie in Ingeborg Bachmanns Kindheit oft Ferien verbrachte. Dieser Kärntner Grenzraum im Dreiländereck Österreich-Italien-Slowenien repräsentiert für die Autorin später "ein Stück wenig realisiertes Österreich (...), eine Welt, in der viele Sprachen gesprochen werden und viele Grenzen verlaufen" (WIV, 302), und damit die Utopie eines gewaltfreien Miteinanders der Völker, die bereits der ebenfalls in Klagenfurt geborene Autor Robert Musil (1880-1942), Bachmanns wohl wichtigster Bezugspunkt in der literarischen Moderne Österreichs, mythisierend auf das Kaiserreich Österreich-Ungarn als Vielvölkerstaat projiziert hatte. Noch in dem Roman Malina steht dieses "Haus Österreich" als literarische Utopie für eine "geistige Formation", die kritisch gegen die Verkrustungen der österreichischen Nachkriegsgesellschaft und gegen die Verdrängung des österreichischen Anteils an der Katastrophe des Nationalsozialismus gewendet wird, um zugleich gegen die wachsende kulturelle Dominanz Westdeutschlands einen spezifisch österreichischen "Erfahrungsfundus, Empfindungsfundus" zu behaupten.
Rückblickend nach dem Erscheinen des Romans Malina (1971) hat die Autorin den "Einmarsch von Hitlers Truppen in Klagenfurt" (im Rahmen des ?Anschlusses? Österreichs an das Deutsche Reich am12. März 1938) symbolisch zum biographischen Ausgangspunkt ihres Schreibens erklärt und als "einen zu frühen Schmerz" bezeichnet, mit dem ihre "Erinnerung" anfange. Mit dieser Pointierung unterstreicht sie die moralische Verpflichtung und zeitkritische Ausrichtung ihres literarischen Werks als ein "Schreiben gegen den Krieg" (Höller 2004), das seine "Problemkonstanten" in der Auseinandersetzung mit den Verflechtungen von ?kleiner? und "großer GESCHICHTE" (TKA 1, 53), Individual- und Zeitgeschichte im Zeichen gesellschaftlicher Gewalt findet.
Bachmann beginnt schon als Schülerin in Klagenfurt zu schreiben, bis ihr nach ihrem ersten, in Innsbruck und Graz verbrachten Studienjahr (1945/46) mit der Erzählung Die Fähre schließlich die erste Veröffentlichung ...

Textauszug

Fahr gut, freu Dich und laß Dich von nichts Kleinlichem, das es immer gibt, stören in der Freude. Ich werde noch nachdenken über den Ort und schreibe Dir nach Bremen. Diesmal beschütz ich Dich!

Ingeborg

86 Paul Celan an Ingeborg Bachmann, Paris, 21.1.1958

Dienstag

Ich fahre übermorgen, Ingeborg, bleibe dann bis Samstag früh in Köln, ich will Dich Freitag gegen zehn Uhr vormittags anrufen.

Auf jeden Fall telegraphiere ich Dir aus Bremen (bzw. Hamburg), wenn ich alles hinter mir habe.

Ob es nicht am einfachsten wäre, wenn ich nach München komme?

Entschuldige die Eile (und das häßliche Papier)

Paul

Denk doch darüber nach, ob wir uns nicht irgendwo auf halbem Wege treffen sollten. Es gäbe ja Würzburg, Frankfurt, Heidelberg etc. Oder Freiburg im Breisgau, Basel, Straßburg.

Aber ich kann auch nach München kommen, mit einem der schnellen Züge.

Meine Adresse in Bremen kenne ich nicht; offenbar: Gästehaus des Senats (oder so ähnlich)

87 Ingeborg Bachmann an Paul Celan, München, 26.1.1958

ICH DENKE AN DICH

INGEBORG

88 Paul Celan an Ingeborg Bachmann, Hamburg, 27.1.1958

MORGEN ZEHN UHR DREIUNDREISSIG

PAUL

89 Ingeborg Bachmann an Paul Celan, München, 2.2.1958

Sonntag abend

Paul,

die Arbeit, die mich so gequält und belastet hat, ist zu Ende. Und jetzt sollst Du gleich Deinen Brief haben, eh mir die Augen zufallen.

Zu dem neuen Goll-Unfall: ich bitte Dich, laß die Geschichten in Dir zugrunde gehen, dann, meine [ich], gehen sie auch aussen zugrund. Mir ist oft, als können die Verfolgungen [uns] nur [etwas anhaben], solang wir bereit sind, uns verfolgen zu lassen.

Die Wahrheit macht doch, daß Du darüber stehst, und so kannst Du's auch wegwischen von oben.

Ich bekomme "Facile"? Es ist wirklich leicht und einfach geworden, und mußt keinen Augenblick denken, daß mir bang ist. Nach Köln war mir sehr bang. Jetzt nicht mehr.

Meine letzte Angst betrifft nicht uns, sondern Gisèle und Dich und daß Du ihr schönes schweres Herz verfehlen könntest. Aber Du wirst jetzt wieder sehen und die Verdunklung auch für sie aufheben können. Ich sprech nur noch ein letztes Mal davon, und Du mußt mir darauf nicht antworten.

Nach Deiner Abreise habe ich zum ersten Mal wieder gern gearbeitet, sogar das stundenlange, monotone Abtippen war mir eine Freude, und ich bin in hellem Eifer.

Ist das nicht auch gut? Jetzt geht es bald nach Tübingen. Auf Deinen Spuren.

Ingeborg

90 Paul Celan an Ingeborg Bachmann, Paris, 8.2.1958

8.2.58.

Der Mai – die Lesung in Düsseldorf – ist weit, ich weiß nicht, ob ich so lang warten kann, ich versuch, mich durch die viele Zeit hindurchzuschreiben.

Seltsam, ich hab diesmal etwas aus dem Russischen übersetzt, es ist, glaub ich, das Gedicht der Revolution, hier ists (verzeih, ich hab das Original dem Fischer Verlag geschickt, Du bekommst nur einen Durchschlag) – sag mir, wenn Du kannst, ob's Dir gefällt, ich zieh da ja merkwürdige Register...

Das zweite, gestern übersetzte, ist ein Gedicht von Jessenin, eins seiner sc

Langtext

Ingeborg Bachmann und Paul Celan. Lange war ihre Liebe ein großes Geheimnis, jetzt ist sie dokumentiert. Der Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan, zwei der bedeutendsten deutschsprachigen Dichter, ist das bewegende Zeugnis zweier Menschen, die sich liebten und gegenseitig verletzten, die einander brauchten und doch nicht miteinander leben konnten. Fast zwanzig Jahre lang kämpfen sie in ihren Briefen um die Liebe und Freundschaft des anderen, wiederholt herrscht Schweigen, immer wird der Briefwechsel wiederaufgenommen bis es 1961 endgültig zum Bruch kommt.

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