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Cover Radikalisierungsmaschinen

Radikalisierungsmaschinen

Wie Extremisten die neuen Technologien nutzen und uns manipulieren

von Julia Ebner; Übersetzt von: Kirsten Riesselmann

Erschienen 2019 bei Suhrkamp
Sprache: Deutsch
200 Seiten
ISBN 978-3-518-76322-3

Kurztext / Annotation

'Spannend, erhellend, erschütternd - dieses Buch ist wichtig.' Jan Böhmermann

Julia Ebner verfolgt hauptberuflich Extremisten. Undercover mischt sie sich unter Hacker, Terroristen, Trolle, Fundamentalisten und Verschwörer, sie kennt die Szenen von innen, von der Alt-Right-Bewegung bis zum Islamischen Staat, online wie offline. Ihr Buch macht Radikalisierung fassbar, es ist Erfahrungsbericht, Analyse, unmissverständlicher Weckruf.

Als Extremismusforscherin stellen sich ihr folgende Fragen: Wie rekrutieren, wie mobilisieren Extremisten ihre Anhänger? Was ist ihre Vision der Zukunft? Mit welchen Mitteln wollen sie diese Vision erreichen? Um Antworten zu finden, schleust sich Julia Ebner ein in zwölf radikale Gruppierungen quer durch das ideologische Spektrum. Sozusagen von der anderen Seite beobachtet sie Planungen terroristischer Anschläge, Desinformationskampagnen, Einschüchterungsaktionen, Wahlmanipulationen. Sie erkennt, Radikalisierung folgt einem klaren Skript: Rekrutierung, Sozialisierung, Kommunikation, Mobilisierung, Angriff.

Julia Ebner, geboren 1991 in Wien, forscht am Institute for Strategic Dialogue in London zu Online-Extremismus. Sie arbeitet mit zahlreichen Regierungsorganisationen und Polizeiorganen zusammen, sie ist Online-Extremismus-Beraterin der UN, NATO und der Weltbank. Sie schreibt regelmäßig für den Guardian und die Süddeutsche Zeitung, war unter anderem bei Markus Lanz, den Tagesthemen und dem heute-journal zur Gast. Ihr Buch Wut. Was Islamisten und Rechtsextreme mit uns machen war ein SPIEGEL-Bestseller.

Textauszug

34 Redpilling für Anfänger: Undercover bei den Identitären

"Hallo Jenni!" Ein großgewachsener Typ mit rechteckiger Brille und kurzen, zurückgegelten Haaren erwartet mich im traditionellen Café Prückel in der Wiener Innenstadt. Für einen Rechtsextremen sieht er fast zu normal aus: Er trägt keine sichtbaren Tattoos, noch nicht mal einen 'fashy Undercut', diesen Haarschnitt, der zum Markenzeichen der Neuen Rechten wurde.

"Oh, hallo! Bist du Edwin?" Eine rhetorische Frage, denn ich kenne den Obmann der Identitären Bewegung Salzburg aus seinen diversen Auftritten in den Medien. Schließlich ist er ein prominenter Kopf der europäischen Identitären. Ein unbeholfener Händedruck, ein verstohlener Blick auf die Nachbartische, dann setze ich mich zu Edwin Hintsteiner.

Meine blonde Perücke passt zu meinem Profilbild auf Twitter, wo ich extra für die Kontaktanbahnung einen Account eröffnet habe. Jennifer Mayer, rufe ich mir ins Gedächtnis, du bist Jennifer Mayer, Philosophiestudentin aus Österreich, zurzeit im Auslandssemester in London. Eine falsche Identität anzunehmen oder sich eine Romanfigur auszudenken - fast dasselbe: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft muss man kennen, sonst kauft einem niemand die Geschichte ab.

Es ist der Tag der Nationalratswahlen in Österreich, die meisten Menschen um uns herum nippen an ihrem Kaffee und diskutieren mit ihren Nachbarn über das zu erwartende Wahlergebnis. Niemand scheint uns zu bemerken, nur eine 35 elegant gekleidete ältere Dame blickt kurz von ihrem Standard auf, einer linksliberalen Tageszeitung. Ich bezweifle, dass sie einen von uns erkennt.

Damals wusste ich noch nicht, dass Hintsteiner nur wenig später insbesondere bei älteren Menschen in Österreich fast berühmt werden sollte: Einige Monate nach unserem Treffen schockierte er am Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust im Januar 2018 mit einem Tweet, der in den Medien heftige Reaktionen auslöste: "Wenn man länger lebt, als man nützlich ist und vor lauter Feminismus nie Stricken lernte. Meine Oma schämt sich für euch." Der Tweet war ein Angriff auf die parteiunabhängige Bewegung 'Omas gegen Rechts' und deren Protest gegen den Akademikerball, ein von der rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei Österreichs organisiertes, alljährlich stattfindendes Fest, das sich zu einer beliebten Zusammenkunft rechtsextremer Einflussnehmer aus ganz Europa entwickelt hat. Natürlich ist es unanständig, eine Vereinigung von Großmüttern auf diese Art und Weise anzugehen. Aber nicht nur das machte den Tweet so kontrovers. Viele brachten Hintsteiners Formulierung mit dem 'lebensunwerten Leben' in Verbindung, einem Ausdruck, den Hitler in einem Erlass vom 9. Oktober 1939 benutzt hatte. Darin befahl er die systematische Ermordung derjenigen, die für zu schwach, behindert oder minderwertig befunden wurden, um weiter am Leben sein zu dürfen. Zusätzlich zu den sechs Millionen Juden, 200000 Roma und 70000 Homosexuellen, die sie ermordeten, brachten die Nazis im Rahmen ihrer Euthanasie-Programme 275000 behinderte und ältere Menschen um. Der Pensionistenverband Österreichs fiel ein in den Chor derjenigen, die den Tweet scharf 36 verurteilten, und kritisierte Hintsteiner für seine "abscheuliche Wortwahl".

"Dann erzähl doch mal was über dich. Wie kommt's, dass du dich für die Identitäre Bewegung interessierst? Bist du schon mal politisch aktiv gewesen?" Smalltalk ist wohl nicht Hintsteiners Ding.

"Nein, nicht wirklich, nur mal was Ehrenamtliches für die FPÖ , Flyer verteilen und so", sage ich und hole mein Telefon aus der Tasche, als müsste ich nach einer Nachricht schauen. "Aber du weißt ja, dass ich in Kontakt bin mit Martin." Als ich erfuhr, dass die Identitären einen britischen Ableger gründen wollen, schickte ich meine Bewerbung an das Team in Großbritannien. Daraufhin meldete s

Beschreibung für Leser

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