Wir verwenden Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzererfahrung auf unserer Website zu bieten und erlauben das Setzen von Drittanbieter-Cookies. Durch die Nutzung unserer Website stimmen Sie zu, dass Cookies auf Ihrem Gerät gespeichert werden. Weitere Informationen zu den verwendeten Cookies und zu ihrer Deaktivierung finden Sie hier.
Cover Globale Gerechtigkeit

Globale Gerechtigkeit

Eine philosophische Einführung

Erschienen 2009 bei Campus Verlag
Sprache: Deutsch
213 Seiten; 205 mm x 133 mm
ISBN 978-3-593-39024-6

Inhaltsverzeichnis

Inhalt
1. Einleitung: Zur Theoriebildung globaler Gerechtigkeit11
1.1 Moralische vs. politische Gerechtigkeit14
1.2 Globale Gerechtigkeitspflichten18
1.3 Globale soziale Gerechtigkeit 24
1.4 Zur Systematik der Einführung30
2. Verantwortung für globale Armut 33
2.1 Globale Armut als moralische Herausforderung: Peter Singer37
2.2 Globale Armut als Gerechtigkeitsproblem: Thomas Pogge44
2.3 Globale Pflichten und nationale Verantwortung: David Miller50
2.4 Politische Verantwortung: Iris Marion Young55
3. Globaler Kontraktualismus65
3.1 Vom Rechtsfrieden zum Weltbürgerrecht: Immanuel Kant70
3.2 Die Vision einer komplementären Weltrepublik: Otfried Höffe75
3.3 Eine Grundcharta der Völkergemeinschaft: John Rawls85
4. Gerechtigkeitstheoretischer Kosmopolitismus95
4.1 Weltweite Verteilungsgerechtigkeit: Charles Beitz und Thomas Pogge103
4.2 Ein globales Menschenrechtsregime: Martha Nussbaum113
4.3 Weltinnenpolitik ohne Weltrepublik: Jürgen Habermas126
4.4 Vom Staatsbürger- zum Weltbürgerrecht: Seylah Benhabib141
4.5 Ein globales Grundrecht auf Rechtfertigung: Rainer Forst148
5. Gerechtigkeitstheoretischer Partikularismus159
5.1 Von der Ohnmacht globaler Gerechtigkeit: Hans J. Morgenthau und Kenneth N. Waltz165
5.2 Liberaler Nationalismus: David Miller 174
5.3 Der Staat als Domäne sozialer Gerechtigkeit: Thomas Nagel182
6. Ausblick: Politischer Kosmopolitismus ohne Alternative?190
Literatur199
Register210

Besprechung

"Einsteiger können vertrauensvoll auf Hahns Einführung zurückgreifen" (Zeitschrift für Politikwissenschaft, 23.03.2010)

