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Cover Unsichtbare Frauen

Unsichtbare Frauen

Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert

von Caroline Criado-Perez; Übersetzt von: Stephanie Singh

Erschienen 2020 bei btb
Sprache: Deutsch
496 Seiten
ISBN 978-3-641-22377-9

Kurztext / Annotation

Unsere Welt ist von Männern für Männer gemacht und tendiert dazu, die Hälfte der Bevölkerung zu ignorieren. Caroline Criado-Perez erklärt, wie dieses System funktioniert. Sie legt die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Erhebung wissenschaftlicher Daten offen. Die so entstandene Wissenslücke liegt der kontinuierlichen und systematischen Diskriminierung von Frauen zugrunde und erzeugt eine unsichtbare Verzerrung, die sich stark auf das Leben von Frauen auswirkt. Kraftvoll und provokant plädiert Criado-Perez für einen Wandel dieses Systems und lässt uns die Welt mit neuen Augen sehen.

Caroline Criado Perez, 1984 geboren, ist Autorin und Rundfunkjournalistin. Sie publiziert u.a. im New Statesman und im Guardian und hält regelmäßig Vorträge. Ihr erstes Buch "Do it Like a Woman" wurde von den Medien als "ein eindringlicher journalistischer Text" und zu einem der "Bücher des Jahres" des Guardian gekürt, "alle jungen Mädchen und Frauen sollten ein Exemplar besitzen". Als eine der international bedeutendsten feministischen Aktivistinnen ihrer Zeit wurde Criado Perez mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Zu ihren bekanntesten Kampagnen-Erfolgen gehören die Mitfinanzierung der Website Women's Room, der Abdruck einer Frau auf britischen Banknoten, die Verpflichtung von Twitter, seinen Umgang mit dem Thema Missbrauch zu ändern, und die Aufstellung einer Statue der Frauenrechtlerin Millicent Fawcett auf dem Parliament Square. 2013 wurde Caroline Criado Perez zum Human Rights Campaigner of the Year ernannt. Seit 2015 ist sie Officer of the Order of the British Empire (OBE). Sie lebt in London.

Textauszug

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Kann Schneeräumen sexistisch sein?

A lles begann mit einem Witz. Im Jahr 2011 forderte eine Gleichberechtigungsinitiative im schwedischen Karlskoga, dass die gesamte Stadtpolitik durch die Genderbrille neu betrachtet werden müsse. Während ein Bereich nach dem anderen dieser strengen Prüfung unterzogen wurde, scherzte ein Behördenmitarbeiter, wenigstens das Thema Schneeräumen würden die "Genderleute" nicht antasten. Zu seinem Leidwesen regte gerade dieser Kommentar die "Genderleute" zum Nachdenken an: Ist Schneeräumen sexistisch?

Wie in den meisten Gemeinden wurden in Karlskoga damals zuerst die Hauptverkehrsadern vom Schnee befreit; Geh- und Fahrradwege kamen zuletzt an die Reihe. Davon waren Männer und Frauen in unterschiedlicher Weise betroffen, weil Männer und Frauen sich unterschiedlich fortbewegen.

Es gibt keine konsistenten, nach Geschlechtern aufgeschlüsselten Daten für jedes einzelne Land, aber die verfügbaren Daten zeigen, dass Frauen überall weitaus häufiger zu Fuß gehen oder öffentliche Verkehrsmittel benutzen. 94 In Frankreich sind zwei Drittel der Fahrgäste in öffentlichen Verkehrsmitteln Frauen; in Philadelphia und Chicago ( USA ) 64 95 bzw. 62 96 Prozent. Männer dagegen fahren weltweit eher mit dem Auto, 97 und wenn ein Haushalt über ein Auto verfügt, haben die Männer Vorrang bei der Benutzung 98 - selbst in Schweden, das als feministisches Paradies gilt. 99

Die Unterschiede enden nicht bei den Verkehrsmitteln, sondern betreffen auch die Frage, warum Männer und Frauen sich fortbewegen. Männer legen meist recht einfache Wege zurück: Sie fahren morgens in die Stadt hinein und abends wieder nach Hause. Die Wege von Frauen sind komplizierter. Frauen erledigen 75 Prozent der weltweiten, unbezahlten Care-Arbeit. Das beeinflusst ihre Bedürfnisse bei der Fortbewegung. Ein für Frauen typisches Fortbewegungsmuster sieht so aus: Sie bringen die Kinder zur Schule, gehen dann zur Arbeit, begleiten später ein älteres Familienmitglied zum Arzt und erledigen auf dem Heimweg die Einkäufe. Diese Aneinanderreihung mehrerer, miteinander verbundener Wege lässt sich weltweit bei Frauen beobachten.

In London bringen dreimal mehr Frauen als Männer die Kinder zur Schule 100 und legen 25 Prozent 101 mehr aneinandergereihte Wege zurück. Diese Zahl steigt auf 39 Prozent, wenn ein Kind über neun Jahren im Haushalt lebt. Dieser Unterschied zwischen aneinandergereihten Wegen bei Männern und Frauen besteht in ganz Europa. Frauen in Doppelverdiener-Familien haben eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit wie Männer, die Kinder auf der Fahrt zur oder von der Arbeit zur Schule zu bringen und abzuholen. Am deutlichsten ist dieser Unterschied in Familien mit jungen Kindern: Eine berufstätige Frau mit einem Kind unter fünf Jahren legt 54 Prozent mehr miteinander verknüpfte Wegstrecken zurück; ein berufstätiger Mann in der gleichen Position erhöht seine Wegstrecken nur um 19 Prozent. 102

Diese Unterschiede führten in Karlskoga zu der Erkenntnis, dass der Schneeräumplan keineswegs geschlechtsneutral war. Der Stadtrat änderte also die Reihenfolge und priorisierte Fußwege und die Routen öffentlicher Verkehrsmittel. Die Überlegung war, dass es nicht mehr koste und es zudem einfacher sei, mit dem Auto durch den Schnee zu fahren, als einen Kinderwagen (oder einen Rollstuhl oder ein Fahrrad) durch den Schnee zu schieben.

Womit in Karlskoga niemand gerechnet hatte: Man sparte damit sogar Geld. Seit 1985 werden in Nordschweden Daten über die Aufnahme Verletzter in Krankenhäuser erhoben. In den Datenbanken bilden Fußgänger und Fußgängerinnen die Mehrheit. Sie werden etwa bei Glätte dreimal so häufig verletzt 103 und bilden die Hälfte aller im Verkehr Verletzten. 104

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