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Cover Sizilianische Rache

Sizilianische Rache

Luca Santangelo ermittelt 2

Erschienen 2016 bei Goldmann
Sprache: Deutsch
304 Seiten
ISBN 978-3-641-18760-6

Kurztext / Annotation

An einem heißen Sommermorgen in Palermo reißt ein Anruf den Journalisten Luca Santangelo aus dem Schlaf. Panisch bittet ihn sein Sohn Diego, sofort an die Westküste Siziliens zu kommen. Während eines nächtlichen Ausflugs mit seiner Freundin auf die unbewohnte Insel Mozia wurde Diego in den antiken Ruinen Zeuge eines Raubzugs - und entdeckte die Leiche eines jungen Mannes. Ganz schnell wird Diego zum Hauptverdächtigen. Um seinen Sohn vor dem Gefängnis zu bewahren, beginnt Luca den wahren Täter zu suchen. Und verstrickt sich tief in eine generationsübergreifende Geschichte um Betrug, Rache und eine blutige Tradition Siziliens ...

Ann Baiano ist das Pseudonym einer deutschen Autorin und Verlagsleiterin. 1973 geboren, war sie schon als Jugendliche zum ersten Mal auf Sizilien. Sie hat vier Jahre in Palermo gelebt, Romane sizilianischer Autoren ins Deutsche übersetzt und ist der Insel bis heute eng verbunden. 2015 erschien mit 'Sizilianisches Blut', dem ersten Fall für Luca Santangelo, ihr Krimidebüt.

Textauszug


1

L eise plätscherte das dunkle Wasser, als sie vorsichtig in das kleine Holzboot mit seinen von der Sonne ausgeblichenen roten und blauen Streifen stiegen. Silbriges Mondlicht lag noch über der Lagune, und dort, gar nicht weit entfernt, zeichnete sich in der Dämmerung der Umriss der kleinen Insel Mozia ab. Es würde wieder ein heißer Tag werden, dachte Diego, als er sich an dem alten, rostigen Hilfsmotor zu schaffen machte. Der ruckelte und spuckte, dann zerschnitt ein Geräusch die Stille, das wie das Aufjammern eines gequälten Tiers klang.

Als Giulia hinter ihm kicherte, zuckte er zusammen und drehte sich um: Kein Mensch war am Ufer zu sehen, die Landstraße lag verlassen da, ebenso der kleine Hafen, an dem tagsüber die Fähren nach Mozia ablegten. In der Ferne sah er die Lichter von Marsala in der Dämmerung schwächer werden.

"Setz dich, es geht los", forderte er Giulia auf, die sich gerade eine Zigarette anzündete. Sie zog ihre Highheels aus und setzte sich auf eine der beiden morschen Holzbänke. Es roch nach abgestandenem Wasser und verfaultem Fisch. Diego rümpfte die Nase und schaute in das pechschwarze Wasser. Voller Algen und Schlamm, das konnte man bei dem Licht nicht sehen, aber er erinnerte sich, dass er sich jedes Mal vor dem Lagunenwasser geekelt hatte, wenn er hier gewesen war.

"Fahr los, wenn die Sonne aufgeht, will ich drüben sein." Giulia kicherte wieder und warf die langen hellbraunen Haare zurück. Er war froh, dass sie den Sommer auf Sizilien verbrachte nach dem Jahr in Rom, in dem sie sich nur selten gesehen hatten: Ihr Studium der Archäologie und die Hauptstadt hatten sie vollkommen absorbiert, und er war vor Eifersucht fast verrückt geworden. Am liebsten wäre er auch nach Rom gegangen und hätte dort Jura studiert, aber sein Vater wollte, dass er erst einmal in Palermo zeigte, wie ernst er es mit dem Studium meinte. Typisch, sein Vater war meistens ein Spielverderber, und Giulia konnte er nicht besonders leiden ... Jetzt wollte Diego wenigstens im Sommer so viel Zeit wie möglich mit ihr verbringen. Auf den Club in Marsala hatte er heute eigentlich schon um drei Uhr keine Lust mehr gehabt, ein lahmer DJ und komische Leute - nicht zu vergleichen mit denen in Palermo, aber Giulia wollte tanzen und immer weiter tanzen und hatte ihn wieder und wieder an die Bar geschickt. Dann hatte sie die Idee gehabt, nach Mozia überzusetzen. "Bitte, bitte, die Insel ist wunderschön, ich zeig dir, wo wir gerade graben. Komm schon, dort sind wir ganz allein ..."

Letzteres hatte Diego überzeugt, denn die phönizischen Ausgrabungen, von denen sie dauernd erzählte, interessierten ihn nicht besonders.

Langsam tuckerte das kleine Boot über die Lagune der Insel entgegen. Das Wasser sah in der taubengrauen Dämmerung dunkel und bodenlos aus, obwohl die Lagune höchstens anderthalb Meter tief war. Er fröstelte, als ein leichter Wind aufkam. Giulia hatte sich noch eine Zigarette angezündet, seine Lederjacke über die Schultern geworfen und erzählte von den Phöniziern, von der sagenhaften Stadt, die sie einst auf der kleinen Laguneninsel Mozia erbaut hatten, von den Ausgrabungen, an denen sie teilnehmen durfte, und von dem geheimnisvollen Opferplatz, den sie vor ein paar Tagen entdeckt hatten.

"... Baal, das war ein grausamer Kriegsgott, und die Phönizier haben ihm oft ihre erstgeborenen Söhne geopfert, damit er sie und ihre Familien verschont. Die Kinder wurden erst gesteinigt und dann verbrannt ..."

Diego gruselte es - was für eine schreckliche Geschichte. Oder hatte Giulia sich das ausgedacht? Phönizier waren doch Griechen - waren die nicht sehr fortschrittlich gewesen? Er hielt Kurs auf die Insel und fragte sich, ob es schlau gewesen war, das sorgsam vertäute Boot einfach mit dem Taschenmesser loszuschneiden. Was, wenn der Besitzer früh fischen fahren wollte? Wie sollte er das Ding je wieder festbekommen?

Beschreibung für Leser

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