Kurztext / Annotation

Die erste deutschsprachige Einführung zum Thema

Textauszug

1 Einleitung: Zur Theoriebildung globaler Gerechtigkeit

Globale Herausforderungen

Im Zuge einer sich beschleunigenden Globalisierung sind wir mehr denn je mit weltumgreifenden Problemen konfrontiert. Ob es sich dabei um Armut in Afrika, Überbevölkerung in Südostasien, ausbeuterische Arbeitsverhältnisse in Mittelamerika, Kohlendioxidemissionen in den USA, Agrarsubventionen in Europa oder den Raubbau an Bodenschätzen in der Arktis handelt: Unabhängig von unserem Wohnort gehen uns diese Probleme etwas an, sei es unmittelbar, weil wir ihre ökonomischen oder politischen Folgekosten bezahlen, sei es mittelbar, weil sie uns moralisch betroffen machen. Medien und Immigranten transportieren das Leid der ganzen Welt zu uns; Klimawandel und zuletzt Finanzkrise haben uns vor Augen geführt, dass wir eine Lebenswelt teilen. Entscheidungen, die in fernen Teilen des Globus gefällt werden, wirken sich bis in unseren Alltag hinein aus. Kurz, wenn politische Philosophen und Theoretiker zunehmend Fragen globaler Gerechtigkeit in den Blick nehmen, ist dies keinesfalls der Ausdruck einer moralisierenden Schwärmerei, sondern ein Erfordernis unserer Zeit und eine notwendige Reaktion auf die zunehmende Verflechtung unseres Zusammenlebens.
Trotzdem geht es vielen noch zu weit, von globaler Gerechtigkeit zu sprechen. Denn der Ausdruck 'globale Gerechtigkeit' scheint bereits einige strittige begriffliche Weichenstellungen vorwegzunehmen. Vor allem evoziert er, dass Gerechtigkeitsfragen keine Grenzen kennen. Wer globale Gerechtigkeit fordert, für den scheinen sich Gerechtigkeitsfragen von vornherein auf den gesamten Planeten Erde zu erstrecken. Es schwingt darin ein Zweifel mit, dass sich Gerechtigkeitsforderungen nur in Hinsicht auf politische Gemeinschaften stellen lassen. Um dieser Entgrenzung des Gerechtigkeitsbegriffs vorzubeugen, sprechen viele Autoren bevorzugt von internationaler Gerechtigkeit. Aber auch diese Redeweise ist nicht neutral, sondern nimmt bereits normative Voreinstellungen vor. Wer von internationaler Gerechtigkeit spricht, zeigt damit an, dass wir vom Nationalstaat als ursprünglichem Kontext der Gerechtigkeit ausgehen sollten. Aus dieser Sicht stellen sich Gerechtigkeitsfragen vorwiegend innerhalb einzelner Nationalstaaten und insoweit wir es mit staatsübergreifenden Problemen zu tun haben, bleibt es Sache der einzelnen Staaten, verbindliche Normen auszuhandeln. In dieser am Nationalstaat orientierten Theorie internationaler Beziehungen ist Gerechtigkeit auf völkerrechtliche Grundprinzipien beschränkt, oft mit dem Ziel, eine internationale Friedensordnung zu ermöglichen.

Globale Gerechtigkeit als neues Paradigma

Die Theorie internationaler Beziehungen und das damit verbundene Primat des Nationalstaats hat das Nachdenken über Gerechtigkeit lange dominiert. Mit Blick auf die Theorieentwicklung der letzten Jahre hat sie allerdings ihren Alleinvertretungsanspruch verloren. Dies hat vor allem damit zu tun, dass die Theorie internationaler Beziehungen auf einem Modell mehr oder weniger unabhängiger Nationalstaaten aufruht, mitunter auf eben jenem Weltbild, das im Zuge der Globalisierung mehr und mehr erodiert. Heute steht der souveräne Einzelstaat im besonderen Maße unter Druck. Seine innere Souveränität, also das Vermögen eines Staates, soziale Regeln innerhalb seines Territoriums durchzusetzen, wird durch die ökonomische Globalisierung unterlaufen. Dezentrale Finanzströme entziehen sich staatlicher Regulierung mit derselben Flexibilität, mit der multinationale Konzerne ihre Produktionsstandorte wechseln. Was die äußere Souveränität von Nationalstaaten, also die Fähigkeit, ihre Verteidigungs- und Sicherheitsinteressen aus eigener Kraft zu realisieren, betrifft, hat eine lange wie grausame Geschichte kontinentaleuropäischer Kriege gezeigt, dass die Idee eines Kräftegleichgewichts souveräner Staaten ein zerbrechliches Ideal darstellt. Im Atomzeitalter und noch viel mehr in einer Zeit, in der d

Langtext

Armut und soziale Gerechtigkeit sind in Zeiten der Globalisierung zu Problemen geworden, die nicht mehr allein auf staatlicher, sondern auf globaler Ebene angegangen werden müssen. Auch die Wissenschaft hat sich dieser Thematik angenommen und Theorien zur globalen Gerechtigkeit entwickelt. Henning Hahn führt in die Konzepte der führenden politischen Theoretiker und Philosophen ein. Am Beispiel der Weltarmut zeichnet er die Theoriedebatte zwischen partikularistischen und kosmopolitistischen Autoren nach. Der Leser erhält einen Überblick über die Kernthesen der wichtigsten Autoren wie Otfried Höffe, Jürgen Habermas, Peter Singer oder Thomas Pogge und erfährt, wie deren Konzepte konkret zur Lösung der Weltarmut beitragen können.

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Henning Hahn, Dr. phil., arbeitet derzeit an seiner Habilitation zur globalen Verantwortung im Projekt »Ethik der Globalisierung« an der Universität Kassel.

Drucken

Kundenbewertungen

21,50 €
(inkl. MwSt.)
Versandfertig innerhalb 24h